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Seehofer sagt Treffen mit Jakob Kreidl ab

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Von: Stephen Hank

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Jakob Kreidl Horst Seehofer
Lieber auf Distanz: Ministerpräsident Seehofer (2.v.l.) sagte das Treffen mit Landrat Kreidl (l.) ab. © Oliver Bodmer

Miesbach - Es ist ein Schlag ins Gesicht: Ministerpräsident Horst Seehofer hat seinen geplanten Auftritt mit Skandal-Landrat Jakob Kreidl in Miesbach abgesagt.

Es vergeht kein Tag ohne neue Hiobsbotschaften für Jakob Kreidl. Am Montag beispielsweise rückten Landratsamt und Kreissparkasse auf öffentlichen Druck hin die Kosten für die Feier zu seinem 60. Geburtstag zurecht. Inklusive aller Steuern kostete das Fest unterm Strich 118 123 Euro, also 49 523 Euro mehr als noch Ende vergangener Woche gemeldet. In der Öffentlichkeit hat die Diskussion über die Verfehlungen des Landrats mittlerweile ein Maß an Eigendynamik entwickelt, das es dem 61-Jährigen unmöglich macht, all die Feuer noch auszutreten, die sich rings um ihn entzünden. „Er hat so viele Baustellen, dass er gar nicht mehr weiß, wo er gerade unterwegs ist“, sagt einer, der in diesen Tagen viel mit ihm zu tun hat.

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Die jüngste Baustelle liegt wenige Hundert Meter Luftlinie vom Landratsamt entfernt: In der neuen Oberlandhalle – ausgerechnet jener Viehversteigerungshalle also, die Landschaftsschützer dem Landrat als Mahnmal seiner in ihren Augen verfehlten Ansiedlungspolitik vorhalten – sollte am 7. März Ministerpräsident Horst Seehofer sprechen. Doch die nachmittägliche Kundgebung fällt aus, wie unsere Zeitung gestern erfahren hat. Seehofer zieht es vor, sich im Wahlkampf lieber nicht mehr mit Kreidl zu zeigen. Er wolle in die ganze Diskussion über die Kosten für dessen Geburtstagsfeier nicht noch weiter hineingezogen werden, heißt es aus Seehofers Umfeld. Kreidl selbst nennt Terminprobleme des Ministerpräsidenten als Grund für die Absage, einen unmittelbaren Zusammenhang mit seiner Person oder den Ereignissen sieht er nicht. „Horst Seehofer hat unheimlich viele Anfragen“, sagt Kreidl, „mehr noch als vor der Landtagswahl.“ Um einen Ersatz habe er sich angesichts der derzeitigen Turbulenzen nicht bemühen können, die Kundgebung wird wohl ersatzlos gestrichen. Die Partei hatte gehofft, die Peinlichkeit der Absage gar nicht erst kommunizieren zu müssen, doch im Tegernseer Tal zum Beispiel war der Termin bereits Ortsgespräch. Der Ortsverband Rottach-Egern bewirbt ihn auf seiner Homepage. „Wir wollten den Ministerpräsidenten bei dieser Gelegenheit auch noch mal auf die Beteiligung der Seenschifffahrt an der Tegernsee Card ansprechen“, erzählt beispielsweise die CSU-Gemeinderätin und Vorsitzende des örtlichen Verkehrsvereins, Anastasia Stadler.

Zumindest Wirtschaftsministerin Ilse Aigner hält an ihren Wahlkampfterminen im Stimmkreis fest. Morgen etwa spricht sie auf Einladung der Miesbacher CSU beim Bräuwirt. Das Thema Kreidl dürfte die Parteifreunde auch an diesem Abend beschäftigen. Von Aigner werden offiziell nur Worte der Unterstützung zu hören sein. „Es ist unbestritten, dass Jakob Kreidl für den Landkreis Miesbach große Verdienste hat“, heißt es in einer Erklärung, die Aigners Büro am Montag veröffentlicht hat. Wirtschaftlich habe sich der Landkreis unter anderem durch sein Engagement gut entwickelt. Weiter sagt sie: „Außer Frage steht aber auch, dass Jakob Kreidl Fehler gemacht hat. An dieser Stelle helfen nur Transparenz und Aufklärung, die niemand anderes als er selbst herstellen kann und muss.“ Zwischen den Zeilen ist Resignation herauszulesen. Dies deckt sich mit Aussagen, wonach Aigner schon vor Wochen vergeblich versucht haben soll, Kreidl vom Verzicht auf eine Kandidatur zu überzeugen. Jetzt, da die Bewerbungsfrist abgelaufen ist und die CSU keinen Ersatzkandidaten mehr benennen kann, ist ihr wie auch den anderen in der Partei an Schadensbegrenzung gelegen. Mittlerweile geht es auch um den Ruf des Landkreises. „Die ewige Landrats-Posse von Miesbach“, titelte am Wochenende beispielsweise die in Berlin erscheinende Die Welt.

Von Stephen Hank

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