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Wichtig fürs Stadtbild: Für die Bäume im Waitzinger Park (r.) werden Alternativen zur Fällung gesucht.

Es geht um eine Ausnahmeregel

Miesbach: Stadträte wollen Waitzinger Park vor Abholzung retten

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Behördenvertreter präsentieren am Donnerstag im Miesbacher Stadtrat ihre Pläne zur Bekämpfung des ALB. Die Stadträte haben sich mit den Abholzungen abgefunden, wollen aber Bäume retten.

Miesbach – Den Miesbachern stehen schwere Zeiten bevor, glaubt Michael Lechner. Am morgigen Donnerstag wird die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) ihre Abholzungs-Pläne in der Sitzung des Stadtrats (17 Uhr, Rathaus) präsentieren. Der Dritte Bürgermeister, Fraktionssprecher der Freien Wähler und Umweltreferent weiß: Eine EU-Verordnung verlangt von der LfL, alle bekannten Wirtsgehölze des Asiatischen Laubholzbockkäfers (ALB) im Umkreis von 100 Metern um infizierte Bäume zu fällen. Das betrifft nach aktuellem Stand Teile des Waitzinger Parks, der Riviera und der Miesbacher Innenstand. „Mir blutet bei jedem Baum das Herz“, sagt Lechner. „Aber es hilft ja nix.“ Er erwartet die Fällungen für Oktober. Wir erklären, wie die Stadträte dennoch Bäume retten wollen und worum es Donnerstag noch gehen wird.

Miesbach: Was wird die LfL im Stadtrat präsentieren?

Die LfL will alle derzeitigen Funde des ALB in Miesbach vorstellen, sagt Pressesprecherin Elke Zahner-Meike. Außerdem soll es um die Entsorgung von Schnittgut und der zu fällenden Gehölze gehen. Ob die Landesanstalt auch konkrete Fällzonen präsentiert, ist laut Zahner-Meike noch unklar. Wegen des Regens und der Dunkelheit der vergangenen Tage bezweifelt sie, dass die Baumkletterer ihre Kontrollen bis zur Sitzung abgeschlossen haben werden. Ein Zwischenergebnis werde die LfL eher nicht veröffentlichen. Sie wolle nur endgültige Resultate in die Öffentlichkeit geben, um Verwirrung zu vermeiden.

Was wollen die Stadträte von der LfL wissen?

Lechner erhofft sich vor allem Klarheit über den Ablauf der anstehenden Maßnahmen. Er will wissen: „Wie klappt es, dass private Baumbesitzer nicht zur Kasse gebeten werden?“

Manfred Burger, Fraktionssprecher der Grünen, will fragen, wie ein erneuter Einfall des ALB verhindert werden soll. Er sagt: Massiv in den Baumbestand einzugreifen, mache nur Sinn, wenn nicht bald die nächsten Käfer aus Paletten krabbeln.

Gerhard Braunmiller, Bürgermeister-Kandidat der CSU, will wissen, welche Alternativen es zu Abholzungen gibt. „Welche Maßnahmen können Fällungen verhindern?“, fragt er. „Das müssen uns die Experten beantworten.“

Alle wichtigen Fragen und Antworten zum ALB in Miesbach gibt es hier

Werden alle Bäume in den 100-Meter-Zonen gefällt?

Auch Burger hofft, wenigstens einige Bäume vor den Sägen retten zu können – und verweist auf einen Passus in der EU-Verordnung zur Bekämpfung des ALB. Dort heißt es: „In Ausnahmefällen“ sei es erlaubt, Bäume statt der Fällung individuell und regelmäßig gründlich auf Anzeichen eines Befalls zu untersuchen sowie „gleichwertige Maßnahmen“ zur Prävention anzuwenden – wenn die LfL „zu dem Schluss kommt, dass diese Fällung aufgrund des besonderen gesellschaftlichen, kulturellen oder ökologischen Wertes der Pflanzen unangemessen ist“. Burger will wissen, ob die Stadt über diese Regel einen Teil des Waitzinger Parks retten kann.

Ähnlich denkt Paul Fertl, Zweiter Bürgermeister und Sprecher der SPD-Fraktion. Er sagt: „Wenn der Waitzinger Park keine Ausnahme ist, was ist dann eine?“

Dürfen abgeholzte Flächen bebaut werden?

„Eine ganz heiße Kiste“ sind für Fertl Bauprojekte, die bisher an schützenswerten Bäumen gescheitert sind. Für sie könnten die Fällungen eine Tür öffnen. „Ich höre einige Investoren schon mit den Hufen scharren. Aber ich werde mich taub stellen.“ Auch Lechner sieht „Begehrlichkeiten wachsen“, sagt er. „Aber wir haben im Bauausschuss die Hand weiter drauf.“ Das sieht auch Burger so: „Wir sollten den ALB nicht als Gelegenheit sehen, um zu bauen.“ Braunmiller will im Einzelfall entscheiden.

Wie soll Miesbach wiederaufgeforstet werden?

Zur Wiederaufforstung „gibt es zwei Möglichkeiten“, erklärt Lechner. „Wir können nur Eichen und Obstbäume pflanzen“ – praktisch die einzigen heimischen Laubbäume, die in der Befallszone erlaubt sind. „Oder wir warten vier Jahre, bis die Quarantäne abläuft.“ Er glaubt an eine Mischlösung. Wahrscheinlich werde die Stadt einige Lücken bald schließen, die restlichen Aufforstungen aber Stück für Stück angehen. Diese Vorgehensweise sei ökologisch sinnvoller und leichter finanzierbar als eine sofortige Wiederaufforstung.

Auch Burger will vor Ablauf der Quarantäne Bäume pflanzen. Denn diese könne auch deutlich länger dauern als vier Jahre, argumentiert er. Tauchen neue Käfer auf, wird sie verlängert. Das Risiko, Miesbach sechs Jahre oder länger ohne Bäume zu lassen, will er vermeiden. „Wir dürfen dabei aber nicht zu einseitig werden“, warnt er. Pflanze die Stadt nur Obstbäume, drohe in einigen Jahren das gleiche Problem mit einem Obst-Schädling.

Dem stimmt auch Braunmiller zu. Er will Miesbach schnellstmöglich so wiederherstellen, wie es einmal war – aber schrittweise und unter Einhaltung der Empfehlungen der Experten.

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