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Hatten den richtigen Instinkt im richtigen Moment: die Kumpels (v.l.) Atakan und Beraat aus Miesbach. Zufällig wurden sie Zeugen eines Wohnungsbrands, den sie löschten und gleich noch zwei hilflose Katzen retteten.

Wohnungsbrand gelöscht

Beste Kumpels werden zufällig zu Lebensrettern

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Miesbach - Beraat und Atakan haben in ihrem Leben nicht immer die richtige Abzweigung genommen. Bei einem Wohnungsbrand reagierten sie aber goldrichtig.

Beraat (16) und Atakan (17) zögerten keine Sekunde. Als sie zufällig Zeugen eines Wohnungsbrandes in der Miesbacher Wendelsteinstraße (wir berichteten) wurden, rannten sie ins brennende Haus. Dort wurden sie zu Rettern für zwei verängstigte Katzen – und verhinderten vielleicht Schlimmeres. Hier ist ihre Geschichte.

Zwar sind die beiden besten Kumpels häufiger in der Gegend unterwegs, den Weg gehen sie sonst aber nie. Einer Art Eingebung folgend, nahmen sie aber an dem schicksalsträchtigen Samstagabend Mitte September die Abkürzung. „Ich hatte einfach so ein Gefühl“, sagt Atakan bescheiden. Als Helden sehen sich beide nämlich nicht. „Wir haben ja nicht die Welt gerettet, aber ein bisschen stolz sind wir schon.“ In so einer Situation zu helfen, das sei doch das Normalste der Welt.

"Wir haben ja nicht die Welt gerettet."

Sein unerklärliches Gefühl trügte den jungen Miesbacher nicht. Nach wenigen Metern vernahmen sie das Piepen eines Rauchmelders, und schon sahen sie dichten, stechenden Qualm aus der Wohnung dringen. Dann ging alles ganz schnell. Sie wissen nicht, was sie in diesem Moment überkam, aber fühlten einfach, dass sie etwas tun mussten – und zwar sofort.

Die Freunde kletterten auf den Balkon und nahmen Bewegungen im Inneren der Wohnung wahr. Sie öffneten die gekippte Balkontür, hielten sich Hände und Pullover vors Gesicht und drängten in das Apartment. Was folgte, war ein Schockmoment, erzählt Atakan. Überall war Rauch, die Augen fingen an zu brennen, Hitze schlug den Freunden entgegen. Einem Instinkt folgend, suchten die beiden nach Wasser, um einen Schrank zu löschen, der Feuer gefangen hatte. Die 25-jährige Bewohnerin hatte darauf offenbar ein Teelicht vergessen.

Die Augen der Katzen blitzten unterm Bett hervor 

Inzwischen waren auch die Nachbarn auf den Brand aufmerksam geworden. „Sie sagten uns, dass zwei Katzen in der Wohnung sind“, berichtet Beraat. Sofort suchte er jede Ecke ab und wurde unterm Bett fündig. „Ich habe mit meiner Handylampe geleuchtet und blitzende Augen gesehen.“ Er schnappte sich die verängstigten und am Boden zusammengerollten Knäuel und brachte sie ins Freie. „Die haben mir so leidgetan“, sagt der Tierfreund. Nur kurze Zeit später war die Feuerwehr vor Ort – und der Spuk vorbei. Die vielleicht aufregendsten fünf Minuten im Leben der beiden jungen Männer, die im richtigen Moment den richtigen Instinkt bewiesen haben.

Auch wenn sie ihr Handeln nicht allzu hoch hängen. Im Miesbacher Freizeit und Kulturkeller (FuKK), wo die beiden viel Zeit verbringen, sind Beraat und Atakan nun kleine Helden. „Was sie getan haben, spiegelt ihren guten Charakter wider“, sagt etwa Sozialpädagoge Simon Friedt über seine Schützlinge. „Es zeigt, dass Jugendliche nicht nur Mist bauen.“ Beide, sagt Friedt, seien gerade dabei, die Ausbildung zum Jugendleiter zu absolvieren und hätten auch durch diese Tat bewiesen, dass sie das Zeug dazu haben. Wegen ihrer Vergangenheit haben die ehrenamtlich engagierten Jugendlichen noch keine Ausbildungsstelle gefunden. Nun hoffen sie, bewiesen zu haben, dass auch sie das Herz am rechten Fleck haben – und sie deshalb vielleicht noch eine weitere Chance bekommen.

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