Warum der Osterhase die Eier bringt? Das weiß selbst Kaninchenzüchter Rudolf Mündl aus dem Miesbacher Ortsteil Wachlehen nicht.
+
Warum der Osterhase die Eier bringt? Das weiß selbst Kaninchenzüchter Rudolf Mündl aus dem Miesbacher Ortsteil Wachlehen nicht.

Interview

Miesbacher Kaninchenzüchter spricht über den Osterhasen

Seit 23 Jahren ist der Miesbacher Rudolf Mündl (65) passionierter Kaninchenzüchter und seit geraumer Zeit auch Vorsitzender des Kaninchenzuchtvereins Miesbach. Im Gespräch erzählt er uns von den Anfängen seiner Leidenschaft, wo man mit etwas Glück den Osterhasen im Landkreis beobachten kann und was wir Menschen von den langohrigen Nagern Lernen können.

Herr Mündl, was fasziniert Sie so an der Kaninchenzucht?

Man könnte sagen, sie wurde mir in die Wiege gelegt. Mein Vater hat schon Kaninchen gehalten, aber wirklich gezüchtet hat er nicht. Dem war es nicht wichtig, was für Hasen das waren, wichtig war nur, dass sie Fleisch auf den Rippen hatten. Mein Vater hat nur gezüchtet, um zu essen. Und dann hat es jeden Sonntag Hasenbraten gegeben. Das war früher ja der Sonntagsbraten der armen Leute. Naja, und irgendwann habe ich bei der Landwirtschaftsausstellung vom Oktoberfest einen Castor-Rex gesehen. Das sind ganz schöne Kurzhaarkaninchen. Und da habe ich mich gefragt: Wie züchtet man die Tiere? Also habe ich mir den Kaninchenzuchtverein Miesbach angeschaut. Da waren sehr nette, hauptsächlich ältere Leute. Dann bin ich dabei geblieben, und jetzt bin ich ja auch Vorsitzender. Ich weiß schon gar nicht mehr, seit wann ich das bin.

Essen Sie Ihre Hasen auch?

Ja, ich esse auch mal einen meiner Hasen. Nicht jeder Hase eignet sich zur Zucht, und dann kommt er schon mal auf den Tisch. Und auch, wenn man in den Großmarkt geht, dann ist Hase immer im Angebot. Der ist nicht mehr nur ein Arme-Leute-Essen. Ich habe mir mal zusammen mit ein paar Züchterfreunden einen Zuchtbetrieb angesehen. Aber das ist wie überall, wo Massentierhaltung betrieben wird: schlecht. Die Tiere haben viel zu wenig Platz, sitzen da, eng nebeneinander. Das ist nicht artgerecht. Da kann man nur hoffen, dass die Leute mal verstehen, dass es einen glücklichen Hasen braucht, um ein gutes Essen zubereiten zu können.

Sie kennen doch sicher den Satz: Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts. Gibt es trotzdem etwas, das wir vom Hasen lernen können?

Von der Natur kann man immer etwas lernen! Was ich an Hasen beeindruckend finde, ist ihr Verhalten, wenn sie trächtig werden und werfen. Also, wenn der Hase häselt, könnte man sagen (lacht) . Da braucht es eine gute Häsin, die sich um ihre Kleinen kümmert. Vor allem, wenn sie im Winter werfen und der Boden noch sehr kalt ist. Die Häsin sucht sich dann einen sicheren Ort im Stall, wo sie ein kleines Loch gräbt. Dann rupft sie sich Fell vom Bauch und legt damit die Grube aus, damit es schön warm ist und dann kann es ganz schnell gehen: Die brauchen nur ungefähr 30 Minuten zum Werfen. Nur wenn man viel Glück hat, kann man das als Züchter mal beobachten, weil die Hasen so gut achtgeben auf ihre Kleinen. Was man also vom Hasen lernen kann, ist der liebevolle und fürsorgliche Umgang mit ihren Kindern.

Wenn man im Landkreis den Osterhasen in freier Wildbahn sehen will, wo sollte man sich auf die Lauer legen?

Hasen mögen es dort am liebsten, wo Ackerbau betrieben wird. Dort, wo Bauern Getreide oder Mais anbauen. Da können sich die Hasen ihre Löcher graben. Das ist nämlich wichtig: Dass der Boden nicht zu weich ist. Bei uns gibt es viel Lehmboden, und das ist natürlich schlecht für den Hasen, weil er sich keine Gänge graben kann. Dafür braucht es festeren Boden. Deshalb gibt es hier in der Gegend auch nicht allzu viele wild lebende Hasen. Aber einige Jäger haben mir gesagt, dass die Population im Landkreis wieder wächst. Bei uns in Wachlehen sehe ich öfter welche. Ob da jetzt der Osterhase dabei war, kann ich aber nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen.

Können Sie als Fachmann sich erklären, warum ausgerechnet der Hase an Ostern die Eier bringt?

Ich kann mir leider nicht erklären, warum der Osterhase Eier bringt. Aber haben Sie schon mal einen Hasen mit einer Brille gesehen? Die braucht er auch nicht, weil er so viele Möhren isst.

Das Gespräch führte Moritz Hackl.

Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Miesbach-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Miesbach – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare