Für die einen sind Raketen zum Jahreswechsel eine unverzichtbare Tradition, andere wiederum sehen darin eine sinnlose Belastung für Mensch und Umwelt.
+
Für die einen sind Raketen zum Jahreswechsel eine unverzichtbare Tradition, andere wiederum sehen darin eine sinnlose Belastung für Mensch und Umwelt.

Nachgefragt zum Feuerwerk in Miesbach

Warum sollen Städte und Gemeinden übers Böllern selbst entscheiden dürfen, Herr Seemüller?

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
    schließen

In der jüngsten Sitzung des Miesbacher Stadtrats hat Markus Seemüller (FWG) beantragt, einen Brief an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zu schicken mit der Bitte, die Entscheidung über das Verbot von Feuerwerken künftig in die Hand der Kommunen zu legen.

Miesbach - Der Antrag wurde mit 14:9 Stimmen angenommen. Die Hintergründe dazu erklärt der Landwirt und FWG-Fraktionssprecher im Interview.

Herr Seemüller, was bezwecken Sie mit dem Brief an den Minister?

Markus Seemüller FWG-Stadtrat

Wir haben jedes Jahr das Problem, dass das Bundessprengstoffgesetz es den Kommunen verbietet, selbst darüber zu entscheiden, ob es ein Feuerwerk zu Silvester geben soll oder nicht. Ich finde das antiquiert. Eine Kommune muss in der Lage sein, darüber selbst zu entscheiden und ein Feuerwerk gegebenenfalls zu untersagen. Seit sechs Jahren höre ich im Stadtrat: Da ist der Bund zuständig. Aber wenn die Stadt mehrheitlich sagt, dass man kein Feuerwerk zu Silvester will, dann sollte es auch so sein.

Zuletzt galten ja Kirchen, Altenheime sowie der Marktplatz und der Stadtplatz als Tabuzonen.

Bei Kirchen und Altenheimen ist es eine generelle Regelung. Beim Oberen und Unteren Markt waren es Ensemble- und Brandschutz. Das Problem ist: Die Stadt braucht jedes Mal Gründe, Gründe, Gründe. Ich finde aber, dass man als Kommune Herr des Verfahrens sein sollte.

Lesen Sie auch: Miesbach schreibt wegen Feuerwerk an Bundesinnenminister Seehofer

Wegen Corona ist diesmal Ruhe.

Ja. Wenn diese Pandemie eine positive Seite hat, dann diese. Ich finde das hervorragend. Denn die Freiheit des Einzelnen hört da auf, wo sie die Freiheit des anderen beeinträchtigt.

Wie meinen Sie das?

Besuchen Sie mich zum Jahreswechsel doch mal im Stall. Die Tiere erschrecken durch die ganze Böllerei und bekommen extrem Angst. Ich füttere sie und sperre sie ein, aber es gibt Panikreaktionen im Stall. Wahrscheinlich ist es bei uns deshalb so schlimm, weil von unten in der Stadt zu uns nach oben geschossen wird. Ich bin an Silvester deshalb immer daheim. Aber es geht nicht allein um meine Tiere. Wenn man sieht, wie das Wild flüchtet und es stimmen sollte, dass die Vögel in Panik so hochsteigen wie sonst nie, denke ich, dass das gegenüber unserer Tierwelt unverantwortlich ist.

2021 ist wahrscheinlich wieder Silvester mit Raketen möglich. Denken Sie, dass etwas vom ruhigen Jahreswechsel 2020/21 bestehen bleibt? Oder wird das Böllern umso mehr nachgeholt?

Ich glaube leider Letzteres. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Kommune darüber diskutiert und letztlich selbst entscheiden kann. Denn die Kritik, dass geböllert wird, müssen wir ja auch aushalten.

(ddy)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare