1. Startseite
  2. Lokales
  3. Miesbach
  4. Miesbach

Kaum Chancen auf Kompromisse: „Am einfachsten wäre es gewesen, alles abzuholzen“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Dieter Dorby

Kommentare

Ortstermin im Nebel: Wo sich gestern der Bürgermeister und seine Stellvertreter, Fraktionssprecher sowie Verwaltungsmitarbeiter und Forstexperten getroffen haben, soll ein Autokran im Idealfall übernächste Woche die Bäume entnehmen – entweder weil die ein Sicherheitsrisiko sind oder bei den Arbeiten im Weg stehen.
Ortstermin im Nebel: Wo sich gestern der Bürgermeister und seine Stellvertreter, Fraktionssprecher sowie Verwaltungsmitarbeiter und Forstexperten getroffen haben, soll ein Autokran im Idealfall übernächste Woche die Bäume entnehmen – entweder weil die ein Sicherheitsrisiko sind oder bei den Arbeiten im Weg stehen. © Thomas Plettenberg

Vom Hallenwald retten, was zu retten ist – das ist die Hoffnung der Anwohner. Doch viel Spielraum ließen die Experten der Stadt Miesbach dafür nicht.

Miesbach – Der kalte Nebel am Donnerstagvormittag unterstrich, wie ungemütlich der Ortstermin am Harzberg in Miesbach inhaltlich war – und das nicht nur fachlich. Denn während Bürgermeister Gerhard Braunmiller das Treffen eher so verstanden hatte, dass die Stadt vor Ort das weitere Vorgehen – das Fällen von 19 Bäumen – erklärt, legte Anwohnerin Karin Bracher Wert darauf, über diese Bäume einzeln zu sprechen.

Lesen Sie auch das UPDATE 1 zu diesem Bericht: Keine Kompromisse: Alle 19 Bäume werden gefällt - Auch Totholz-Projekt abgelehnt

Lesen Sie auch das UPDATE 2 zu diesem Bericht: Seit Montag fallen am Harzberg die Bäume

Denn nicht jeder sei aus Sicht der Anwohner zwingend zu opfern. „Wir sind gekommen zum Austausch. Wir wollen kein Referat“, ließ sie die Vertreter des Rathauses wissen. Es gehe vielmehr darum, wie gefällt werde und wie der benachbarte Fritz-Freund-Park geschont werden könne.

Bäume in schlechtem Zustand: Sonnenbrand und Pilzbefall

Wie berichtet, hat sich seit der Inspektion im Frühjahr 2022 der Zustand der Bäume am Hang stark verschlechtert. Sonnenbrand und Pilzbefall schwächten sie über den Sommer stark – so sehr, dass nun ein ernstes Sicherheitsrisiko für die umliegende Bebauung entstanden ist.

Lesen Sie auch den Kommentar zum Bericht: Der Fluch der langen Bank - wieder im Zeitdruck

Für Braunmiller ist die Gefahr des Baumbruchs das zentrale Argument: „Wenn Schäden auftreten, dann ist die Stadt verantwortlich. Dann bin ich verantwortlich.“ Deshalb sei die Verkehrssicherungspflicht oberstes Gebot und damit das Fällen.

Experten bestätigen Baumzustand: „Es geht hier um Menschenschutz“

Dies bestätigten die anwesenden Experten. „Die Buche fault am schnellsten“, stellte Stefan Kramer, Abteilungsleiter Forsten am Amt für Ernährungs, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Holzkirchen, fest, der sich wie Braunmiller in strafrechtlicher Verantwortung sah. Die Bäume könnten jederzeit umfallen – „es geht hier um Menschenschutz“.

Lesen Sie auch: Sonnenbrand und Pilzbefall - so diskutierte Miesbachs Stadtrat über die Schock-Nachricht

Einigkeit bestand, dass die acht untersten Bäume im wahrsten Sinn fällig sind. Dies bestätigte auch Tobias Duerdoth, Baumsachverständiger aus Weyarn, den die Anwohner hinzugezogen haben. Umstritten ist dagegen die zweite Reihe. Welcher Baum muss entfernt werden? Bei welchem reicht ein Rückschnitt? Und welche Bäume müssen weichen, damit sie dem Arm des tonnenschweren Autokrans beim Schwenken der Stämme nicht im Weg stehen?

Dabei wehrte sich Kramer ebenso wie Baumpfleger Anton Linsinger und Miesbachs Anlagenreferent Michael Lechner gegen den Eindruck, man würde das Fällen der Einfachheit halber forcieren. Letztlich tue es jedem weh, den Bestand zu reduzieren.

(Unser Miesbach-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.)

Fehler im Jahr 2020: Einfachste Lösung: alles abholzen

Wobei auch festgestellt wurde: Am sinnvollsten und billigsten wäre es 2020 gewesen, den gesamten Hang abzuholzen, als damals im Zuge der Bekämpfung des Asiatischen Laubholzbockkäfers (ALB) viele Buchen gefällt wurden. „Das war damals ein Fehler“, bekannte Linsinger.

Denn dabei wurden andere Bäume beschädigt. Sonne und Starkwind taten bei den vorher geschützten, über 30 Meter hohen Riesen ihr Übriges – sie stehen nun ungeschützt außen am Rand. „Damit hat alles angefangen“, fasste Lechner zusammen. „Das Aufreißen war fast das Ende des gesamten Bestands.“

Anwohner fordern mehr Rücksicht auf Fritz-Freund-Park

Welches Risiko mit den Fällungen einhergeht, war schon 2019 bekannt, aber der Stadtrat lehnte damals Schutzmaßnahmen wie das jetzt beschlossene Aufhängen von Tarnnetzen ab – ein Fehler, wie nun feststeht. Zumal der Schutz laut Zweiter Bürgermeisterin Astrid Güldner (Grüne) 30.000 Euro gekostet hätte – nun kostet das Fällen der 19 Bäume rund 70.000 Euro.

Wichtig: Toiletten gegen „Hinterlassenschaften“

Dennoch brachte der Termin kleine Kompromisse bei einzelnen Bäumen. Auch für das Lagern auf der Wasserreserve und das Arbeiten im Fritz-Freund-Park konnte die Interessengemeinschaft ihre Anliegen vorbringen, damit die von den Anwohnern gepflegte Anlage nicht mehr so geschädigt wird wie 2020. Und dass dort während der Arbeiten Toiletten aufgestellt werden. „Damit wir“, wie Bracher erklärte, „nicht wieder Hinterlassenschaften wegräumen müssen.“ (ddy)

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Miesbach und der Tegernsee-Region finden Sie auf Merkur.de/Miesbach.

Auch interessant

Kommentare