Zwei Mountainbikes lehnen an einem Zaun neben einer Alm, auf der Kühe grasen.
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Nicht überall gern gesehen: Mountainbikes in den Bergen

Verbot in Schutzgebieten

Löschen von Mountainbike-Routen: So reagiert der Verlag auf Appell des Miesbacher Landrats

  • vonKatrin Hager
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Mountainbiken ist nicht überall erlaubt, was viele nicht wissen oder ignorieren. Jetzt reagiert ein Verlag auf die Aufforderung des Landkreises Miesbach, Routen aus seinen Karten zu tilgen.

  • Mountainbiker sorgen vielerorts für Unmut - auch weil sie auf nicht freigegebenen oder ungeeigneten Wegen fahren.
  • Solche Routen finden sich auch auf Karten diverser Verlage.
  • Einen solchen Fachverlag hat der Miesbacher Landrat nun zum Löschen entsprechender Routen aufgefordert.
  • Der Verlag hat jetzt auf den Appell reagiert.

Update 21. August: Der Verlag hat auf die Aufforderung des Miesbacher Landrats zur Löschung der Routen reagiert. Das erklärt Stefan Becker, „Supertrail“-Markenmanager bei der Outdoor Publishing GmbH, gegenüber unserer Zeitung.

Auf den Brief von Landrat Olaf von Löwis hin, der laut Anschreiben vom 12. August datiert, hat die Outdoor Publishing GmbH reagiert. Wie Stefan Becker nun erklärt, hat der Verlag die beiden fraglichen „Supertrail Maps“ für Tegernsee/Schliersee sowie Chiemgau-West aus dem Webshop des Verlags herausgenommen. Sie sind dort aktuell nicht mehr zu finden. „Bei all den „Warenhäusern“ die über uns versenden, findet kein Versand statt“, erklärt Becker. Nur bei Drittanbietern, die die Karten schon über Distributoren bezogen haben, sind sie noch zu haben. Der Verlag hat laut Becker Möglichkeiten geprüft, aber: „Da können wir leider nicht eingreifen. Unserer Erhebung zufolge, handelt es sich aber um homöopathische Mengen", erklärt Becker. 

„Die Lagerbestände werden nicht abverkauft“, teilt Becker mit. Den wirtschaftlichen Schaden nehme man in Kauf. „Das ist nicht die Cashcow im Verlag.“ Auch bei der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt habe er sich nun gemeldet und eine „lösungsorientierte Überarbeitung der nächsten Auflage“ angeboten.

Verlag hatte mit der ATS des Landkreises zusammengearbeitet

Einen Weg, den der Verlag offenbar auch bei der Erstellung der nun vom Landrat kritisierten Neuauflage der „Supertrail Map Tegernsee/Schliersee“ eigentlich schon ging. Wie Becker schildert, sei dafür 2016 die Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS) auf den Verlag zugekommen, also das kreiseigene Kommunalunternehmen.

Dabei seien „Problemtrails“ definiert und mit Verbotsschildern gekennzeichnet worden. An der Rotwand, sagt Becker auf Nachfrage, sei in der Karte eingezeichnet worden, dass diese ein beliebtes Ziel für Wanderer und deshalb zu Freizeit-Stoßzeiten mit dem Mountainbike besser zu meiden sei. Dass im Bereich Rotwand, wie er jetzt vom Landrat schriftlich bekam, das Befahren aufgrund der Landschaftsschutzgebietsverordnung abseits der Wirtschaftswege gar nicht erlaubt ist, sei damals „kein Thema“ gewesen.

„Es ging um die touristische Perspektive“

Das zu berücksichtigen, läge aber auch im Interesse des Verlags. „Die Karte versteht sich als Trail-Inventur“, erklärt Becker. Das bedeutet, dass sie nicht einfach nur Attraktivität und Schwierigkeitsgrad für Mountainbiker im Blick hat. Käufer der Karte sollen eben auch verlässlich wissen, wo sie auf Konfliktpotenzial stoßen oder wo sie gar nicht fahren dürfen, weil etwaige Trails illegal sind. Mit der ATS sei auch ein Hinweis für die Vorderseite der Karte Tegernsee/Schliersee erarbeitet worden, der den Verhaltenskodex auf der Rückseite ergänzen sollte, teilt Becker mit. Der Hinweis hat den Freizeitdruck im Blick und appelliert, das schon bei der Tourenplanung zu bedenken und Rücksicht zu nehmen.

