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Startbereit in der Warteschleife: Der Museumsverein mit seinem Vorsitzenden Carl Langheiter will zwei Klassenräume im Kloster nutzen, um Sonderausstellungen durchzuführen. Doch dafür fehlt ein zweiter Fluchtweg.

Klostersanierung in Miesbach 

Museum braucht noch ein Gutachten

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Mit einem kleinen Schritt wollte der Museumsverein die Sanierung des stadteigenen Klosters beginnen – vergeblich. Statt eines Startsignals gab es eine weitere Hürde: Der Denkmalschutz fordert einen Baualtersplan. Darauf sollen dann Gesamtkonzept und Umsetzung abgestimmt werden.

Es braucht einen Geduldsfaden aus Stahl, um das geplante Museums-Projekt nicht entnervt neben den wertvollen Exponaten im Stadtarchiv abzulegen. Eigentlich sollte der Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstagabend – wie vom Museumsverein beantragt – grünes Licht für eine abgespeckte, rund 600 000 Euro teure Ertüchtigung der sanierungsbedürftigen Klosterschule geben (wir berichteten). Nun aber gilt es eine weitere Gutachtenhürde zu nehmen.

Wie Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) in der Sitzung berichtete, habe sie am Mittwoch mit Kreisbaumeister Werner Pawlovsky und Christoph Scholter vom Landesamt für Denkmalpflege das Gebäude besichtigt. Das Ergebnis: Aus Sicht des Denkmalschutzes spreche nichts gegen eine Nutzung der beiden Klassenräume im Erdgeschoss, solange nicht in die Bausubstanz eingegriffen wird. Damit alles gut? Nein, denn der Brandschutz fordert bei dem öffentlichen Gebäude einen zweiten Rettungsweg, und dafür muss in die Bausubstanz eingegriffen werden. In diesem Fall, so Pongratz weiter, fordert der Denkmalschutz einen „Archivarien und Befund gestützten Baualtersplan“, weil vor allem die alte Sakristei laut Scholter baulich recht wertvoll sei. Gutachter für diesen Plan gebe es nicht viele, stellte die Bürgermeisterin fest – man wolle auf den zurückgreifen, der auch das Wieser Gemeindehaus unter die Lupe genommen hat. Doch das brauche Zeit. Dann erst könne man ein Gesamtkonzept erstellen und in die Realisierung einsteigen.

Auch die Statik erfordert massive Maßnahmen, erläuterte Architekt Hans Meier. Die Decken müssten mit Streben gestützt werden, wobei die Last von oben nach unten gegründet werden muss. Weitere Probleme seien die Barrierefreiheit im öffentlichen Gebäude sowie die Höhenunterschiede im Treppenhaus zwischen Schulhaus und Mittelbau.

Pongratz schlug daher folgende Vorgehensweise vor, die der Stadtrat am Ende einstimmig verabschiedete: Architekt Meier soll eine schrittweise Sanierung ausarbeiten und eine Kostenschätzung vorlegen. Zudem wird der Baualtersplan in Auftrag gegeben und Kontakt mit den Förderstellen aufgenommen, um zu klären, wie jene beim schrittweisen Bau fördern.

Für Markus Seemüller (FW) ist die Gesamtsituation schwer nachzuvollziehen. „Dass die Stadt sich ein Museum leisten kann, darf bezweifelt werden“, stellte er mit Blick auf Bau- und Betriebskosten fest und regte daher an, den Teilumbau so zu gestalten, dass bei einer nichtmusealen Nutzung nicht erneut umgebaut werden muss. Doch Pongratz widersprach: „Wir haben einen Beschluss, dass ins Kloster das Museum kommt.“ Allerdings haben auch ihre Anfragen ergeben, dass Unternehmen wie das Bayernwerk zwar Ausstellungen finanziell unterstützen, aber nicht das gesamte Museum.

Während Inge Jooß (SPD) forderte, „wir müssen schrittweise Leben reinbringen“, unterstützte Franz Mayer (CSU) Pongratz’ Vorgehen: „Wir kommen leider nur in kleinen Schritten weiter.“ Auch Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) schloss sich an und nahm den Verein in die Pflicht: Der solle mit seinen 160 Mitgliedern die laufende Betreuung übernehmen. „Vielleicht sollte der Verein noch mehr Arbeitskraft in den Umbau einbringen.“

Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FW) redete hingegen Klartext bei dem insgesamt 3,5 Millionen-Euro-Projekt: „Der finanzielle Spielraum ist nicht gegeben. Wir haben große Projekte immer durch Grundstücksverkäufe finanziert. Es geht nur über Kredite, und das will ich nicht verantworten.“ Prüfen, was machbar ist, sei in Ordnung, „wir brauchen aber Geld von außen“.

ddy

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