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Miesbacher Unternehmen wollen Emissionen verringern

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Von: Jonas Napiletzki

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Wärmerückgewinnung: Bosch-Entwicklungsingenieur und Prüfstandsverantwortlicher Timo Engel zeigte den Heizgasprüfstand des neuen Unternehmensstandorts in Föching bei einem Presserundgang 2017.
Wärmerückgewinnung: Bosch-Entwicklungsingenieur und Prüfstandsverantwortlicher Timo Engel zeigte den Heizgasprüfstand des neuen Unternehmensstandorts in Föching bei einem Presserundgang 2017. © Archiv AL

Bis 2030 soll Deutschland 80 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien beziehen. Das hat sich die Ampel-Regierung in ihrem Koalitionsvertrag vorgenommen, der gestern vorgestellt wurde. Hehre Ziele hat auch der Landkreis Miesbach.

Landkreis - Miesbach will bis 2036 klimaneutral sein. Manche Unternehmen sind diesen noch entfernten Zielen der Politik schon weit voraus. Wie aber läuft der Wandel in der Privatwirtschaft ab? Zwei Unternehmen zeigen Beispiele auf.

Bosch

Bosch ist seit 2020 mit seinen weltweit mehr als 400 Standorten klimaneutral, berichtet Pressesprecherin Cornelia Dürr. Damit hinterlasse das Unternehmen keinen CO2-Fußabdruck mehr. „Um dies zu ermöglichen, investiert Bosch vor allem in Energieeffizienz und erhöht den Anteil regenerativer Energien“, sagt sie. Zudem kaufe das Unternehmen als kurzfristige Hebel Grünstrom mit Herkunftsnachweisen zu und kompensiere unvermeidbaren CO2-Ausstoß. Die Neutralität sei durch eine unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft extern zertifiziert. „Ein großer Schritt, aber nur ein erster Meilenstein“, sagt Dürr.

Im Zuge der Erweiterung des Standorts Holzkirchen habe Bosch energetische Bewertungen gemacht und Maßnahmen berücksichtigt. Heißt konkret: Der Standort minimiert „die fossilen CO2-Emissionen durch den Anschluss an die Tiefengeothermie der Gemeindewerke Holzkirchen“. Über diese Maßnahme könnten rund 150 Tonnen CO2 pro Jahr für den Standort eingespart werden.

Der Bedarf an Kälte für Laboreinrichtungen und Prüfstände werde über Wärmepumpen erzeugt. „Deren Abwärme wird nicht an die Umwelt, sondern an das Heizungssystem zur Gebäude- und Warmwassererwärmung abgegeben“, erklärt die Pressesprecherin. Hierdurch werde der durch Erdgas gedeckte Wärmebedarf reduziert – und rund rund 120 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart.

Ferner seien Dachflächen des Neubaus und des Parkhauses mit Fotovoltaik-Anlagen ausgestattet. „Diese werden eine Leistung von rund 350 kWp haben.“ Weitere Maßnahmen seien etwa Wärmerückgewinnungssysteme, niedrige Betriebstemperaturen, LED-Beleuchtung und eine optimierte Beleuchtungs- und Lüftungssteuerung. Fahrradstellplätze, 200 E-Ladepunkte und Radleihstationen sollen das Konzept abrunden.

Oped

Für Emissionen, die nicht vermieden werden können, ist Kompensation eine Möglichkeit. „Sie werden an anderer Stelle eingespart, um so rechnerisch CO2-Neutralität zu haben“, erklärt Landratsamt-Klimaschutzmanagerin Antonia Rüede-Passul. Dieser Gedanke basiere auf der Annahme, dass es fürs Klima nicht entscheidend sei, wo Emissionen entstehen oder vermieden werden – so lange die Bilanz stimmt.

Antonia Rüede-Passul
Klimaschutzmanagerin
Antonia Rüede-Passul Klimaschutzmanagerin © Privat

Für Andreas Bonleitner vom Medizintechnikhersteller Oped, der am vom Landratsamt organisierten Unternehmeraustausch zur CO2-Kompensation teilnahm (siehe Kasten), wäre regionale Kompensation das Beste: „Die nachhaltigste Wirkung hat man sicher zu Hause.“ Mangels Möglichkeiten zur regionalen Kompensation im Landkreis sah Bonleitner, der bei Oped Mitglied der Geschäftsleitung ist, jedoch das Reduzieren als den besten Hebel an.

Oped realisiere das etwa durch neun Ladepunkte für E-Fahrzeuge am Standort in Oberlaindern. Diese seien öffentlich zugänglich und staatlich gefördert worden, erklärte er in der Videokonferenz den anderen Teilnehmern. Für das Reduzieren der Emissionen – bei Oped durchaus ein Ziel – müsse man jedoch erheblichen Aufwand betreiben. „Es ist leichter, ein fossiles Leben zu führen, als ein erneuerbares“, stellte er fest. Aber: „Das ist der Preis für die Zukunft.“

Um teurem Organisationsaufwand bei staatlichen Förderungen zu entgehen, schlug Bonleitner mehr Austausch zwischen den Unternehmen im Landkreis vor. „Man könnte eine Analyse erstellen und mehr auf andere Unternehmer zugehen.“ Quasi ein Gremium zur Selbsthilfe, lautete der Plan. „Dann wird’s günstiger für alle.“

Unternehmen wollen Synergien schaffen

Der Unternehmeraustausch Klimaschutz ist ein Projekt des Klimaschutzmanagements am Landratsamt Miesbach und der Bürgerstiftung Energiewende Oberland (EWO). Auch die Standortmarketing-Gesellschaft (SMG) soll künftig stärker in die Organisation eingebunden werden.
In regelmäßigen Abständen laden derzeit Landratsamt-Klimaschutzmanagerin Antonia Rüede-Passul und Stefan Drexlmeier, EWO-Geschäftsstellenleiter, Firmen zum Austausch in eine Videokonferenz. Zuletzt stand regionale CO2-Kompensation auf der Tagesordnung. Konsens in der Diskussion mit insgesamt fünf teilnehmenden Unternehmern war, dass das Potenzial zur CO2-Kompensation im Landkreis Miesbach beschränkt sei. Als wichtiger empfanden die Firmenchefs die Vermeidung von Emissionen, etwa durch Ökostrom, Fotovoltaikanlagen und Ladeinfrastruktur für E-Firmenwagen. Um bürokratische Hürden zu überwinden und finanzielle wie organisatorische Synergien zu schaffen, wollen sich Unternehmer im Landkreis mehr austauschen. Die nächste Möglichkeit dazu gibt es voraussichtlich am Donnerstag, 10. März. (nap)

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