Ein Ebay-Betrug geriet am Amtsgericht Miesbach wegen pikanter Enthüllungen um einen Vaterschaftstest fast zur Nebensache.
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Ein Ebay-Betrug geriet am Amtsgericht Miesbach wegen pikanter Enthüllungen um einen Vaterschaftstest fast zur Nebensache.

Damit hatte keiner gerechnet

Verrückter Fall am Amtsgericht: Ebay-Betrug gerät wegen Kuckuckskind zur Nebensache

Verrückter Fall am Amtsgericht Miesbach: Eine Frau stand wegen Ebay-Betrug vor Gericht. Plötzlich enthüllte ein geheimer Vaterschaftstest pikante Details.

Miesbach – Es war eine Verhandlung, in der der Sachverhalt fast zur Nebensache geriet. Auf der Anklagebank des Miesbacher Amtsgerichts saß eine Frau in den 30ern, die sich wegen Betrugs in vier tatmehrheitlichen Fällen verantworten musste. Für Verblüffung sorgte aber eine Aussage ihres Ex-Mannes.

Zunächst aber war der Rechtsanwalt der Beschuldigten, Christian Beil, an der Reihe und äußerte sich zu den Tatvorwürfen. Im Strafbefehl stand, dass die Angeklagte, wohnhaft im Schlierach-/Leitzachtal, im Namen ihres Ex-Mannes im November 2015 Waren im Internet bestellt haben soll – ohne dessen Wissen. Zudem soll sie im Juli 2016 über Ebay eine Spielekonsole verkauft aber nicht verschickt haben, obwohl sie das Geld dafür einstrich.

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„Beim Verkauf der Spielekonsole lag keine Betrugsabsicht vor“, meinte Beil. „Die Konsole war vorhanden, wurde aber nicht versandt, da meine Mandantin zu der Zeit gesundheitliche Probleme hatte und sich in Behandlung befand.“

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Zu den Online-Bestellungen äußerte sich die Angeklagte selbst. Drei Handys habe sie bestellt, aber nicht selbst bezahlt. „Mein Ex-Mann sollte eines der Handys bezahlen, das war mit ihm so vereinbart“, erklärte die 39-Jährige. Richter Walter Leitner interessierte, warum es gleich drei Handys waren, die die Angeklagte in ihren Online-Warenkorb gepackt hatte. „Meine Tochter hat sich eins der drei Handys als Weihnachtsgeschenk aussuchen dürfen“, erläuterte die Angeklagte. Die anderen beiden habe sie wieder zurückgeschickt.

Das Problem war, dass der Ex-Mann der Haushamerin nichts von der Handy-Bestellung wusste, als Leitner ihn im Zeugenstand damit konfrontierte. „Es stimmt nicht, dass ich ein Handy hätte bezahlen sollen“, entgegnete er verwundert. Dann wurde es fast schon kurios: „Warum soll ich auch einem Kind, das nicht von mir ist, etwas kaufen?“, fragte der Zeuge. Auch dem Richter war die Verwunderung anzusehen. „Das ist also nicht ihre Tochter?“, fragte Leitner. Die Antwort: „Nein, meine Ex-Frau hat mich über Jahre belogen, dass es mein Kind sei. Ich habe dann einen Vaterschaftstest machen lassen, der negativ ausfiel.“ Die Angeklagte schien aus allen Wolken zu fallen, als ihr Ex-Mann diese Aussage traf. Ob sie selbst um diese Umstände wusste, wurde bei der Verhandlung nicht deutlich.

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Gewusst haben will die Haushamerin auch nichts von ihrer Vorstrafe. Im Jahr 2014 hatte sie eine Geldstrafe für eine Tat erhalten, die genau der jetzigen Anklage entsprach: Betrug in fünf tatmehrheitlichen Fällen. Es handelte sich ebenfalls um unbezahlte Online-Bestellungen.

Die Staatsanwältin ließ Milde walten und schlug vor, „die Spielekonsole wegzubeschränken“. Es würden bei der Angeklagten schwierige Umstände herrschen, „psychisch wie familiär“. Eine Geldstrafe von 130 Tagessätzen à 15 Euro sollte es aber schon sein. Rechtsanwalt Beil schloss sich den Ausführungen der Staatsanwaltschaft an. Richter Leitner verurteilte die Haushamerin letztlich zu exakt der geforderten Geldstrafe. 

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von Philip Hamm

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