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Den Eisbach in München kennt Markus Knöringer seit seiner Jugend.

„Es geht um die Leidenschaft“

Surfender Mediziner: Markus Knöringer will zu Olympia 

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Er war einer der ersten Surfer am Münchner Eisbach. Auch heute – als Mediziner in Miesbach – lässt Markus Knöringer die Sportart nicht los. 2020 möchte er als Betreuer zu Olympia in Tokio.

Miesbach Bilder von Skifahrern oder Langläufern sucht man in seiner Praxis in Miesbach vergeblich. Nicht dass Dr. Markus Knöringer medizinisch nicht im Wintersport unterwegs wäre. Doch die Spitzensportler unter seinen Patienten entstammen meist einer kleinen, weitgehend unbekannten Szene. Warum aber kommen Wellenreiter aus ganz Deutschland ausgerechnet ins Oberland? Es liegt am behandelnden Arzt: Der Neurochirurg und Wirbelsäulenspezialist ist selbst einer der Pioniere des Surfsports im deutschsprachigen Raum.

Surfen – die Leidenschaft hat den 50-Jährigen 1986 erfasst. Der gebürtige Münchner gehörte zu einer kleinen Gruppe von Wellenreitern, die damals den Eisbach im Englischen Garten für sich und ihre extravagante Sportart entdeckt hat. „Damals war das Wellenreiten dort noch verboten“, erinnert sich der Mediziner. „Gerade in der Anfangszeit gab es auch viele Verletzungen.“ Über die Jahre zogen der Eisbach und seine stehende Welle immer mehr Sportler an, inzwischen ist der Surfspot längst Kult. Und Pionier Knöringer wurde darüber sogar zum Filmstar. 2009 war er einer der Protagonisten im preisgekrönten Dokumentarfilm „Keep Surfing“ von Björn Richie Lob.

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Rosina Neuerer aus Aying kommt regelmäßig zur Behandlung in Knöringers Praxis nach Miesbach.

Aus medizinischer Sicht zählt das Wellenreiten nicht zu den gefährlichsten Sportarten. In erster Linie komme es zu Knie- und Sprunggelenksverletzungen, oft auch zu Blessuren im Gesicht. Dann nämlich, wenn das eigene Board aus dem Wasser schießt und gegen den Kopf schlägt. Als junger Orthopäde und Unfallchirurg im französischen Chamonix war Knöringer da mit ganz anderen Verletzungen konfrontiert. „Das hat mich aber eher nicht abgehärtet“, gesteht er und lacht. „Ich könnte das heute nicht mehr so gut sehen.“

Operationen sind für den 50-Jährigen, der mit seiner Familie in Neuhaus lebt, ohnehin das letzte Mittel der Wahl. Bei seinen Patienten, die mit allen Arten von Rückenbeschwerden zu ihm kommen, setzt der Wirbelsäulenspezialist zunächst auf eine Verlaufsbeobachtung und konservative Therapie. „Wenn jemand Karies hat, benötigt er auch nicht gleich ein Implantat“, sagt Knöringer. Dass er selbst Sportler ist, schaffe eine gewisse Vertrauensbasis und auch eine Vertrautheit mit den Sorgen der Patienten. „Viele wollen von mir wissen, wann sie wieder Skifahren oder Radfahren können“, erzählt er. „Wer selbst Sport treibt, kann sich viel besser in die Lage der Betroffenen hineinversetzen.“

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Knöringers letzter sportlicher Erfolg liegt gut fünf Jahre zurück. 2013 wurde er in München Vize-Europameister im Surfen auf der stehenden Welle. An Wettbewerben nimmt der Vater eines 13-jährigen Sohnes seither nur noch sporadisch teil, seine Aufmerksamkeit gilt vielmehr der wissenschaftlichen Sicht auf die Dinge. So referiert er auf Kongressen, hat unter anderem einen Beitrag über Rückenprotektoren im Wintersport verfasst und für die Firma SQlab an der Entwicklung einer neuen Fahrradsatteltechnologie mitgewirkt. Als Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin gestaltete er zuletzt eine Ausgabe der Verbandszeitschrift mit dem Schwerpunktthema „Neue und traditionelle Olympische Wassersportarten“.

Bei den Spielen im kommenden Jahr in Tokio werden erstmals Wellenreiter um Medaillen ringen. Knöringer könnte sich gut vorstellen, als Verbandsarzt des Deutschen Wellenreitverbandes mit dabei zu sein. Die nötige Erfahrung brächte er wohl mit. In der Vergangenheit war er bei mehreren Surf-, Kitesurf- und Snowboard-Worldcups als sportmedizinischer Betreuer mit von der Partie. Geld verdienen lässt sich damit freilich nicht. „Es geht“, sagt Knöringer, „um die Leidenschaft.“

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