Platz für vier weitere Betreuungsgruppen: Anstelle der Schuppen auf dem Klostergelände ist ein Anbau geplant, der mit einer überdachten Abstellfläche für Kinderwagen mit der Krippe verbunden werden soll.
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Platz für vier weitere Betreuungsgruppen: Anstelle der Schuppen auf dem Klostergelände ist ein Anbau geplant, der mit einer überdachten Abstellfläche für Kinderwagen mit der Krippe verbunden werden soll.

Stadtrat beschließt

Gesamtpaket für die Kinderbetreuung

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Das Thema Kinderbetreuung genießt in Miesbach mittlerweile oberste Priorität. Der Stadtrat hat sich nun nicht nur für einen Anbau auf dem Klostergelände für weitere Gruppen ausgesprochen, sondern auch einen Arbeitskreis ins Leben gerufen. Zudem wird die Betreuungsstudie fortgeschrieben.

Die Kinderbetreuung in Miesbach war das dominierende Thema am Donnerstagabend im Stadtrat. Aufgeteilt in vier Tagesordnungspunkte, schnürte das Gremium ein Paket, das zumindest mittelfristig ein ausreichendes Platzangebot bei Krippe, Kindergarten und Hort gewährleisten soll.

Und das sieht so aus: Während das denkmalgeschützte Kloster zum Kinderhaus umgebaut wird, sollen Container auf der Volksfestwiese vier Gruppen – wohl drei Krippen- und eine Hortgruppe – vorübergehend Unterschlupf bieten. Zudem soll neben der Krippe im Kloster ein Anbau verwirklicht werden, sofern die Fördermittel zuschießende Regierung von Oberbayern entsprechenden Bedarf attestiert. Darüber hinaus lässt die Stadt die Betreuungsstudie vom Büro MUC-Consulting fortschreiben. Und ein Arbeitskreis Kinderbetreuung soll gewährleisten, dass Entwicklungen direkter in Stadtrat und Verwaltung kommuniziert werden.

Trotz der Einmütigkeit bei den Beschlüssen gab es einigen Diskussionsbedarf – vor allem in der Frage, ob es wirklich noch einen weiteren Anbau brauche, obwohl das Kloster umgebaut wird. Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD), der Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) urlaubsbedingt vertrat, bejahte dies klar: „Wir wissen nicht, wie lange sich der Umbau im Kloster hinzieht und wie viele Gruppen wir dort tatsächlich unterbringen.“ Nicht zu unterschätzen sei die Bauzeit, „denn ich glaube nicht, dass wir schon 2021 einziehen können“.

Wie berichtet, hatte der Bauausschuss den bereits ad acta gelegten Klosteranbau wieder ins Rennen gebracht, nachdem die Variante eines Anbaus am städtischen Montessori-Kindergarten an der Waldeckerhöhe nicht zu überzeugen wusste. Markus Seemüller (Freie Wähler) sprach sich dennoch gegen einen solchen Anbau aus. Wichtiger als Gebäude zu bauen sei es, rechtzeitig Personal zu finden. Außerdem regte er an, ähnlich der Landeshauptstadt München eine Satzung aufzustellen, die es erlaubt, bei Immobilienverkäufen ein Vorkaufsrecht der Stadt ausüben zu können.

Vor diesem Konstrukt warnte Erhard Pohl (CSU). Die Stadt müsse dann die bereits ausgehandelte Kaufsumme übernehmen und würde „überhöhte Preise“ bezahlen. Vor allem haderte Pohl damit, dass die Landesregierung die Kommunen verpflichte, Betreuungsplätze zu schaffen, diese aber bei der Umsetzung alleine lasse. Hier seien finanzielle Anreize sinnvoll, um andere Angebote zu stärken, damit die kommunen nicht so viel ausbauen müssten.

Für CSU-Fraktionssprecher Franz Mayer ist die Diskussion über die Notwendigkeit eines Klosteranbaus eh überflüssig: „Das prüft die Regierung von Oberbayern. Wenn wir Bedarf haben, müssen wir handeln. Und haben wir nicht genug Bedarf, werden wir nicht gefördert und können gar nicht bauen.“ Daher sei es sinnvoll, die Planungen zum Anbau fortzusetzen, bis die Frage des Bedarfs geklärt sei.

Dazu will die Stadt ihre Kinderbetreuungsstudie vom Büro MUC Consulting erneut fortschreiben lassen. Wie genau die beiden Experten Robert Hobelsberger und Stephan Mahlert 2016 lagen, belegt die Sitzungsunterlage: Damals wurden bis 2018 als Bedarf in der Krippe 70 Plätze und im Hort 57 Plätze prognostiziert. Aufgrund der aktuellen Anmeldezahlen der Stadt fehlen zum September 2019 genau 80 Krippen- und 53 Hortplätze.

Lediglich im Kindergarten sind – ebenfalls wie vorhergesagt – ausreichend Plätze vorhanden. Hier liegt der Bedarf bei 333 Plätzen, von denen 325 vorhanden sind. Bei der Krippe sind aktuell lediglich 48 Plätze genehmigt, beim Hort sind es 27. Bei der Kleinkindgruppe werden 50 Plätze gebraucht, 44 sind vorhanden, sechs Kinder stehen auf der Warteliste. Die Verwaltung geht davon aus, dass die Nachfrage bei der Betreuung auf jeden Fall steigen wird.

Das Thema Arbeitskreis hatte Seemüller in der Mai-Sitzung angeregt – die AK-Idee soll nun umgesetzt werden. Mitglieder des Gremiums sollen neben Bürgermeisterin und zuständigen Sachbearbeitern aus der Verwaltung je ein Vertreter der im Stadtrat vertretenen Gruppierungen sein sowie bei Bedarf Vertreter der betroffenen Eltern und Einrichtungen. Während Seemüller mit Blick auf den Unmut bei der Bürgerversammlung feststellte, dass „bei der Kommunikation zwischen Stadt und Einrichtungen etwas nicht stimme“, gab sich Fertl diplomatisch: „Wir schauen nach vorn.“

ddy


Lesen Sie dazu auch das Interview: Diese Planungsfehler machen Kommunen bei der Kinderbetreuung

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