„Ich lieb‘ ihn ja irgendwie“

Miesbacher schlägt Freundin grün und blau - immer noch ein Paar

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Im Drogenrausch packte er seine Freundin (28) an den Haaren und schleuderte ihren Kopf gegen die Wand. Vor Gericht kam der 28-Jährige mit einer milden Strafe davon. Und nicht nur da...

Miesbach – Prellungen an Steißbein und Hinterkopf sowie Hämatome und Schürfwunden an den Armen – das war das Resultat einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen einem 28-jährigen Miesbacher und seiner gleichaltrigen Freundin. Deshalb musste sich der mehrfach vorbestrafte Mann nun vor dem Miesbacher Amtsgericht wegen vorsätzlicher Körperverletzung verantworten.

Als Richter Walter Leitner die Einträge des Angeklagten im Bundeszentralregister verlas, stand den Prozessbeteiligten und Zuschauern am Amtsgericht sprichwörtlich der Mund offen. Elf Einträge, darunter vier wegen Körperverletzung und mehrere Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, hat der Angeklagte angehäuft. Zwei offene Bewährungen inklusive.

Bereits im Alter von 15 Jahren habe der 28-Jährige angefangen, regelmäßig Marihuana zu konsumieren. Mit Erreichen der Volljährigkeit seien dann auch härtere Drogen wie Speed, Ecstasy und Pilze hinzugekommen. Finanziert habe er dies aus Arbeitslosengeld und Zuwendungen seiner Großmutter.

Besonders exzessiv sei der Betäubungsmittelmissbrauch um den Tatzeitpunkt herum gewesen. „Ich war schwer drogensüchtig“, sagte der Miesbacher aus. „Ich habe täglich Heroin oder Medikamente genommen. Ich war nicht ich selbst.“ Gerade nach dem Aufstehen, so die Aussage der Geschädigten, sei ihr immer noch aktueller Freund besonders reizbar gewesen. Dies habe schon öfter zu Handgreiflichkeiten geführt.

So auch am späten Vormittag des 19. Juli. Wie es zu besagter Auseinandersetzung kam, daran erinnerte sich keiner der beiden. Ausschlaggebend sei aber wohl Uneinigkeit hinsichtlich der Tagesplanung gewesen. Dies habe zu einem lautstarken Streit geführt, infolgedessen der Angeklagte das Opfer an den Haaren packte und gegen die Wand schleuderte, ehe ein Nachbar einschreiten konnte. Daraufhin suchte der Angeklagte freiwillig eine Psychiatrie auf.

Auf Anraten ihrer Mutter erstattete die Geschädigte am darauffolgenden Tag Anzeige. „Ich wollte ihn eigentlich gar nicht anzeigen. Ich liebe ihn ja irgendwie“, sagte sie vor Gericht. Nach einem Gespräch mit dem Angeklagten versuchte die 28-Jährige einige Tage später, die Anzeige zurückzuziehen – vergeblich. Offenbar zum Glück für beide Seiten. „Das hat uns beiden gut getan“, berichtete sie. „Er ändert sich.“

Tatsächlich scheint sich der Angeklagte auf dem Weg der Besserung zu befinden. Das geht aus einem Bericht der Suchtfachklinik hervor, in der der Miesbacher derzeit eine Therapie macht. Er sei von Beginn an motiviert gewesen und bemühe sich, verlas Leitner im Zuge der Verhandlung. „Ich bin sauber und habe gemerkt, dass mein Leben ohne Drogen besser ist“, bekräftigte der 28-Jährige.

Richter Leitner bezog dies bei der Urteilsfindung mit ein. Der Angeklagte habe sich einsichtig und reumütig gezeigt. Die Tatsache, dass seitdem nichts mehr passiert ist, und die positive Sozialprognose der Klinik hätten ihn dazu veranlasst, die fällige Freiheitsstrafe zur Bewährung auszusetzen. Es ist damit die insgesamt dritte offene Bewährung für den Miesbacher. „Das ist eigentlich eine Katastrophe“, sagte Leitner gegen Ende. „Aber unser System will das so.“

hb

Rubriklistenbild: © dpa

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