+
Beengte Verhältnisse: Obwohl das neue Pfarrheim im Gegensatz zum Bestand (Foto) drei Meter weiter von der Straße wegrückt, bleibt nicht genügend Platz für die geforderten Parkplätze. 

Stadtrat gnadenlos

Keine Kompromisse für die Kirche

Die Kirchenstiftung Miesbach wird sich für ihr geplantes neues Pfarrheim etwas einfallen lassen müssen. Nach dem Bauausschuss hat nun auch der Stadtrat sein Ja zu dem Vorhaben verweigert. Er pocht auf die volle Anzahl an Stellplätzen.

Miesbach – Am Ende wurde es noch mal verzwickt. „Die Beschlüsse widersprechen sich“, sagte Florian Ruml (FW), nachdem der Stadtrat insgesamt fünf Voten zum neuen Pfarrheim abgegeben hatte. Und Ruml ist als Geschäftsleiter der Gemeinde Gmund vom Fach. Auch Markus Seemüller meinte: „Das ist alles irrational.“ Zum einen hatte der Stadtrat es mit 12:5 abgelehnt, „zumindest für einen Teil der fehlenden Stellplätze“ eine Ablöse in Aussicht zu stellen. In einem weiteren Beschluss hieß es aber, „die Prüfung der Stellplatzregelung/Ablöse sowie die Erteilung des Einvernehmens kann durch den Bauausschuss erfolgen.“ Also doch Ablöse? Nein, meint Bauamtsleiter Lutz Breitwieser auf Anfrage. Eine Ablöse hat der Stadtrat jetzt abgelehnt und damit die Empfehlung des Bauausschusses in den Wind geschlagen, das könne der Ausschuss nicht ändern. Der zweite Beschluss („Prüfung“) sei eine Zuständigkeitsregelung und im Lichte des vorangegangenen Beschlusses zu betrachten.

Die Sache liegt nun also wieder beim Bauausschuss. Diesem Gremium muss die Pfarrei Pläne vorlegen, in denen der volle Bedarf von 23 Stellplätzen für das neue Pfarrheim abgebildet ist. Denn auch eine Doppelnutzung erkannte der Stadtrat – wie zuvor auch der Bauausschuss – nicht an (16:3). Doppelnutzung hätte bedeutet: Die Stadt erkennt an, dass zu keinem Zeitpunkt alle Räume (Saal, Jugend-, Seminarräume) belegt sind und folglich auch nie alle zugeordneten Parkplätze gleichzeitig benötigt werden. Somit hätten 16 gereicht, argumentiert der Antragsteller. Dem wollten weder Verwaltung noch die Mehrheit der städtischen Gremien folgen. Zu Kompromissen bereit zeigten sich am klarsten Paul Fertl und Inge Jooß (beide SPD), das deutlichste Nein kam von der CSU. „Keinerlei Kompromisse“ wollte etwa Erhard Pohl in der Stellplatzfrage eingehen, und Franz Meyer erinnerte daran, dass auch bei der Realschule sowie beim Landratsamt seitens der Stadt eine Tiefgarage gefordert worden sei. In der Summe vertritt die Stadt in der Parkplatzfrage eine harte Linie. Denn von den zehn Stellplätzen, die die Pfarrei am Kindergarten schräg gegenüber ausweisen möchte, erkennt die Verwaltung nur sechs an. Vier müssten dem Kindergarten vorbehalten bleiben. Das macht das Problem für den Bauherren nicht kleiner. Auf dem Grundstück des Pfarrheims selbst sieht der Plan nur sieben Parkplätze vor.

Hier der Bericht vom Bauausschuss: Dem neuen Pfarrheim fehlen Parkplätze

Die Kirchenstiftung als Bauherrin ist nun einigermaßen bedient. Die Stellvertretende Vorsitzende Kathrin Baumann sagt: „Ich hätte mir das anders gewünscht und war eigentlich auch guter Hoffnung.“ Denn – das müsse man positiv herausstellen – die Gespräche in den vergangenen eineinhalb Jahren seien fruchtbar gewesen und hätten ein gutes Ergebnis bewirkt. Wie berichtet, ging es dabei aber vor allem um die Gestaltung. Die trägt eine Mehrheit (15:4) des Stadtrats inzwischen mit, auch wenn nicht jedermann begeistert ist. Dass nun die Stellplatzfrage das Verfahren auf unbestimmte Zeit verzögert, sei enttäuschend, so Baumann. Auch sie hat die Beschlüsse einigermaßen verwirrend empfunden. Sie warte nun auf die schriftliche Ausfertigung und strebe dann das Gespräch mit der Stadt an. Wo sie die Stellplätze herzaubern soll, weiß Baumann allerdings nicht. „An der Kolpingstraße ist einfach kein Platz.“ Das von Walter Fraunhofer (SPD) ins Spiel gebrachte Grundstück am Schulberg komme vorerst nicht in Frage. Es gehört, wie Baumann erklärt, nicht der Kirchenstiftung, sondern der Pfarrpfründestiftung und ist somit dem Miesbacher Einfluss zunächst entzogen. Eine Tiefgarage werde der Erzdiözese, die 96 Prozent der Kosten trägt, zu teuer sein. Insgesamt ist das Projekt mit 5,6 Millionen Euro veranschlagt. Viel Geld.

Auch die evangelische Kirchengeminde möchte bauen: Bauprojekt der evangelischen Kirche Miesbach: Grünes Licht für Baupläne

Teuer ist für Baumann und die Kirchenstiftung aber nun vor allem eines: guter Rat. Denn das alte Pfarrheim ist in einem erschreckend schlechten Zustand. Baumann: „Jeder sieht sofort, dass das nicht mehr lange nutzbar ist.“

Daniel Krehl

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Gemeinderat stimmt Postwirt-Bauplänen zu
Bei der Bebauung des Postwirt-Areals in Irschenberg geht es zügig weiter. Nachdem die Gemeinde im Oktober ihren Bebauungsplan für den Bereich festgezurrt hatte, folgte …
Gemeinderat stimmt Postwirt-Bauplänen zu
Streit um ALB im Bauausschuss Miesbach
Der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) hat enorme zersetzende Kraft – nicht nur durch seine Larven, die sich in die Stämme von Laubbäumen bohren, dort Saftwege kappen …
Streit um ALB im Bauausschuss Miesbach
Ehre für Markus Wasmeier: Ex-Skistar mit Bierorden ausgezeichnet
Große Ehre für einen prominenten „Nebenerwerbsbrauer“: Ex-Skistar Markus Wasmeier hat den Bayerischen Bierorden erhalten - für seine Museumsbrauerei im „Wofen“.
Ehre für Markus Wasmeier: Ex-Skistar mit Bierorden ausgezeichnet
Süleyman Kaynak übergibt den Vorsitz von Ditib Miesbach an Ertugrul Bostan
Süleyman Kaynak hat nach 15 Jahren den Vorsitz der Türkisch Islamischen Gemeinde Ditib Miesbach an Ertugrul Bostan übergeben. Wir haben mit ihm über seine Zeit in …
Süleyman Kaynak übergibt den Vorsitz von Ditib Miesbach an Ertugrul Bostan

Kommentare