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Eine Anlage für vier Gebäude: Mit einem Nahwärmesystem könnten (v.l.) Feuerwehrhaus, Beamtenhaus, Bücherei (verdeckt) und Rathaus zentral versorgt werden. Doch das Umrüsten ist teuer.

„Große“ Lösung kostet 630.000 Euro

Miesbacher Rathaus: Ein Wärmenetz für vier Gebäude

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Der Bereich um das Miesbacher Rathaus soll zum Nahwärmeverbund umgebaut werden. Ab 2021/22 werden vom Feuerwehrhaus aus auch das Beamtenhaus und die Bücherei mitversorgt.

Miesbach – Es sind mehrere Gründe, die dafür sprechen, Rathaus, Feuerwehrhaus, Beamtenhaus und Bücherei zentral mit Wärme zu versorgen. Denn eines haben die bestehenden Anlagen der vier Gebäude gemeinsam: Sie entsprechen nicht mehr den ökologischen und wirtschaftlichen Anforderungen. Das zeigt sich gerade am Rathaus, das per Strom beheizt wird. Am drängendsten ist die Situation bei der Gas-Doppelkesselanlage der Feuerwehr. Deren Genehmigung läuft 2021 aus. Bis dahin – zumindest aber spätestens bis 2022 – muss eine neue Lösung her.

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Miesbacher Rathaus: Ein Wärmenetz für vier Gebäude

Der Stadtrat hat sich bereits einstimmig für die große, rund 630 000 Euro teure Lösung entschieden, die Planer Gerhard Schmid vom Münchner Büro Eura ausgearbeitet und vorgestellt hatte. Vom Feuerwehrhaus sollen innerhalb der nächsten drei Jahre die drei benachbarten Gebäude mitversorgt werden.

Heuer werden für rund 40 000 Euro Nahwärmerohre zwischen Feuerwehr- und Beamtenhaus verlegt. Die Bücherei wird an die Heizanlage im Feuerwehrhaus angeschlossen – die Variante, sie vorübergehend mit einem eigenen Heizkessel auszustatten, fand im Gremium keine Mehrheit. 2020 ist der Einbau der Energieerzeugungsanlage vorgesehen, 2021 soll die Versorgung der Wohnungen für 40 000 Euro und der Anschluss ans Netz erfolgen.

Die große Frage ist jedoch noch nicht geklärt: Welcher Energieerzeuger erhält den Zuschlag? Gas oder Pellets? Dies soll im kommenden Jahr entschieden werden, wenn auch die konkreten Planungen vorliegen. In der jüngsten Sitzung des Stadtrats gab es dazu unterschiedliche Auffassungen.

Gebäudereferent Gerhard Braunmiller (CSU) empfahl die Umstellung auf regenerative Wärmeerzeugung: „Das ist ein Schritt pro Klimaschutz. Im Rathaus wechseln wir so von Strom zu Pellets, und das Beamtenhaus können wir auch wirtschaftlicher betreiben.“ Auch Dritter Bürgermeister Michael Lechner (Freie Wähler) sprach sich dafür aus, „regenerativ vorwärtszukommen – auch wenn wir es uns nicht leisten können. Unsere Heizung im Rathaus ist ja mittelalterlich.“

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Wärmenetz um das Rathaus: Zu teuer?

Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) hatte zuvor Bedenken angesichts der Finanzierung angemeldet. Für heuer sei dafür ebenso nichts eingeplant wie für die Kinderbetreuungscontainer auf der Waitzinger Wiese. „Wir werden uns mit einer kurzfristigen Finanzierung schwer tun“, stellte er fest und bekam Unterstützung von Kämmerer Josef Schäffler: „Das wird sehr schwer. Denn der heutige Beschluss greift auch in die Haushaltsplanung 2020 ein.“

Ähnlich sah es Alfred Mittermaier (CSU), der die Einzelversorgung als die wirtschaftlichere Variante hält: „Wir reden von Summen, bei denen mir schwindlig wird. Für das Geld können wir viel heizen. Pellets kosten ja auch Geld.“

Für Markus Baumgartner (CSU) gibt es dagegen keine Alternative zu den Pellets: „Wann steigt die Stadt in die Energiewende ein? Die Bürger sollen immer machen, und wir als Stadt hinken hinterher.“ Das Nahwärmeprojekt sei eine große Chance. „Wir könnten anfangen, unsere eigenen Stadtwerke zu gründen und weitere Punkte für ein Nahwärmenetz aufbauen. Lasst uns anfangen – wir haben nur eine Umwelt.“

CSU-Sprecher Franz Mayer hatte ebenfalls die Idee aufgeworfen, eventuell ein kommunales Unternehmen zu gründen. Ein Ansatz, der wiederum Fertl im Grundsatz gefiel, jedoch hielt er das Nahwärmeprojekt nicht für den richtigen Anlass für einen Start. Inge Jooß (SPD) monierte, dass erneut ein Gesamtkonzept fehle, das die fälligen Investitionen aufzeige: „Wir springen immer auf den fahrenden Zug und wundern uns, wenn wir runterfallen.“

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