+
Alle Rüstungen in den Kofferraum: Die Miesbacher Mittelaltergruppe der Waldecker packt ihren Transporter mit Kostümen und historischen Waffen für die Fahrt ins englische Tewkesbury.

Waldecker bei den Rosenkriegen

Miesbacher fahren zur Schlacht von Tewkesbury

  • schließen

Sie ist eine der größten Schlachten Europas: 2000  Mann stellen einen Teil der Rosenkriege im englischen Tewkesbury nach. Heuer schlagen auch die Waldecker ihre Zelte auf.

Miesbach – Wenn auf der Blutwiese in Tewkesbury Schwerter und Schilder aufeinanderkrachen, schlagen bei Mittelalterfans die Herzen höher. Anders als bei der Schlacht am 4. Mai 1471 fließt beim historischen Schauspiel in Miesbachs Partnerstadt in der englischen Grafschaft Gloucestershire zwar kein echtes Blut mehr. Ansonsten fühlen sich die gut 2000 Mitwirkenden aber wie in der Zeit der Rosenkriege, als die Häuser Lancaster und York um die englische Krone stritten. Mit der Mittelaltergruppe der Waldecker ist heuer erstmals auch eine Gesandtschaft aus der Kreisstadt mit dabei.

20 Miesbacher schlagen bei dem europaweit bekannten Fest vom 7. bis 9. Juli auf dem ehemaligen Schlachtfeld ihr Lager auf. Die fünfköpfige Vorhut reist schon zwei Wochen vorher mit einem Transporter voller Kostüme, Rüstungen, Zelten und Waffen an. Die Genehmigung für die Einführung der Schwerter hat Waldecker-Chef Bernt Horeth bereits eingeholt. „Sonst wären wir nicht über die Grenze gekommen“, sagt Horeth schmunzelnd. Er ist mächtig stolz, dass seine Gruppe bei einem so renommierten Schauspiel mit dabei sein darf.

„Es gibt jedes Jahr viel mehr Anfragen als Plätze“, berichtet die Vorsitzende des Tewkesbury-Vereins, Judith Claremont-Fertl. Fast ein Jahr lang schrieb sie unzählige Mails nach England, bis sie endlich die Zusage für die Waldecker in der Tasche hatte. Dass Miesbach und Tewkesbury heuer 30-jährige Städtepartnerschaft feiern (wir berichteten), sei dabei sicher hilfreich gewesen, meint der Vorsitzende des Museumsvereins Miesbach, Carl Langheiter. „Das wird die Freundschaft weiter festigen.“

Die Schwerter kreuzen werden die Waldecker in Tewkesbury aber nicht – zumindest nicht auf dem offiziellen Schlachtfeld. Weil ihre Kostüme historisch gesehen in einer etwas früheren Epoche angesiedelt sind als die Rosenkriege, dürfen sie wegen der strengen Richtlinien des Veranstalters nur am Lagerleben teilnehmen. „Wir Continentals verhalten uns neutral“, sagt Horeth schmunzelnd. Ein Schaukampf ohne Training mit dem Gegner wäre ohnehin nicht ganz ungefährlich gewesen, meint er. „Wir wissen ja nicht, ob die wie wir richtig auf Kontakt gehen.“

Viele Kontakte zu anderen Mittelaltergruppen wollen die Waldecker aber trotzdem schmieden. Bei einem Heerlager mit 500 Zelten sollte es dazu ausreichend Gelegenheit geben. Und weil alle Handys der Authentizität wegen am Eingang abgegeben werden müssen, bleibt genug Zeit für Gespräche am Lagerfeuer. Das, betont Langheiter, ist aber auch beim Mittelalterlichen Klosterfest in Miesbach der Fall. „Unter anderem deshalb haben wir so ein gutes Image.“

Darum bedanken sich die Engländer auch mit einem Gegenbesuch in der Kreisstadt. So werden sich mit den Moriskentänzern Morris Men und der Musikgruppe Cheeserollers gleich zwei Abordnungen aus Gloucestershire unter die Miesbacher Mittelalterfreunde mischen.

Ob die Waldecker auch 2018 wieder nach Tewkesbury reisen, steht noch nicht fest. „Ich weiß nicht, ob wir uns das noch mal leisten können“, sagt Horeth. Heuer hat die Gruppe viel Unterstützung von Sponsoren bekommen. Das Miesbacher Fiat-Autohaus Schmid stellt kostenlos den Transporter zur Verfügung, die Raiffeisenbank im Oberland und Landrat Wolfgang Rzehak beteiligten sich an den Flugkosten. Eine Anreise mit dem Pferd war den Waldeckern dann doch zu aufwendig.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Rzehak: „Wir haben viel herausgeholt“
Das Verfahren zur Ausweisung einer Wasserschutzzone Thalham-Reisach-Gotzing wird wieder aufgenommen. Verzögert hatte das ein Ministerinnen-Schreiben. Die dort gestellten …
Rzehak: „Wir haben viel herausgeholt“
Namensproblem bei AfD-Kandidat: Stimmzettel bleiben gültig
Liegt im Fall um den Namen des AfD-Kandidaten Constantin Prinz von Anhalt ein strabares Verhalten vor? Vermutlich noch vor der Bundestagswahl soll das geklärt sein. Bis …
Namensproblem bei AfD-Kandidat: Stimmzettel bleiben gültig
Über den Wipfeln auf dem Schliersberg
Der Schliersberg soll für Besucher noch reizvoller werden. Eigentümer Ingo Bauer will einen Aussichtsturm bauen. 
Über den Wipfeln auf dem Schliersberg
Drei Personen bei Verkehrsunfall bei Miesbach verletzt
Leicht verletzt mussten zwei Autofahrer und ein Beifahrer am Wochenende ins Krankenhaus gebracht werden. Ein VW und ein Mercedes waren auf der B472 zusammengekracht.
Drei Personen bei Verkehrsunfall bei Miesbach verletzt

Kommentare