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Blick auf die Kreissparkassenzentrale in Miesbach

In Holzkirchen

Bilanz 2017: Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee plant Filiale der Zukunft

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Die Kreissparkasse plant in Holzkirchen eine Filiale der Zukunft. Es ist ein Versuch, auch im digitalen Zeitalter Kunden an die Bank zu binden.

Miesbach – „Die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee hat das Jahr 2017 mit einer soliden Jahresbilanz abgeschlossen.“ So steht es in einer Presseerklärung des Geldinstituts. Tatsächlich habe man die schwierigen Zeiten hinter sich gelassen, bestätigt Vorstandsvorsitzender Martin Mihalovits auf Nachfrage. Das Haus liege mittlerweile oberbayernweit leicht über dem Durchschnitt. Kredite, Kundeneinlagen und Eigenkapital seien von 2016 auf 2017 weiter angestiegen. „Die Zuwächse sind ok“, sagt er. Dennoch: „Die Ziele, die wir uns selber gesteckt haben, haben wir nicht ganz erreicht.“

Martin Mihalovits ist seit 2012 Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee. Mit der Entwicklung des Geldhauses zeigt er sich zufrieden.

Nun hätte die Kreissparkasse zwar mehr Geschäft machen können, dann aber auf Kosten der Marge. Genau diesen aggressiven Wachstumskurs wollte man 2017 nicht fahren. „Der Umsatz ist nichts wert, wenn unterm Strich nichts übrig bleibt“, sagt Mihalovits. Ziel sei es vielmehr, ein gewisses Niveau zu halten und zu überlegen, welcher Kurs sich langfristig auszahlt. Und hier ist die Strategie klar: Die Bank möchte in der Vertriebsorganisation besser werden und ihre Abläufe an den Bedürfnissen der Kunden ausrichten.

Das ist letztlich auch der Grund dafür, warum es die Bankfiliale am Holzkirchner Marktplatz in ihrer jetzigen Form immer noch gibt. Eigentlich hätte sie schon längst modernisiert werden sollen, doch die Kreissparkasse hat die ursprünglichen Pläne verworfen und intern Überlegungen angestrengt, wie die Filiale der Zukunft aussehen könnte. „Wir müssen heute schon überlegen, was 2025 akut sein kann“, stellt der Vorstandsvorsitzende klar. Voraussichtlich Ende 2019 wird die „Begegnungsstätte, in der auch Bankgeschäfte getätigt werden“, nun fertig sein.

Mit baulichen Veränderungen ist es freilich nicht getan. Angesichts des sich verändernden Kundenverhaltens bedarf es auch bei den Mitarbeitern eines Kulturwandels. „Wir wollen die DNA der Kreissparkasse nicht aufgeben, aber wir müssen sie in die Neuzeit übersetzen“, sagt Mihalovits. Heißt: nicht an alten Strukturen festhalten, sondern nah an den Kunden sein und erfahren, was diese bewegt.

So ist man bei der Kreissparkasse weiterhin „stark auf der Kostenschiene unterwegs“, um bei der Verwaltung überflüssigen Ballast abzuwerfen, und tüftelt gleichzeitig an innovativen Vertriebsstrukturen. Inzwischen zeichnet sich ab, dass die Regionen wieder mehr gestärkt werden sollen – wenngleich nicht in der altbekannten hierarchischen Weise. Vor Ort brauche es vielmehr Spezialisten für die verschiedenen Produkte und eine Art „Beziehungsmanager“, der die Kunden bei Bedarf an diese Spezialisten weiterreicht. „Die Mitarbeiter vor Ort“, so der Vorstandsvorsitzende, „müssen wesentlich handlungsfähiger werden.“

Eine Fusion mit anderen Sparkassen ist für die Bank weiter kein Thema. An Kooperationsmodellen wie beispielsweise mit den Rosenheimern beim Auslandsgeschäft werde aber kontinuierlich gearbeitet. „Man muss nicht alles selber machen“, findet Mihalovits, der zusammen mit Gerhard Gegenfurtner und Erwin Graf den Vorstand bildet. Wie bestimmte Prozesse im Hintergrund ablaufen, sei dem Kunden letztlich egal.

Zahlen aus der Bilanz 2017

Die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee hat das vergangene Jahr mit einer Bilanzsumme von 1,76 Milliarden Euro abgeschlossen. Das entspricht dem Wert von 2016. Die ausgegebenen Kredite kletterten von 1,15 auf 1,17 Milliarden Euro. Tatsächlich ist die Summe noch etwas höher, doch nicht alle 2017 in Aussicht gestellten Kredite wurden im selben Jahr auch ausgezahlt und finden sich somit in der Bilanz wieder. Vereinbart wurden Kredite von 904 Millionen Euro (2016: 882) mit gewerblichen Kunden, 524 Millionen Euro (523) mit  Privatpersonen und 77 Millionen Euro (84) mit Kommunen. Die Summe der Kundeneinlagen kletterte von 1,43 Milliarden Euro leicht auf 1,45 Milliarden, das Eigenkapital von 134 auf 137 Millionen Euro. Um Kredite überhaupt ausgeben zu dürfen, muss entsprechendes Eigenkapital vorhanden sein.

Zum 31. Dezember 2017 hatte die Kreissparkasse 338 Mitarbeiter, zwei mehr als im Vorjahr. Die Frauenquote lag bei 55,3 Prozent. Die Zahl berücksichtigt auch Teilzeitkräfte. 14 junge Menschen schlossen 2017 ihre Ausbildung bei der Kreissparkasse ab, zehn wurden ins Angestelltenverhältnis übernommen. Als „Ausdruck ihrer gesellschaftlichen und sozialen Verantwortung“, wie es heißt, „unterstützte die Kreissparkasse im vergangenen Jahr gemeinnützige Zwecke und Einrichtungen mit rund 700 000 Euro. Einen Schwerpunkt bildeten nach eigenen Angaben die beiden Musikschulen Schlierach-Leitzachtal und Tegernseer Tal.

Psallierchor: Weiter keine Fortschritte

Die Kreissparkasse tut sich weiter schwer, den Psallierchor im Tegernseer Schloss zu verkaufen. Wie berichtet, hatte die Bank 2010 unter ihrem früheren Vorstandsvorsitzenden Georg Bromme für rund 1,5 Millionen Euro das „immerwährende Nutzungsrecht“ für den Raum erworben. Der Kauf war im Zuge der Aufarbeitung der Sparkassenaffäre als „unsachgemäßes Sponsoring“ kritisiert worden. Doch die Verhandlungen mit dem Erzbischöflichen Ordinariat, das als möglicher Käufer infrage kommt, ziehen sich seit Jahren hin. Grund sind die komplexen Eigentumsrechte im Schloss. „Ein Ende zeichnet sich nach derzeitigem Stand nicht ab“, sagt Martin Mihalovits, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse. „Wir müssen weiter abwarten.“

Hintergrund zum Psallierchor: Was bedeutet eigentlich „immerwährendes“ Nutzungsrecht?

sh

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