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Ortstermin in der Ausbildungswerkst att: (v.l.) Metallbaumeister Ludwig Pschierl mit zwei Auszubildenden, Ministerin Ilse Aigner, Berufsschulleiter Martin Greifenstein, Vize-Landrat Klaus Thurnhuber sowie Max Niedermeier und Franz Lutje vom PIA-Förderverein.

Miesbacher Förderverein bittet Ilse Aigner um Hilfe 

Das Projekt soll Asylbewerbern daheim in Afrika eine Zukunft bieten

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Der Förderverein PIA will ein Projekt starten, um abgelehnten Asylbewerbern einen Neustart in der Heimat zu ermöglichen.  Wirtschaftsministerin Ilse Aigner wurde dafür um Unterstützung gebeten.

Miesbach – Ibrahim Sane aus dem Senegal stellt sich vor Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. Der großgewachsene, muskulöse Mann fuchtelt mit den Händen, um seinen Worten mehr Ausdruck zu verleihen. „Wir sollen uns hier nicht integrieren“, sagt er. „Ich darf nicht arbeiten.“ Deshalb ist Sane in der Asylwerkstatt des Fördervereins Pakt für Integration und Arbeit (PIA) untergekommen. Den Ablehnungsbescheid hat er schon bekommen und damit in Deutschland keine Perspektive. Er ist nicht der einzige, der an diesem Tag die Chance nutzt und der bayerischen Ministerin seine Lage schildert.

Bei einem Besuchin der Werkstatt, die Integrationsbeauftragter Max Niedermeier gemeinsam mit Metallbaumeister Ludwig Pschierl vor einem Jahr ins Leben gerufen hat, hört sich Aigner nicht nur die Sorgen der Asylbewerber an. Auch der Förderverein hat ein Anliegen. Die Verantwortlichen bitten die Ministerin um Unterstützung. Sie wollen ein Rückführungsprojekt starten, um abgelehnten Asylbewerbern einen Neustart zu ermöglichen.

Sane zählt zu den Fähigsten in der Asylwerkstatt, die seit einigen Monaten in der Miesbacher Berufsschule untergekommen ist. Am vorherigen Standort in der Realschule konnte sie nicht bleiben, da der dortige Wasserschaden auch die Kellerräume betraf. Aigner steht also in der Berufsschule und erklärt dem verzweifelten Senegalesen, dass er in seine Heimat zurück muss. „Unser Asylrecht ist nicht für Arbeitsmigration da. Wir müssen ihnen vor Ort im Senegal helfen.“

Aigner will mit dem Entwicklungsminister über das Projekt sprechen

Später, im kleineren Kreis, sagt Aigner: „Das hat sicher hart geklungen. Aber man muss die Wahrheit sagen.“ Und die steckt nun mal hinter einer klaren Regelung. Wer abgelehnt ist, muss zurück in die Heimat. Dort will der Förderverein ansetzen. „Wir wollen in Westafrika ein Rückkehrprogramm und Entwicklungshilfeprojekt starten“, sagt Franz Lutje, Zweiter Vorsitzender des Fördervereins. Die Verantwortlichen denken da an einen Basislehrgang Solar. „Westafrika hat ja viel Sonne, aber auf dem Land keine Stromleitungen“, begründet Lutje. Mit Lehrgängen wie diesem oder auch zum Thema Holzarbeit will der Verein abgelehnten Asylbewerbern in der Heimat eine Perspektive bieten. Im Landkreis leben nicht wenige Flüchtlinge aus Westafrika: 125 aus Nigeria, 35 Senegalesen, 19 aus Mali und 14 aus Sierra Leone. Viele von ihnen müssen dorthin zurück.

„Wir wollen für diese Menschen eine Brücke schlagen“, sagt Lutje. Dazu braucht es ein gutes Konzept und Partner vor Ort in Afrika. Hier kommt das Ministerium ins Spiel. „Für ein Projekt, das diejenigen beschäftigt, die schon abgelehnt sind, werde ich kein Geld bekommen“, sagt Aigner klar über die Asylwerkstatt. „Über ein Rückführungsprojekt werde ich aber mit Gerd Müller sprechen.“ Sie sagt zu, Bundesentwicklungsminister nach einem Modellprojekt mit der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) zu fragen.

Aigner betont, dass man gerade in afrikanischen Ländern aufpassen müsse, dass die Mittel auch da ankommen, wo sie hin sollen. „Bargeld ist ein Schleuser-Beschleunigungs-Programm“, sagt sie. Das Projekt müsse anderweitig ansetzen. Will etwa ein Afrikaner eine Fahrradwerkstatt betreiben, solle er dafür kein Geld bekommen, sondern eben gleich die Hütte und das Werkzeug dafür. Aigner sagt: „Mir geht es um die richtige Zielsetzung.“

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