Karl Heinz Geltinger, TÜV-Plakette
+
War mittlerweile bei der Hauptuntersuchung: Karl Heinz Geltinger zeigt die neue TÜV-Plakette seines VW Eos.

Sonderregelung gilt erst ab März

Von wegen Ausnahme: Miesbacher kassiert trotz Corona Bußgeld wegen TÜV

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
    schließen

Vier statt zwei Monate sollten Autofahrer wegen der Corona-Pandemie den TÜV überziehen dürfen. Ein Miesbacher muss jetzt trotzdem ein Bußgeld zahlen. Das ist der Grund.

Miesbach An den Worten des Bundesverkehrsministers zweifelte Karl Heinz Geltinger nicht. Ende März hatte Andreas Scheuer (CSU) verkündet, wegen der Corona-Einschränkungen die TÜV-Frist von zwei auf vier Monate zu verlängern. Autofahrer, deren Plakette abgelaufen ist, müssten daher in diesem Zeitraum kein Bußgeld fürchten. Das kam Geltinger ganz gelegen, wartete er doch noch auf ein paar Ersatzteile für seinen VW Eos, um diesen für die Hauptuntersuchung fit zu machen.

Doch als der Geschäftsführer des Miesbacher Sport System-Ladens Anfang Mai zu seinem am AOK-Parkplatz abgestellten Wagen zurückkam, erblickte er einen weißen Zettel unter dem Scheibenwischer – obwohl er einen Parkschein gezogen hatte. Als Geltinger das Knöllchen auseinanderfaltete, wunderte er sich umso mehr: Er sollte 15 Euro bezahlen, weil seine TÜV-Plakette seit mehr als zwei Monaten abgelaufen ist. Geltinger verstand die Welt nicht mehr. „Mir geht es nicht ums Geld“, sagt er, „sondern ums Prinzip.“

Also hakte er nach. Sowohl bei der Polizei, als auch beim TÜV habe man ihm bestätigt, dass er im Recht sei, berichtet Geltinger. Sein Einspruch beim Zweckverband Kommunales Dienstleistungszentrum (KDZ) Oberland, der den Bußgeldbescheid ausgestellt hatte, blieb jedoch erfolglos. Als er dann durch Zufall eine Kontrolleurin auf dem Parkplatz traf, sprach er sie an. „Aber die hat sich auch nicht ausgekannt“, erzählt Geltinger sichtlich frustriert.

Lesen Sie auch: Tegernsee: Parküberwacherin trotz Corona-Krise weiterhin unterwegs

Besser Bescheid weiß Sebastian John, Innendienstleiter beim KDZ. Und er kann erklären, warum es Geltinger trotz der Ausnahmeregelung erwischt hat. So hätte der Miesbacher seinen Wagen bereits im Februar zur Hauptuntersuchung vorfahren müssen. „Da war aber noch kein Corona bei uns“, sagt John. Heißt: Geltinger könne die zusätzliche Kulanzzeit nicht für sich reklamieren, hatte seine Plakette binnen zwei Monaten nach Ablauf verlängern lassen müssen.

Das wäre auch jederzeit möglich gewesen, bestätigt Vincenzo Lucà, Pressesprecher bei TÜV Süd, auf Anfrage unserer Zeitung. Selbst in den Wochen der Ausgangsbeschränkungen habe man Termine bei den Prüfstellen vereinbaren können. Die Einschätzung der Bußgeldstelle sei daher korrekt. Nur diejenigen Fahrzeughalter, deren TÜV ab März oder später abgelaufen sei, könnten sich auf die Sonderregelung berufen. Trotzdem mahnt Lucà, die Kulanz nicht vorsätzlich auszunutzen. „Das ist kein Freibrief zur Überziehung, sondern nur eine Verlängerung der bußgeldfreien Zeit.

Lesen Sie auch: Coronavirus im Landkreis Miesbach: 95-Jähriger erliegt Covid-19

Dies befreie nicht von der Haftung bei Unfällen, die durch einen nachweislichen Mangel an einem Fahrzeug mit abgelaufenem TÜV verursacht wurden. „Da kann es passieren, dass die Versicherungen nicht zahlen“, warnt Lucà. Allein schon im Sinne der Verkehrssicherheit sollte man sein Auto also rechtzeitig zur Hauptuntersuchung bringen. Obendrein würden bei einer Verspätung 20 Prozent mehr Prüfgebühr fällig.

Die musste auch Geltinger bezahlen. Und auch die 15 Euro an das KDZ hat er überwiesen. Seinen Ärger schmälern die Erklärungen nicht. „Ich vermisse einfach das Fingerspitzengefühl“, sagt der Miesbacher Geschäftsmann. Damit meint er auch die für ihn zu strenge Parküberwachung, vor allem am Marktplatz. Als Geschäftsinhaber müsse man die bitteren Pillen eben schlucken. „Ein Kunde, dem so was passiert“, sagt Geltinger, kauft so schnell nicht mehr in Miesbach ein.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

5G: Dutzende neue Antennen im Landkreis Miesbach geplant
Der 5G-Ausbau im Landkreis Miesbach nimmt Fahrt auf. Telekom und Vodafone wollen Dutzende neue Antennen errichten. Die Gegner warnen vor Gesundheitsrisiken durch …
5G: Dutzende neue Antennen im Landkreis Miesbach geplant
Radfahrerin nach Sturz schwer verletzt im Krankenhaus
Schwer verletzt hat sich eine Miesbacherin nach einem Sturz in Parsberg. Ein Rettungshubschrauber brachte sie ins Krankenhaus.
Radfahrerin nach Sturz schwer verletzt im Krankenhaus
Neuer Spielplatz mit Verzögerung am Lindenplatz
Die Stadt Miesbach setzt ihre Spielplatzsanierung fort. Die Anlage, die nun erneuert wurde, ist der Spielplatz am Lindenplatz/Ecke Badstraße. Dort sind die Bauarbeiten …
Neuer Spielplatz mit Verzögerung am Lindenplatz
Absturz am Sudelfeld: Gleitschirmflieger (60) schwer verletzt
Ungeplante Landung mit schlimmen Folgen: Am Sudelfeld ist ein 60-jähriger Fischbachauer mit seinem Gleitschirm abgestürzt. Er verletzte sich schwer.
Absturz am Sudelfeld: Gleitschirmflieger (60) schwer verletzt

Kommentare