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Alle Mann in Deckung: In der Hocke kriechen die Feuerwehrmänner im Brandschutzcontainer an die Flammen heran. Ihr Trainer Florian Weis (in Gelb) gibt ihnen lebenswichtige Anweisungen.

Feuerwehr trainiert im Brandcontainer

20 Minuten in der Flammenhölle

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Miesbach - Es sieht aus wie ein Zimmerbrand – und es fühlt sich auch so an. Bei bis zu 600 Grad Hitze und dichtem Rauch üben die Atemschutzträger der Landkreisfeuerwehren im Brandcontainer in Miesbach.

Auf Knien rutschen die acht Feuerwehrmänner an die Flammenhölle heran. Nicht die 20 Kilogramm schwere Atemschutzausrüstung drückt sie zu Boden, sondern die brutale Hitze. „Gleich ist es soweit“, brüllt Trainer Florian Weis von der Werksfeuerwehr ZF Friedrichshafen in Schweinfurth gegen das Prasseln des Feuers an. Durch die luftdichte Maske klingt seine Stimme, als hätte er ein Kissen auf dem Gesicht. Dann geht alles ganz schnell. Der Rauch an der Decke wird immer dunkler und dichter – und plötzlich sind die Flammen überall. „Jetzt zündet’s durch“, sagt Thomas Gegenfurtner, Kreisbrandmeister Atemschutz. Er steht vor dem Container und zielt mit einem Thermografiemessgerät auf den Brandherd. 300 Grad zeigt das Display an. „Ganz hinten sind’s 600“, sagt er. Wie bei einem echten Zimmerbrand.

Das ist auch der Zweck der Übung. Eine Woche lang macht der Brandübungscontainer des Landesfeuerwehrverbands in Miesbach Station. Insgesamt 64 Atemschutzträger aus dem Landkreis nehmen an dem Training teil. Zweimal täglich geht über dem THW-Parkplatz im Gewerbegebiet der Rauch auf. Am Feuerwehrhaus in der Innenstadt wäre das zu gefährlich gewesen. „Wir brauchen eigentlich 500 Meter Abstand zum nächsten Wohnhaus“, erklärt Gegenfurtner. Der dunkle Qualm, der hinter ihm aus den Ritzen des roten Stahlcontainers dringt, zeigt eindrucksvoll, warum.

Total geschafft: Florian Fischl aus Kreuth (vorne) und seine Kameraden beim Ausziehen der Schutzkleidung.

Eine Viertelstunde vor Beginn der Übung ist die Flammenhölle nichts weiter als ein leerer, dunkler Kasten. Nur die rußgeschwärzten Wände und der penetrante Brandgeruch deuten ansatzweise daraufhin, was die Feuerwehrler hier später erwartet. Ganz hinten steht ein mit Sperrholz gefüllter Eisenkorb – der Brandherd. In einer Wohnung wäre das zum Beispiel ein kaputter Fernseher oder eine Pfanne, die zu lange auf dem Herd gestanden ist, erklärt Gegenfurtner. Holzplatten, die mit Stahlketten an den Wänden fixiert sind, sollen eine Schrankwand simulieren. Noch ist es für Laien kaum vorstellbar, wie dieses bisschen Holz eine ohne Schutz tödliche Hitze entwickeln soll.

Florian Fischl hat zumindest eine theoretische Ahnung davon. Der 19-jährige Kreuther ist seit vier Jahren bei der Feuerwehr. Einen richtigen Brand hat der Atemschutzträger bislang noch nicht mitgemacht. „Nur Trockenübungen“, sagt er, während er ihm sein Kollege den Rucksack mit den Sauerstoffflaschen auf den Rücken hievt. Dann stöpseln sich die Männer gegenseitig das Mundstück an die Maske – und auf geht’s zum Tauchgang im Flammenmeer.

Es braucht ein paar Anläufe mit dem Gasbrenner, bis sich das Sperrholz richtig entzündet hat. Ein Feuerwehrler schließt die Containertür. Als sie wieder aufgeht, schlägt den Zuschauern die Hitze wie eine brennende Wand ins Gesicht. Jetzt zeigt sich, was Gegenfurtner als „die drei Schichten“ bezeichnet. Unten – also da, wo die Feuerwehrler kauern – ist es vergleichsweise kühl, die Sicht klar. Hier saugen die Flammen neue Nahrung in Form von Sauerstoff an. Etwa einen halben Meter weiter oben liegt die „neutrale Zone“. Ab hier wird der Rauch mit jedem Zentimeter dichter, die Temperatur steigt sprunghaft an. Unter der Decke ist es so unvorstellbar heiß, dass sich die Rauchpartikel von selbst entzünden können. Das ist es, was die Atemschutzträger am meisten fürchten.

Zurück aus der Hölle: Nach dem Ablöschen des Brandherds stapft die Truppe zurück ans Tageslicht.

Abwechselnd ruft sie ihr Trainer nach vorne. Dann geht’s ans Löschen. „Links, rechts, Mitte“, schreit Weis. Es rauscht dreimal. Wolken aus Wasserdampf schießen Richtung Tür. „Merkt Ihr was?“, ruft Weis. Die Reaktion der Truppe lässt nur eine Antwort erkennen: ja. Die Männer wenden sich ab, ducken sich noch mehr. Anders als die Hitzestrahlung schafft es der Wasserdampf durch ihre Anzüge. „Das kann richtig unangenehm werden“, erklärt Gegenfurtner in sicherer Entfernung.

Nach zwanzig Minuten stapfen seine Männer aus dem Container. Die Regentropfen vom Himmel vermischen sich mit den Schweißtropfen auf ihren Gesichtern. Auch Fischls grünes T-Shirt ist nass. „Das Ausziehen war am Schlimmsten“, meint der 19-Jährige lässig. Spätestens jetzt ist für seinen ersten echten Löscheinsatz gerüstet.

sg

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