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Brauerei-Chef im mittelalterlichen Gewand: Thomas Wieczorek erklärte den Besuchern, wie vor 800 Jahren Bier gebraut wurde.

Bis zu 3000 Besucher an einem Tag

Miesbacher Mittelalterfest: Besucheransturm groß wie noch nie

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Das Mittelalter liegt im Trend – und davon profitierte der Miesbacher Museumsverein. Am Samstag strömten 3000 Besucher zum 6. Mittelalterlichen Klosterfest – so viele wie nie zuvor.

Miesbach – Da auch am Freitag die Resonanz mit 600 Gästen überaus ordentlich war, ließ es sich verschmerzen, dass der Abschlusstag weitgehend ins Wasser fiel.

Leben wie im Mittelalter: Die Miesbacher Gruppe Gambur.

Bernd Horeth registrierte den Besucheranstrum mit etwas Sorge. „Mit 3000 Gästen sind wir an der Grenze angekommen“, sagt der Fest-Organisator. „Wir müssen aufpassen, dass es nicht zu viel wird.“ Der Einzugsbereich war bemerkenswert: Rund zwei Drittel der Besucher kamen aus dem Großraum München, nur 15 Prozent aus Miesbach. Was aber vor allem wichtig ist: Schon vor dem Kassensturz konnte Horeth mit Sicherheit sagen, dass eine ordentliche Summe übrig bleibt, um den Aufbau des Miesbacher Museums im ehemaligen Kloster zu unterstützen.

Insgesamt waren an dem Klosterfest 300 Aktive beteiligt. Im Halbstunden-Takt gab es Vorführungen wie etwa das ritterliche Vollkontakt-Kampfspiel „Buhurt“, an dem sich Athleten aus Tschechien, Österreich, Frankreich und Deutschland beteiligten. Zu den Höhepunkten zählten auch die Falknerei-Vorführungen. Für die Kinder gab es erstmals Schiffschaukeln im historischen Wikinger-Design. Ebenso bunt war das musikalische Angebot, das vom Drehleier-, Lauten- und Dudelsack-Konzert bis hin zu gregorianischen Gesängen in der Portiunkulakirche reichte. Seit einem Dreivierteljahr sei der Verein mit der Organisation des Fests beschäftigt gewesen, sagt Carl Langheiter, Vorsitzender des Miesbacher Museumsvereins.

Konzert mit Laute und Dudelsack: Die Spielleute Meyenfogel.

Es war ein buntes Völkchen, das sich an den drei Tagen auf dem Gelände rund um die Kirche zusammengefunden hatte. Einer der Aussteller war Thomas Wieczorek, der in der Nähe von Kempten wohnt und hauptberuflich eine Brauerei leitet. In seiner Freizeit zieht er sich gerne mal eine Tunika an, stülpt sich eine Gugel über den Kopf, schlüpft in Beinlinge und erzählt Geschichten über das Bierbrauen vor 800 Jahren. „Damals war Bier ein echtes Grundnahrungsmittel“, sagt Wieczorek. Je nach Bedarf und Geschmack seien dem Bier schon mal Majoran, Salbei und Früchte beigefügt worden.

Der Aussteller war hellauf begeistert von der Resonanz. „Der Freitag und Samstag waren gigantisch. Die Leute waren sehr interessiert daran, was ich erzähle. Es waren auffällig viele Kinder da.“ Die Feste empfindet der Brauereileiter als „großes Abenteuer. Man merkt bei solchen Anlässen, dass das Mittelalter gar nicht so weit weg ist.“

Ähnlich fiel das Fazit von Tobias Rummelsberger aus. Mit der Miesbacher Wikingersippe Gambur wollte er darstellen, wie das Leben vor 1100 Jahren ausgesehen haben könnte. In seiner Feldküche räucherte er Fisch, Schweine- und Rindfleisch. „Wenn der Veranstalter gut drauf ist, ist jedes Lager schön“, sagt Rummelsberger. Mit seiner Gruppe sei er beim Klosterfest von Anfang an dabei und werde immer wiederkommen.

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