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Trotz Ukraine-Krieg: Wird Warmbad weiter mit Gas beheizt? – „Grob fahrlässig“

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Von: Dieter Dorby

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Unbeschwerter Badespaß im mit Gas beheizten Wasser ist aus Sicht mehrere Stadtratsmitglieder aktuell mehr als fragwürdig. Ein Beschluss, den Gaseinsatz zumindest zu reduzieren, kam in der jüngsten Sitzung allerdings nicht zustande.
Unbeschwerter Badespaß im mit Gas beheizten Wasser ist aus Sicht mehrere Stadtratsmitglieder aktuell mehr als fragwürdig. Ein Beschluss, den Gaseinsatz zumindest zu reduzieren, kam in der jüngsten Sitzung allerdings nicht zustande. © Thomas Plettenberg

An kühleren Tagen beheizt Gas das Becken im Miesbacher Warmfreibad. Ist das vertretbar, nachdem die zweite Krisenstufe im Notfallplan Gas ausgerufen wurde? Der Stadtrat ist sich uneins.

Miesbach – Der Tagesordnungspunkt „Unvorhergesehenes, Wünsche, Anträge“ bildet den Schluss einer jeden Stadtratssitzung in Miesbach. Für die Mitglieder ist es die Gelegenheit, Anfragen zu stellen, kurze Berichte abzugeben oder auch – wie zuletzt geschehen – spontan Themen anzuschneiden, die sich kurzfristig ergeben.

Für Markus Seemüller (FWG) war das Ausrufen der zweiten Krisenstufe im nationalen Notfallplan Gas durch Wirtschaftsminister Robert Habeck am Donnerstag Anlass genug, um über Miesbachs Möglichkeiten zu sprechen, einen Beitrag zu leisten. „Wir haben eine neue Situation beim Gas“, stellte Seemüller fest.

„Grob fahrlässig“: Frage um Gas-Beheizung des Freibads löst Diskussion in Miesbach aus

Deshalb forderte er nicht nur eine zügige Antwort auf die Anfrage eines Investors, der in Miesbach eine regenerative Nahwärme aufbauen will, sondern auch ein Überdenken beim Beheizen des städtischen Warmfreibads mit Gas.

Lesen Sie auch den Kommentar zum Thema: Votum im Stadtrat unkollegial und undemokratisch.

„Das Bad mit Gas zu beheizen, ist grob fahrlässig“, stellte er fest und verwies darauf, dass erste Betriebe schon nicht mehr produzieren könnten. „Es geht darum, jeden möglichen Kubikmeter Gas zu sparen.“ Der frühere Beschluss, das Bad bis zum Umbau mit Gas zu beheizen, sei in seinen Augen nicht mehr haltbar. Paul Fertl (SPD) schloss sich diesem Vorstoß an: „Wir sollten uns korrigieren.“ Jetzt im Hochsommer könne man das Gas abstellen; es sei verzichtbar.

Wassertempertatur bereits gesenkt – „Wenn wir aber gar nicht mehr heizen, wird man das merken“

Laut Bauhofleiter Jürgen Fischer wurde die Grundtemperatur bereits vor einigen Wochen auf 21 Grad gesenkt. „Wenn wir aber gar nicht mehr heizen, wird man das merken“, gab er zu bedenken. In warmen Phasen bringe die Absorberanlage die Wärmeenergie ins Wasser. „Das Gas läuft also nicht durchgehend.“ Gas sei jedoch wichtig, die Wassermassen anfangs auf Temperatur zu bringen. Familienreferentin Malin Friese (Grüne) sah es mit Blick aufs Kinderbecken dagegen als zumutbar an, kälteres Wasser anzubieten: „So lange sitzen die Kinder auch nicht drin.“

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Dem allgemein geäußerten Wunsch, vielleicht doch eine Änderung zu beschließen, zeigte Geschäftsleiter Gerhard Führer Hürden auf. Das Problem: Man könne nicht so einfach beschließen, wenn das Thema nicht auf der Tagesordnung steht. Diesmal fehlten mit Petra Six (CSU), Kick van Walbeek (Grüne) und Andreas Reischl (FWG) drei Ratsmitglieder. Dennoch sei eine Abstimmung möglich, erklärte Führer. Dazu brauche es zuerst einen einstimmigen Beschluss, dass abgestimmt werden soll, und dann in der Folge die Abstimmung zur Sache selbst.

Sogar Badreferent sieht Notwendigkeit zum Handeln: „Ich sehe, was in der Welt los ist“

Dabei sprach sich selbst Erhard Pohl (CSU), der sich als Badreferent bekanntlich mit viel Herzblut für das Bad einsetzt, dafür aus, zumindest eine Reduzierung des Gasverbrauchs vorzunehmen: „Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Auch ich bin Realist und sehe, was in der Welt los ist.“

Einerseits habe man ein Warmbad, andererseits sei die allgemeine Situation besorgniserregend. „Ich denke, die Bevölkerung versteht es, wenn die Temperatur jetzt nicht mehr relevant ist.“ Pohl schlug als Kompromiss vor, die Stütztemperatur auf 20 Grad abzusenken. „Denn mit 18 Grad wäre es kein Bad mehr.“

Ob dieser Kompromiss mehrheitsfähig gewesen wäre, war nicht mehr festzustellen. Denn bei der ersten Abstimmung sprachen sich Verena Schlier (CSU) und Florian Hupfauer (FDP) ohne Erklärung und Vorwarnung dagegen aus, über das Thema abzustimmen.

Diskussion um Gas-Beheizung des Freibads: Anträge für die nächste Sitzung liegen bereits vor

Vom Tisch ist das Thema damit noch nicht. Seemüller hat – wie bereits in der Sitzung angekündigt – einen Antrag für die nächste Sitzung des Stadtrats am Donnerstag, 28. Juli, gestellt. Darin heißt es: „Die zusätzliche Beheizung des Freibads mit Gas ist vor dem Hintergrund der aktuellen Versorgungssituation und zudem aus Sicht des Klimaschutzes nicht mehr vertretbar.“

Daraus ergeben sich zwei Beschlüsse: Zum einen soll der Stadtrat den Beschluss zur Zusatzbeheizung des Freibads mit Gas vom 25. Mai 2022 aufheben. In einem zweiten Beschluss solle sich der Stadtrat dafür aussprechen, „auf eine Zusatzbeheizung des Freibades mit Gas umgehend und bis auf Weiteres zu verzichten“. (ddy)

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