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Jetzt rappelt’s im Karton: Platz für Kreativität ist überall – auch im Pizzakarton. Barbara Gerbl zeigt in ihrem Atelier in Miesbach einige der Kunstwerke.

„Kunst im Pizzakarton“

Miesbach wird bunt: Schüler machen Kunstwerke aus Pizzakartons

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Kulturpädagogin Barbara Gerbl bringt Kinderkunst in Miesbacher Geschäfte: Auf Pizzakartons schaffen Schüler Kunstwerke, die in Schaufenstern ausgestellt werden sollen. 

Miesbach – „Entdecke, was in dir steckt – und greife nach den Sternen.“ Das ist das Motto der Pionierwerkstatt, die vom 21. bis 24. Oktober im Waitzinger Keller stattfindet. Kulturpädagogin Barbara Gerbl aus Miesbach organisiert dazu das Projekt „Wir gehen auf Geschäftsreise“, bei dem Miesbach mit Pizzakartons bunt, interessant und farbenfroh gestaltet werden soll. Im Interview erklärt die 38-Jährige, was es mit dem Projekt auf sich hat.

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Miesbach wird bunt: Schüler machen Kunstwerke aus Pizzakartons

Frau Gerbl, was kann man sich unter der „Pionierwerkstatt“ denn vorstellen?

Im Herbst präsentiert der Waitzinger Keller eine Ausstellung rund um den Pionier Oskar von Miller und seine Pionierleistung, die erste Stromübertragung von Miesbach nach München. Kulturamstleiterin Isabella Krobisch möchte diese spektakuläre Geschichte mit der Gegenwart verknüpfen und den Pioniergeist aufleben lassen und erfahrbar machen. Daraus entwickelten wir das Projekt „Pionierwerkstatt – Entdecke, was in dir steckt und greife nach den Sternen“.

Können Sie das genauer beschreiben?

Schüler haben die Möglichkeit, vier Tage lang mit sieben Künstlern verschiedene Projekte aus den Bereichen Malerei, Bildhauerei, Medien und Theater anzugehen. Am fünften Tag gibt es dann eine Abschlussveranstaltung, bei der alle Projekte präsentiert werden. Ausprobieren, experimentieren, ungeahnte Stärken entdecken, eigene Grenzen verschieben und sich selbstwirksam in der Gemeinschaft erleben, das sind die Ziele der Woche. Deshalb darf auch jeder Schüler selbst sein Projekt auswählen.

An welche Schüler richtet sich die Pionierwerkstatt speziell?

Alle Miesbacher Schulen können mitmachen, von der ersten bis zur 13. Klasse. Die Pionierwerkstatt ist für 360 Schüler ausgelegt. Es geht darum, einen Freiraum zu schaffen, ohne den schulischen Druck und ohne Bewertung und Benotung. Mein Wunsch ist, dass die Schüler entdecken und auch zeigen können, wie viel kreatives Potenzial in ihnen steckt. Denn Kreativität ist kein seltenes Talent, sondern eine Grundvoraussetzung für das tägliche Leben. Wir als Künstler wollen in den Projekten unser Feuer und unsere Begeisterung für unser Tun weitergeben – das liegt mir am Herzen.

Und eines dieser Projekte organisieren Sie. Es heißt „Wir gehen auf Geschäftsreise“?

Genau. Ich war vor einigen Jahren in der Marktstraße von Murnau unterwegs. Dort hingen in jedem Schaufenster von Kindern gemalte Bilder zur Fußball-Europameisterschaft. So etwas wollte ich unbedingt auch mal für Miesbach machen – einfach durch die Stadt gehen, Kunst genießen, sich überraschen und inspirieren lassen.

Das heißt, am Besten steht nach den vier Tagen in jedem Miesbacher Schaufenster ein Pizzakarton?

Ja, das wäre wunderbar. Umso mehr Schaufenster in Geschäften, Bäckereien, Cafés und Restaurants uns als Ausstellungsfläche zur Verfügung gestellt werden, umso bunter wird Miesbach. Es entsteht kein Aufwand für die Läden. Die bestellen sozusagen „Kunst im Pizzakarton“ und bekommen sie für ihre Schaufenster oder Schaukästen geliefert.

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Projekt „Wir gehen auf Geschäftsreise“ - Das steckt dahinter

Wie kamen Sie überhaupt auf die Idee, ausgerechnet aus Pizzakartons etwas zu gestalten?

Es sollte ein Format sein, das in jedes Schaufenster passt. Außerdem mag ich Pappe als Material einfach sehr gerne. Der Pizzakarton kann bemalt, umgebaut, geschnitten oder etwa mit 3D-Effekten bestückt werden. Die Maße der Kunstwerke bleiben dabei immer gleich.

Die Werke können dann auch gekauft werden, oder?

Ja. Das Ziel ist es, dass alle Kunstwerke verkauft werden. Zuerst sollen sie aber vier Wochen in den Schaufenstern bleiben, Ende ist dann der 1000-Lichterglanz. In Absprache mit der Miesbacher Integrationsbeauftragten Inge Jooß soll das Geld Flüchtlingen zugutekommen, die damit einen Ausflug machen können, beispielsweise in den Tierpark. In den Geschäften wird auch eine Liste ausliegen mit den Namen der Künstler und den Standorten der Kunstwerke. So kann man sich entweder gezielt auf den Weg machen oder im Vorbeigehen entdecken und staunen.

Und die Schüler sind stolz, wenn sie ihre Werke in der Öffentlichkeit sehen.

Kinder und Jugendliche mögen das gerne, wenn sie sich präsentieren können. Unsere Stadt und ihre Einwohner sollen sich über viel Farbe, Fantasie und Ideen freuen dürfen. Es wäre mein großer Wunsch, dass die ganze Stadt bunt ist.

Das Gespräch führte Tamara Scheid

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Weitere Informationen

gibt es bei Barbara Gerbl per E-Mail unter barbara-gerbl@t-online.de. Anmeldeschluss für Geschäfte, die einem oder mehreren Kunstwerken einen Platz geben wollen ist Sonntag, 30. Juni.

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