Messerstecher von Grafing: Das Urteil ist gefallen

Messerstecher von Grafing: Das Urteil ist gefallen
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Parkende Autos prägen derzeit den Miesbacher Marktplatz. Ideen, wie er künftig aussehen könnte, sollen auch von den Bürgern komm en.

Neue Marktplatz-Planer im Stadtrat

Marktplatz: Neues Konzept in nur drei Tagen - Kosten völlig unklar

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Miesbach – Der Plan machte Eindruck im Stadtrat: In drei Tagen will das Architektenbüro Nonconform aus Wien ein Marktplatz-Konzept basteln. Was das kostet, verriet der Chef nicht.

Offenbar nicht nur Gutes hatte Roland Gruber über den Miesbacher Stadtrat gehört. „Aber so schlecht ist die Stimmung ja gar nicht“, feixte der Chef des Wiener Architekturbüros Nonconform zu Beginn seiner Präsentation. „Immerhin werde ich nicht mit Tomaten beworfen.“ Gruber spielte auf die Skepsis einiger Stadträte an, ob es nach dem vorläufigen Abschied von Citymanager Schorsch Danner tatsächlich wieder ein neues Büro für das Projekt Stadtentwicklung brauche (wir berichteten).

Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) stellte deshalb vorsorglich einmal mehr klar, dass sich der Stadtrat seinerzeit mehrheitlich entschieden habe, den Prozess am Marktplatz „von außen professionell begleiten zu lassen“. Das Büro Nonconform sei in ihren Augen der richtige Partner, um die Bürger zum Mitmachen zu aktivieren. Trotzdem ließ Pongratz den Stadtrat vorerst nur über die Erstellung eines Angebots entscheiden. „Dann können wir das alles erst mal setzen lassen“, sagte sie. Eine durchaus vernünftige Herangehensweise, wie sich herausstellen sollte. Denn nicht jedem im Gremium leuchtete Grubers unkonventionelle Arbeitsweise sofort ein.

Die dreht sich in erster Linie um Ideen. Nicht von Fachleuten, sondern von den Bürgern. „Das sind die Experten, wir sind nur Dolmetscher und Moderatoren“, erklärte Gruber. Um an die Menschen heranzukommen, würde sich ein fünf- bis siebenköpfiges Team für ein paar Monate in Miesbach einquartieren. In zwei bis drei Monaten würde Nonconform alle erdenklichen Quellen anzapfen. Ob in Einweckgläsern in den Geschäften, Sammelboxen in Klassenzimmern oder auf Bierdeckeln in den Wirtshäusern: Überall sollen die Bürger ihre Ideen für den Marktplatz abgeben können. Eine Website, ein Onlinespiel und witzige Flyer sollen zusätzlich zum Mitmachen auffordern. „Wir wollen möglichst viele Kanäle öffnen“, sagte Gruber.

Das gilt auch für die dreitägige Ideenwerkstatt. Sie ist das Herzstück der „Phase Null“, wie der Experte das Stadium vor der Entwurfsplanung bezeichnete. Von morgens bis abends könnten die Bürger hier reden, essen und trinken. Ein spannender Rund-um-die-Uhr-Stammtisch statt eine langweilige Abendveranstaltung, wie Gruber erklärte. „Da gehen eh nur immer die gleichen Leute hin.“ In der Werkstatt sammeln die Experten sämtliche Ideen – um sie dann an nur einem Nachmittag zu einem tragfähigen Entwurf zusammenzustricken. „Das wird ein Nährboden für die kommenden zehn Jahre“, versprach Gruber. Umsetzbar, nicht nur für die Schublade.

Die Stadträte wirkten angetan. „Das hört sich alles sehr gut an“, sagte Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD). „Aber was machen Sie, wenn der Prozess wie in Miesbach schon am Laufen ist?“ Gruber erklärte, seine Mitarbeiter würden alle „Schlüsselpersonen“ besuchen und die bereits existierenden Vorschläge in die Werkstatt aufnehmen. „Man fängt nie bei Null an“, sagte er. Bei Fertls zweiter Frage, ob das Ganze denn bezahlbar sei, sprang die Bürgermeisterin ein. Das sei bei dieser Sitzung nicht Thema.

Dritten Bürgermeister Michael Lechner (FWG) interessierte dagegen, wie Nonconform aus Tausenden Ideen eine für alle Miesbacher akzeptable Lösung für den Marktplatz erarbeiten könne. „Irgendeine Gewichtung müssen Sie doch vornehmen“, sagte er. Gruber ließ sich dabei nicht recht in die Karten schauen. Das sei ein geistig-schöpferischer Vorgang, den man nicht in ein System pressen könne. Auch Erhard Pohl (CSU), der sich erkundigte, wie das Büro denn mit unbezahlbaren oder nicht durchführbaren Ideen umgehe, erhielt nur eine vage Antwort. „Wir versuchen, die wirklichen Bedürfnisse der Leute zu ermitteln“, sagte Gruber. „Da müssen Sie uns ein bisschen vertrauen.“

Ob der Stadtrat Nonconform sein Vertrauen in Form einer Beauftragung ausspricht, entscheidet sich bei der nächsten Sitzung. Der Beschluss, ein entsprechendes Angebot einzuholen, fiel jedenfalls schon einmal einstimmig. Doch selbst wenn das Büro seine Ideenwerkstatt in Miesbach einrichten darf, steht die größte Hürde wohl noch bevor: die tatsächliche Umsetzung auf dem Marktplatz. Gruber gab dafür bereits einen klaren Zeitrahmen vor: „Wenn die Bürger nach fünf Jahren noch keine Bewegung erkennen, ist die Luft raus.“

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