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Glückliche Mama, stolzer Sohn: Concetta Giannini mit Alessandro.

Pizzeria Da Leonardo:

Zuhause bei „Mamma“: Warum die Gianninis da erfolgreich sind, wo andere gescheitert sind

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Wo andere Wirte kein Jahr lang durchhalten würden, sind Concetta und Leonardo Giannini seit fast 30 Jahren erfolgreich: Die Pizzeria Da Leonardo in Miesbach brummt. Hier verraten sie ihr Erfolgsgeheimnis.

Miesbach – Kaum hatten sie ihre Tankwagen beim Milchhof abgestellt, zog es die Lkw-Fahrer aus Italien auch schon über die Straße. Nach hunderten Kilometern auf der Autobahn hatten sie nicht nur Hunger auf Pizza und Pasta, sondern auch auf ein Stück Heimat. Das wartete nur wenige Meter von ihrem Ziel an der Haidmühlstraße in Miesbach entfernt: das Ristorante Da Leonardo. 

„Meine Gäste sind meine Familie“

Hier fühlten sie sich so, als würden sie bei „Mamma“ im Wohnzimmer essen. Das lag in erster Linie an ihrer Gastgeberin Concetta Giannini. „Meine Gäste sind meine Familie“, sagt Concetta. Eine Philosophie, die die 52-Jährige bis heute lebt.

Den Milchhof gibt es längst nicht mehr, das Da Leonardo schon. Und trotz seiner Lage in einem eher unscheinbaren Gebäude abseits der Innenstadt ist es heute es mindestens so voll wie damals. Die Stammgäste – fast ausschließlich Miesbacher – kommen nicht nur für Penne und Fusilli, sondern vor allem wegen Concetta und ihrer Familie. „Jeder Gast verbindet etwas mit uns“, sagt Alessandro (27), der seine Mama im Service unterstützt. Doch so sehr er sich auch bemüht: Früher oder später höre er immer dieselbe Frage, erzählt er schmunzelnd: „Wo ist denn die Concetta?“

Promis wie Franz Josef Strauss oder Franz Beckenbauer hat sie früher bedient

Schon als Studentin war die herzliche Italienerin in der Gastronomie unterwegs. Damals bediente sie in einem Lokal in Pisa. 1987 besuchte sie dann ihre Cousine in München – und aus einem Reiseziel wurde eine neue Heimat. Giannini fand eine Stelle als Sprachlehrerin am italienischen Konsulat. Ihr späterer Mann Leonardo arbeitete zu dieser Zeit als Geschäftsführer bei einem Nobel-Italiener in Neubiberg. Promis wie Franz Josef Strauss oder Franz Beckenbauer tafelten regelmäßig hier. Doch die Dienstzeiten waren hart. „Mein Mann ist oft erst um 2 Uhr morgens heimgekommen“, erzählt Concetta Giannini. Der Wunsch nach einem Neuanfang wurde immer größer.

Als Schlüssel zum Glück der Gianninis sollte sich eine Zeitungsanzeige entpuppen. Das Rialto in Miesbach suchte im Januar 1990 nach 18 Jahren neue Wirte. Schon damals ein Traditionshaus, betont Concetta Giannini. „Das war damals das erste italienische Lokal im ganzen Landkreis.“ Das Paar zögerte nicht und sagte zu. Ihr Traum vom eigenen Ristorante wurde war.

Irgendwann standen statt Pommes Zucchini auf der Speisekarte

Die Gianninis lebten sich schnell ein. Anstatt das Restaurant von heute auf morgen umzukrempeln, drückten sie ihm behutsam ihren eigenen Stempel auf. Und irgendwann standen statt Pommes plötzlich Zucchini auf der Speisekarte. „Integration funktioniert eben nicht von heute auf morgen“, meint Alessandro Giannini und lacht. Heute kommen im Da Leonardo längst nur noch frische Lebensmittel auf den Tisch.

Dafür ist Concetta jeden Tag 20 Stunden auf den Beinen, erzählt Alessandro voll Bewunderung für seine Mama. „Bei so einem Pensum würde ich mich nach drei Tagen wie im Karussell fühlen.“ Concetta winkt ab. „Wenn man seinen Beruf mit Liebe macht, ist er nicht mehr anstrengend.“ Die Gäste spüren das. Jeder von ihnen wird bevorzugt behandelt, die Kinder ganz besonders. Wenn eines quengelt, steht wenig später ein Teller Nudeln mit Tomatensauce auf dem Tisch.

Doch es gibt auch Momente, in denen sich Concetta Giannini am liebsten zerreißen würde, um an fünf Tischen gleichzeitig zu sein. „Es tut mir weh, wenn ich das Gefühl habe, dass ich nicht genug Zeit für jeden habe“, sagt sie. Angestellte hatten sie und ihr Mann trotzdem nie. Dafür helfen ihnen ihre drei Söhne, die übrigens auch alle mit einer eigenen Pizza-Kreation samt ihrer Lieblingszutaten auf der Speisekarte stehen. Alessandro mit Gemüse, Marco (20) mit Parmesan und Ruccola und Leon (17) mit Parmaschinken.

Den größten Herzschmerz empfindet Concetta Giannini aber, wenn ihr Lokal voll ist und sie Gäste wegschicken muss. Das kommt aber so gut wie nie vor. Lieber holt die 52-Jährige noch schnell ein paar Stühle aus ihrem Wohnzimmer ins Lokal. Bei Concetta ist einfach jeder willkommen. Wie zuhause bei der „Mamma“.

Die Gastronomie

ist im Umbruch. Häufige Pächterwechsel bereiten sogar Traditionshäusern Probleme. Wir haben das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Dafür haben wir uns mit einer ehemaligen Bräustüberl-Bedienung unterhalten, die in Tegernsee jetzt eine eigene Bar betreibt, und wir haben mit dem Valleyer Brauereichef gesprochen, der erklärt, wie schwierig es ist, neue - und vor allem gute - Wirte zu finden. Im Interview spricht der Rottacher Gastronom Josef Bogner zudem über die Probleme in der Gastronomie, das Wirtshaussterben und die eigene Leidenschaft.

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