Trotz der Korrespondenz damals schrieb ihm der Landrat auch namens der betroffenen Bürgermeister nun, man könne „nicht mehr tolerieren“, dass in den Karten „zahlreiche Mountainbiketrails“ kommuniziert würden, die zu Problemen für die Region führen. Verwundert ist Becker darüber aber nicht. „Damals ging es um die touristische Perspektive.“ Dass Landrat und Bürgermeister kraft Amtes vor allem die Belange ihrer Bürger im Blick haben müssten, ist Becker klar. Er komme diesem Anliegen auch gerne nach. „Wir sind mit der Karte die Instanz in dem Bereich und tun gerne unser Nötigstes dazu.“

Ursprünglicher Artikel vom 19. August, 18.29 Uhr:

Landkreis – Mountainbiken ist zum Trendsport geworden, und längst genügt es vielen dabei nicht mehr, auf Forstwegen zu bleiben. Der Reiz liegt in anspruchsvollen Terrains. Das sorgt für reichlich Konfliktstoff im Landkreis, mit Grundstücksbesitzern und Fußgängern, mit der Forst- und Landwirtschaft oder der Jagd. Ein Problem: Vielen Mountainbikern ist noch nicht einmal bewusst, wenn sie sich auf vermeintlich reizvollen Routen abseits der Wege unrechtmäßig bewegen – sie haben diese Strecken als Tipps aus Online-Portalen oder käuflichen Karten. Am Runden Tisch zum Thema Mountainbiken im Landkreis Anfang Juli wurde deshalb auch vereinbart, an diesem Hebel anzusetzen. Nun fordert Landrat Olaf von Löwis auch namens der betroffenen Bürgermeister in einem Brief die Herausgeber der bekannten „Supertrailmaps“ für „Tegernsee/Schliersee“ und „Chiemgau West“ auf, die Strecken, auf denen Mountainbiken verboten ist, aus ihren Karten zu tilgen. Das teilt das Landratsamt nun mit.

Verlag verkauft Karten mit Routen, die nicht befahrt werden dürfen

Löwis schildert in dem Schreiben an die Outdoor Publishing GmbH mit Sitz im schweizerischen Hinterforst die Problematik durch das „nicht kanalisierte Befahren“ von „offiziell für das Fahrradfahren gesperrten Wegen“ für „die Region und ihre Bewohner“. „Einen nicht zu vernachlässigenden Anteil daran haben auch Kartenwerke, die über den Handel vertrieben werden“, stellt der Landrat fest. Wie die gedruckten „Supertrailmaps“ der GmbH, die für knapp 17 Euro verkauft werden und laut Beschreibung „die besten Singletrails“ in verschiedenen Schwierigkeitsgraden enthalten.

Schutzgebietsverordnungen verbieten das Biken

Darunter sind auch Routen im Landschaftsschutzgebiet Rotwand (Gemeinden Bayrischzell und Schliersee) und im Landschaftsschutzgebiet um den Suttensee (Rottach-Egern), wo schon aufgrund der seit 1991 beziehungsweise 1992 geltenden Schutzgebietsverordnungen das Radfahren abseits der Wirtschaftswege verboten ist, sowie die Abfahrten „Sonnbergalmen – Klamm“ (Kreuth) und „Wendelstein“ (Bayrischzell) mit ihrer „treppenartigen Anlage“, bei denen es schon an der Mindestwegbreite für eine Freigabe für Radfahrer – und damit eben auch Mountainbiker – hapert, weil diese dort bei weniger als 80 Zentimetern liegt. Und auch der Bereich zwischen Gindelalm und Kreuzbergalm (Schliersee), wo seit Ende März dieses Jahres per konkreter Verordnung ein Befahrungsverbot mit Fahrrädern gilt, das noch Löwis’ Amtsvorgänger Wolfgang Rzehak unterzeichnet hatte.

Landratsamt Miesbach setzt Fachverlag eine Frist

Die Routen in diesen fünf Bereichen, fordert Löwis die Herausgeber auf, sollen „spätestens bis zur nächsten Auflage aus Ihren Karten alternativlos“ entfernt werden. „Sollte sich die aktuelle Auflage noch länger als bis zum 30. September 2020 im Handel befinden“, bittet Löwis um einen Alternativvorschlag seitens des Fachverlags, der ebenfalls die Löschung besagter fünf Gebiete zur Folge hat.

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