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Gut gepolstert wollte David Zimmerman seinen Sohn beim Eishockey wissen. Und entwickelte selbst einen Protektor, den er kürzlich auch auf der ISPO vorstellte.

Ursprünglich für den Sohn gedacht

Miesbacher entwickelt Protektor - auch Polizisten nutzen ihn

Eigentlich begann David Zimmerman das Tüfteln für seinen Sohn, der Eishockey spielt. Inzwischen schätzen die neu entwickelten Protektoren des Miesbachers aber auch Extremsportler und sogar Polizisten.

Miesbach – Helm ist längst Usus beim Ski- und Fahrradfahren. Doch nicht nur der Kopf bedarf bisweilen besonderen Schutzes. So waren Protektoren jüngst in München eines der großen Themen auf der weltgrößten Sportartikelmesse ISPO. Einer davon ist Gator Armor aus der Tüftlerwerkstatt von David Zimmerman aus Miesbach. Mit einem bedrohlich zum Schlitz verengten Krokodilsauge als Logo auf giftgrünem Hosenbund und Schulterpolstern zieht es den Blick auf sich, der dann an der ungewöhnlichen Oberfläche hängen bleibt. Viele kleine Würfel erinnern an Waffelmuster. Die Textur ist weich.

Längst geht es bei Protektoren nicht mehr nur darum, irgendwas drunter zu ziehen. Die Branche tüftelt daran, durch flexible Systeme größeren Schutz zu bieten. Der angenehme Nebeneffekt sind deutlich bequemere Stücke, in denen man sich besser bewegen kann als mit harten, großflächigen Schützern.

Gerade in dem Bereich, in dem Zimmerman begann, sind Protektoren starr und martialisch: Eishockey. Damit fing bei ihm alles an. Und mit väterlicher Sorge. Als Sohn Julian acht war, musste er bei den Größeren aushelfen, weil der Kader beim TEV Miesbach damals knapp war. Der Vater hatte dabei ein mulmiges Gefühl, wenn der heute Zwölfjährige mit körperlich viel größeren Burschen auf dem Eis war. Er begann nachzudenken. Energie verteilen und dadurch verringern, das war der Grundgedanke.

Ein Ansatz, an dem viele feilen, sind Gel-artige Substanzen, die sich bei einem Aufprall verhärten. Aber: „Wenn sich was erhärtet, funktioniert das nur, wenn es einen harten Gegenpol gibt.“ Nicht wenn Körper auf Körper prallt. So kam die Idee mit den vielen kleinen Blöcken, die Energie besser absorbieren als ein einzelner großer.

Zwei Jahre habe er mit kleinen Schaumstoffwürfeln experimentiert, erzählt der 48-Jährige mit dem amerikanisch-bayerischen Slang und den Wurzeln in San Diego. „Surferboy“, sagt er und lacht. Oberbayern kennt er, seit er mit 16 in die Flint-Kaserne nach Bad Tölz kam, wo er neun Jahre stationiert war. Nach Jahren in Amerika kehrte er ins Oberland zurück, als vor 15 Jahren seine Tochter geboren wurde, weil er für das Leben mit Kindern hier das optimale Umfeld sieht. Dass seine Frau, ebenfalls Amerikanerin, in Gmund aufgewachsen ist, mag bei der Entscheidung geholfen haben. Sein Geld verdiente David Zimmerman damals beim amerikanischen Juwelier Tiffany, bis er vor zwei Jahren begann, mit seinem Gator Armor durch die Eisstadien zu tingeln. „Ich war a bisschen verrückt mit meinem Sohn im Eishockey“, sagt er, der selber nie diesen Sport ausübte. Aber vielleicht war es gerade der Blick von außen, mit dem er sah, wo man ansetzen musste. Dabei ging es ihm in erster Linie immer darum, Heranwachsende optimal zu schützen; vor Einwirkungen von außen und ein bisschen auch vor der eigenen Kühnheit, weil ein großer Panzer den Kleinen suggeriert, ohnehin unverletzlich zu sein.

Erstes Ergebnis waren enge, gepolsterte Shorts und eine auf den ersten Blick recht dezente Weste fürs Eishockey, die längst nicht mehr nur Kinder drunter ziehen, sondern auch gestandene Profis und Crashed-Ice-Athleten, die im Pulk auf Schlittschuhen durch spektakuläre Eiskanäle rasen. Eisprinzessinnen, Skifahrer, Snowboarder, Downhill-Biker, Rugbyspieler, Basketballer und Reiter schlüpfen mittlerweile in die elastischen, atmungsaktiven Schützer. Sogar die Polizei schwört auf die nahezu unsichtbare und extrem leichte Technologie. Zimmerman kann sie flexibel herstellen, weil er mit einer kleinen Firma zusammenarbeitet, die schnell auf seine Wünsche reagieren und kleine Stückzahlen produzieren kann.

Mal abgesehen von der Produktion, ist Gator Armor eine One-Man-Show. Von der Idee bis zum Verkauf, der vor allem bei Turnieren stattfindet, wo Zimmerman den engen Kontakt zu den Sportlern sucht. „As a parent ich weiß, was ist los“, sagt der Familienvater über den Hype, den die Marketingabteilungen großer Hersteller gerade beim Nachwuchs auslösen. Bei ihm kann man probieren und spüren, dass nicht immer ein großer Name hinter dem optimalen Produkt stehen muss.

Im Internet und im Laden: Hier gibt‘s den Protektor

Erhältlich ist Gator Armor im Hockeyshop Raschke in Bad Tölz sowie auf www.gatorarmor.com.

Heidi Siefert

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