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Verkleben, reinigen, vergolden: Die tägliche Arbeit von Bettina von Boch-Galhau ist vielfältig. Auf dem Tisch in ihrem Atelier restauriert sie derzeit ein Stück aus dem Miesbacher Museum. 

„Man macht nur ganz selten zwei Mal das Gleiche“

Mit Malerbürste und Stirnlupe: Über eine Meisterin der Kirchenmalerei

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Bettina von Boch braucht in ihrem Beruf nicht nur Fingerspitzengefühl, sondern auch Bewegungsfreude, Kraft und Geduld. Die Kirchenmalerin aus Miesbach gibt einen Einblick in ein seltenes Handwerk.

Miesbach – Mal steht Bettina von Boch auf einem Baugerüst an einer Fassade, mal ist sie in Kirchenräumen zugange und oft arbeitet sie auch in ihrem eigenen Atelier in Miesbach. Ihre Arbeit ist vielfältig und abwechslungsreich, sagt die 47-Jährige – und genau das liebt sie an ihrem Beruf. „Man macht nur ganz selten zwei Mal das Gleiche“, sagt sie. „Das ist das, was ich so mag.“ Von Boch ist Kirchenmalerin.

Auch wenn es die Berufsbezeichnung vermuten lässt, bedeutet das nicht, dass von Boch nur in Kirchen zu tun hat. Zu den Aufgaben der Künstlerin gehören unter anderem Rekonstruktionsmalereien, freie Pinselschriften, Illusionsmalereien und Vergoldungen – um nur einen Teil ihrer Arbeiten aufzuzählen. Ganze Wandflächen bearbeitet sie mit der großen Malerbürste, für kleine, filigrane Arbeiten braucht sie aber auch schon mal die Stirnlupe.

Viele Aufträge erledigt die 47-Jährige zuhause in Miesbach in ihrem lichtdurchfluteten Atelier im Dachgeschoss eines umgebauten Bauernhofs. „Manches kann ich mit in die Werkstatt nehmen“, erklärt sie. „Andere Objekte, bei denen ein Transport nicht riskiert werden kann, bearbeite ich vor Ort.“ Die Kunstwerke sind häufig so an ihr Klima gewöhnt, dass eine andere Umgebung schädlich wäre.

Auch das Thema Licht spielt bei den Arbeiten der Künstlerin eine Rolle. Ihre Aufgabe: zu restaurierende Werke wieder an ihre Umgebung anpassen und ein stimmiges Gesamtbild schaffen. Dazu kommt es auch vor, dass Oberflächen künstlich oxidiert werden, um so in gewisser Weise Alterungsprozesse nachzustellen oder zu ergänzen.

Simuliert werden in ihren Arbeiten auch oft Schnitzereien. In der im Fachjargon Illusionsmalerei genannten Technik spielt von Boch so mit Licht und Schatten, dass es im Auge des Betrachters kaum einen Unterschied gibt. „Man malt so, dass es plastisch aussieht“, erklärt die Miesbacherin. Mit einem Gravierhaken kann die Künstlerin die Illusion aber auch genauso Wirklichkeit werden lassen.

Die 47-Jährige hat auch häufig im Freien zu tun. Etwa dann, wenn sie Fassaden verschönert oder künstlerisch restauriert. „Dann kann es auch körperlich anstrengend werden, wenn man über Kopf auf einem Gerüst arbeitet“, erzählt sie.

So unterschiedlich ihre Arbeiten sind, so unterschiedlich ist auch der zeitliche Aufwand. Der kann ein paar Stunden sein, etwa bei der Restauration eines Bilderrahmens, größere Aufträge können aber auch mal bis zu einem Dreivierteljahr beanspruchen. Ebenso verschieden sind ihre Auftraggeber. Aufträge in Kirchen sind in der Regel ausgeschrieben. Sie arbeite aber auch für Museen oder Privatpersonen.

Außer den Rohstoffen, die es seit jeher gibt, mischt von Boch alle Materialien selbst an, auch die Farben. „Es wird auch mit den gleichen Techniken gearbeitet, die es früher schon gab“, sagt sie. Trotzdem ist die Kirchenmalerin froh, dass sich ihr Beruf weiterentwickelt hat ins Moderne. Beispielsweise hatte sie schon Aufträge, Tischkarten für eine Hochzeit zu beschriften, in einem Haus die Küchenzeile zu gestalten oder einen Stammbaum an der Innenwand eines Wohnhauses zu malen.

Seit 2004 ist die 47-Jährige selbstständig. Nach der Fachoberschule wollte die Miesbacherin etwas Handwerkliches machen. „Und ich hab auch schon immer gemalt“, erzählt sie. Irgendwann hat sie vom Beruf des Kirchenmalers erfahren. „Da wusste ich, das ist das Richtige für mich“, sagt von Boch. Im vergangenen Jahr hat sie die Meisterschule beendet.

Dass ihre Arbeit zu den besten Deutschlands gehört, zeigt nicht nur, dass sie den Meisterpreis erhalten hat, sondern vor Kurzem auch erst ein Stipendium – eines von zehn in der ganzen Bundesrepublik – für eine Fortbildung zum Restaurator im Handwerk. Denn genug vom Lernen hat sie noch lange nicht, wie sie selbst sagt.

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tas

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