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Besuch aus Fernost: Mit einer Delegation ist die chinesische Luye Pharma Gruppe zur Enthüllung des neuen Firmenlogos im früheren Acino-Gebäude im Miesbacher Gewerbegebiet angereist. Jörg Scheidle (r.), Vorstandsvorsitzender am Standort Miesbach, und Vorstandsmitglied Björn Schurad (3.v.r.) zeigten den neuen Eigentümern die Räume.

„Eine Infiltration war nie das Ziel“

Chinesen kaufen Miesbacher Pharma-Firma - Chef erklärt sich

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Miesbach - Der Miesbacher Standort des Schweizer Generikaentwicklers Acino ist ab sofort in chinesischer Hand. Im Interview erklärt Standortleiter Jörg Scheidle, was das für die Belegschaft heißt.

Die neuen Schilder sind bereits an die Wand geschraubt, die Visitenkarten frisch gedruckt. Der Miesbacher Standort des Schweizer Generikaentwicklers Acino ist ab sofort in chinesischer Hand. Wie berichtet, hat der Pharma-Konzern sein Geschäft mit Heilpflastern – den sogenannten transdermalen therapeutischen Systemen – im Juli für umgerechnet rund 245 Millionen Euro an die Luye Pharma AG mit Sitz in Hongkong verkauft. Mit einem Besuch einer Delegation des Managements aus Fernost wurde die Übernahme nun offiziell vollzogen. Wir haben mit Jörg Scheidle (45), Vorstandsvorsitzender am Standort Miesbach, über Gründe und Folgen des Verkaufs gesprochen.

Herr Scheidle, ab sofort sind Ihre Mitarbeiter für eine Firma tätig, die von einem chinesischen Pharmaunternehmen gekauft wurde. Wie groß ist die Verunsicherung in der Belegschaft?

Scheidle: Latente Ängste gibt es immer. Das ist auch ganz normal in einem solchen Veränderungsprozess. Je intensiver aber der Austausch mit den neuen Eigentümern wird, desto geringer wird auch die Verunsicherung. Sehr wichtig war dabei die Betriebsversammlung im Bayerischen Hof, zu der wir Vertreter des Managements aus China eingeladen haben. Da konnte man schön beobachten, wie sich die Mienen unserer Mitarbeiter entspannt haben. Sie haben gemerkt, dass ihre Firma nicht kulturell unterwandert wird, sondern dass man ihrer Arbeit mit großem Respekt begegnet. Eine Infiltration war für die Luye Pharma Gruppe nie das Ziel ihres Kaufs.

Sondern?

Scheidle: Das Unternehmen will sich mit unseren Kompetenzen und Produkten verstärken und sich dadurch einen Zugang zum europäischen Markt sowie einen Brückenkopf in die USA verschaffen. Das Management ist sehr stolz, dass wir diesen Schritt gemeinsam gehen können. Sie honorieren, was wir in den vergangenen Jahren in Miesbach geleistet haben.

Es muss sich also niemand vor einem Ausverkauf nach China fürchten?

Scheidle: Nein. Bis auf Name und Logo bleibt alles beim Alten. Die Identität des Standorts Miesbach bleibt vollständig erhalten, und selbstverständlich zahlen wir weiterhin hier unsere Gewerbesteuer. So lange wir weiterhin erfolgreich arbeiten, wird sich daran auch nichts ändern. Die Billig-Kopier-Mentalität ist in China längst nicht mehr so verbreitet wie früher – vor allem nicht der Pharmabranche. Da ist es sehr wichtig, dass die Qualität stimmt. Und auch die Lohnunterschiede zwischen Deutschland und China sind in diesem hoch anspruchsvollen Bereich kaum mehr vorhanden. Es muss also niemand Angst haben, dass sein Arbeitsplatz nach China verlagert wird. Im Gegenteil: Wir versprechen uns durch die neuen Eigentümer einen Innovationsimpuls. Das war auch einer der Gründe, warum wir uns für den Verkauf an die Luye Pharma AG entschieden haben.

Hatten Sie da denn ein Mitspracherecht?

Scheidle: Natürlich. Wir haben ja diese Entscheidung nicht in einer Notlage, sondern in einer Phase der Stärke getroffen.

Was war dann der Auslöser für den Verkauf?

Scheidle: Unser ehemaliger Mutterkonzern Acino hat sich strategisch neu ausgerichtet, und da war unsere Technologie nicht mehr im Fokus. Wir wären gewissermaßen nur noch ein kleiner Satellit in der Unternehmensgruppe gewesen. Deshalb haben wir begonnen, den Markt zu sondieren.

Hatten Sie nie Bedenken, dass sich dieser Schritt negativ auf das Vertrauen Ihrer Kunden auswirkt?

Scheidle: Nein. Diese Art der Konsolidierung ist nicht ungewöhnlich in der Pharmabranche. Entsprechend gelassen haben unsere Kunden reagiert. Die meisten wollten nur wissen, ob sich ihr Ansprechpartner verändert. Da konnten wir sie aber beruhigen.

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