Individuelle Muster können in Harald Kastenhubers Fußboden eingelasert werden. Für die Neuinterpretation der MDF-Platten wurde der Miesbacher jetzt geehrt.
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Individuelle Muster können in Harald Kastenhubers Fußboden eingelasert werden. Für die Neuinterpretation der MDF-Platten wurde der Miesbacher jetzt geehrt.

Fußboden-Novum

Miesbacher mit Architektur-Preis ausgezeichnet - „Die Erfindung war Zufall“

  • Jonas Napiletzki
    vonJonas Napiletzki
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Ein Miesbacher Unternehmer wurde mit einem Architekturpreis aus Stuttgart ausgezeichnet. Seine Erfindung: ein Fußboden aus MDF-Platten, der in verschiedenen Farben erhältlich ist.

Miesbach – Die Stuttgarter Architektenplattform „Raumprobe“ kürt jedes Jahr besonders überzeugende Material-Erfindungen. Dabei stießen die Betreiber der Online-Datenbank auf ein Produkt aus Miesbach: den farbigen Holzboden von Harald Kastenhuber. Für seine Erfindung erhielt er den Preis in der Sparte „Publikums-Voting“.

Bekanntes Material, neue Funktion

Der Miesbacher hat einen Holzboden aus Mitteldichten Holzfaserplatten (MDF) entwickelt, dessen Grundmaterial der Jury freilich bekannt war, nicht aber die Verwendung als Boden. Das Material besteht zu 90 Prozent aus Restholz, zu neun Prozent aus Harzen und zu einem Hundertstel aus organischen Farbstoffen. Die Erfindung sei das Ergebnis langjähriger Berufserfahrung und eines Quäntchens Glück, sagt Kastenhuber. „Ich werde immer gefragt, warum da vor mir keiner draufgekommen ist.“ Denn die Vorteile liegen für ihn eigentlich auf der Hand.

Erfinder nutzt berufliche Erfahrung

„Das MDF, das ich für den Boden einkaufe, ist um zehn Prozent dichter als Eichenholz, wird nachhaltig produziert und ist leicht zu bearbeiten“, erklärt der Miesbacher. Weitere Vorteile seien die Wärmeleitfähigkeit für Fußbodenheizungen, die Wasserbeständigkeit, die Rutschhemmung und der Purismus des Materials. „Ich wollte einen Bodenbelag entwickeln, der Klarheit vermittelt und eine wohnliche Alternative zu Keramik und Stein darstellt“, sagt Kastenhuber. Die verschiedenfarbigen Platten bezieht er von der Firma Forescolor und behandelt sie nach dem Fräsen mit Natur-Öl, das er von seinem Vorgängerunternehmen kauft: „Seit der Gründung 1985 war ich bis 2018 Inhaber der Firma Naturhaus Naturfarben in Riedering“, erklärt der Unternehmer, der vor vier Jahren nach Miesbach zog. Die Farben-Firma legte Kastenhuber vor drei Jahren in die Hände seines ältesten Sohns – allerdings nicht, um in den Ruhestand zu gehen. Der 63-Jährige hatte bereits seit 2014 eine Patentanmeldung für einen Dreischicht-Fußboden, der besonders leicht sein sollte, in die Wege geleitet.

Zufallsbegegnung mit Zulieferer

Völlig ungeplant kam dann der Einstieg in das MDF-Fußbodengeschäft. „Ich habe bei einem Spaziergang zufällig Michi Machens, Vertriebsleiter von Forescolor in Deutschland, kennengelernt, der mit den Platten genau das beisteuern konnte, was ich für einen puristischen Fußboden gesucht habe“, berichtet Kastenhuber. Das Material komme ohne künstliche Astlöcher oder Holz-Nachahmungen aus, könne mit einer CNC-Fräse um Schriftzüge ergänzt werden und sei durchgefärbt. Das bedeutet: „Kratzer sieht man nicht als helle Streifen“, erklärt Kastenhuber. Insgesamt kostet ein Quadratmeter des Bodens 69 Euro netto.

Bisher wurden die Forescolor-Platten für Türen, Wand- und Deckenverkleidungen oder für Möbel verwendet. Ausgezeichnet wurde die von Kastenhuber neu entwickelte Verwendung als Fußbodenbelag, dessen Endprodukt der ehemalige Farbhersteller „hk-floordesign“ nennt. Produziert wird der Boden aus den gekauften Platten in Südbayern und Kroatien.  nap

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