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Eine Kuh steckt fest, nachdem sie zehn Meter tief in eine Felsspalte gefallen ist. Unfälle wie hier in der Valepp sind selten, geschehen im Landkreis zuletzt aber fast täglich. Woran das liegt, ist noch unklar.

Rinder auf Abwegen

Warum geraten grade Kühe überall in der Region in Not? Das sagt der Experte

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Vier Kuhrettungen in vier Tagen allein im Landkreis Miesbach – wie kann man das erklären? Auch der Bezirksalmbauer kann da nur mutmaßen. Einige Ansätze hat er aber.

Landkreis Vier Kuhrettungen in vier Tagen allein im Landkreis Miesbach – das hat man nicht alle Tage. Eine Kuh ging im Schliersee baden, eine in der Aurach, zwei stürzten in der Valepp in eine Felsspalte (wir berichteten). Was ist nur mit den Rindviechern los? Auch Bezirksalmbauer Nikolaus Schreyer (57) aus Brunnfeld (Gemeinde Fischbachau) steht vor einem Rätsel, wie er im Interview verrät.

Von vergangenen Donnerstag bis Sonntag mussten vier ausgebüxte Kühe gerettet werden. Haben Sie so etwas schon einmal erlebt, Herr Schreyer?

Nikolaus Schreyer Bezirksalmbauer aus Fischbachau

So gehäuft hatten wir das noch nie. Natürlich kommt es immer wieder mal vor, dass Kühe gerettet werden müssen. In den Bergen lassen sich Abstürze nie ganz vermeiden. Und auch im Tal büxt immer mal wieder eine Kuh aus. Vier Unfälle in vier Tagen alleine im Kreis Miesbach sind aber schon eine starke Häufung. Wenn das so weitergeht, wird das ein besonders unfallreiches Jahr.

Wie viele Unfälle mit Rindern passieren sonst?

Wie viele Unfälle mit Rindern jedes Jahr genau passieren, kann ich nicht sagen. Es wird nicht jeder einzelne erfasst. Zumindest wissen wir aber, dass es in ganz Oberbayern etwa 65 tödliche Unfälle pro Jahr gibt. Dazu zählen auch Blitzschläge, Steinschläge und ähnliches. Das zeigt: Kühe, die in Felsspalten fallen oder in Seen laufen – das ist selten. Wenn es so gehäuft wie jetzt auftritt, ist das ganz kurios. Normalerweise verteilen sich die Unfälle.

Können Sie sich die Häufung der Unfälle in der Region erklären?

Wir stehen in der Tat vor einem Rätsel. Möglichkeiten gibt es viele. Wir hatten dieses Jahr besonders viele Gewitter, statt einem pro Woche eher drei bis vier starke. Das kann die Tiere aufscheuen. Ich glaube auch, dass es dieses Jahr besonders viel Ungeziefer gibt, das auf die Viecher losgeht, Bremsen zum Beispiel. Auch die Wanderer zieht es öfter querfeldein. Je nachdem, wie man sich da verhält, kann das eine Herde erschrecken. Schließlich könnte es auch sein, dass ein Wolf durchzieht. Auch das würde natürlich für Unruhe sorgen. Genau kann man es allerdings noch nicht sagen. Es könnten auch einige Dinge zusammenkommen.

Können Sie schon eine Ursache ausschließen?

Ausschließen können wir derzeit eine Futterknappheit. Normalerweise passieren gehäuft Unfälle, wenn die Rinder nach Futterquellen suchen und deswegen viel unterwegs sind. Dieses Jahr wächst aber alles. Auch an den Rindern selbst kann es nicht liegen. Die sind wie immer. Die Bauern haben keine Stallrinder angeschafft, die sich erst an die Umgebung gewöhnen müssen. Die Tiere kennen ihre Gebiete.

Können die Behörden jetzt etwas tun, um die Lage zu beruhigen?

Wir versuchen jetzt, die genaue Ursache der Unfälle zu ermitteln. So lange wir die nicht kennen, können wir auch nichts tun. Das bedeutet, wir werden unsere Kontrollen verstärken, mit den Jägern reden und auch die Sennerinnen anweisen, besonders genau hinzuschauen. Das wird noch einige Wochen dauern. Die Saison fängt ja gerade erst an. Spätestens zur Mitte der Saison wissen wir mehr. Wir hoffen, dass sich alles beruhigt.

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