Uwe Schulze-Clewing, Geschäftsführer des Bayerischen Hofs Miesbach, vor dem neuen Boardinghouse im Miesbacher Gewerbegebiet Nord.
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Zufriedener Gastgeber: Uwe Schulze-Clewing, Geschäftsführer des Bayerischen Hofs Miesbach, vor dem neuen Boardinghouse im Miesbacher Gewerbegebiet Nord.

Ausnahme in Corona-Verordnung

Mitten im Lockdown: Bayerischer Hof empfängt erste Gäste im neuen Boardinghouse in Miesbach

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Der Tourismus ist durch den neuerlichen Lockdown eingefroren. Doch der Bayerische Hof in Miesbach darf dennoch Gäste empfangen: im neuen Boardinghouse.

Miesbach – Am Montag, 2. November, hieß es: Kofferpacken und ab nach Hause. Die Light-Version des Corona-Lockdowns hat die Tourismusbranche im Landkreis hart getroffen. Wie schon im Frühjahr wurden Buchungen storniert, die Hotelbetten bleiben leer. Die meisten Häuser sperrten deshalb wieder zu. Exakt das Gegenteil passierte im Miesbacher Gewerbegebiet Nord. Dort hat der Bayerische Hof Anfang November nach zweijähriger Bauzeit sein neues Boardinghouse „Leo Apartments“ eröffnet.

Die ersten Gäste sind schon da, berichtet Geschäftsführer Uwe Schulze-Clewing. Gleich am 1. November seien vier Personen angereist, mittlerweile seien zwölf der 32 Wohneinheiten besetzt – mitten im Lockdown-Monat. Möglich macht’s eine Ausnahme in den aktuell geltenden Regeln: Geschäftsreisen bleiben weiterhin erlaubt. Es gibt jedoch eine gravierende Einschränkung: Die Küche im Hotel muss kalt bleiben. „Wir dürfen den Gästen keinerlei Essen bereitstellen“, sagt Schulze-Clewing. In der Praxis ein großes Problem. „Wenn jemand nach 20 Uhr ankommt, kann er nicht mal mehr im Supermarkt einkaufen gehen.“ Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Bayern sei diesbezüglich aber bereits im Gespräch mit der Politik.

Dank Digitalisierung: Boardinghouse arbeitet kontaktlos

Im Leo ist die Verpflegung von Haus aus Sache der Gäste. Die haben dafür aber auch eine vollausgestattete Kitchenette zur Verfügung. Nicht nur dies passt gut in die Corona-Zeit. Auch in Sachen kontaktloser Service ist das Apartmenthaus ganz vorn dabei. „Buchung, Check-in und Check-out erfolgen komplett online, als Zimmerschlüssel dient das Smartphone“, erklärt der Geschäftsführer. Die Wohneinheiten mit Größen von 24 bis 41 Quadratmeter bestehen wie das gesamte Gebäude aus umweltfreundlichen Materialien. Bis auf das Fundament ist fast alles aus Holz gefertigt. Für Wärme sorgt ein Hochleistungs-Pellets-Ofen, für Strom eine Solaranlage. Eine wöchentliche Reinigung ist inklusive. Gegen Aufpreis können Zwischenreinigung, Wäschewechsel und -Reinigungsservice, Waschmaschine, Trockner oder auch ein Tiefgaragenstellplatz hinzugebucht werden.

Als Boardinghouse mit „Serviced Apartments“ stelle das Leo eine Alternative zu Hotel und Ferienwohnung dar, erklärt Schulze-Clewing. Gerade weil das Haus kein „klassisches“ Hotel sei und daher alle Hygienevorgaben problemlos erfülle, erwartet der Geschäftsführer bereits 2021 eine Auslastung von rund 50 Prozent. Auch, weil sich das Leo vor allem an Langzeitgäste wie Mitarbeiter der umliegenden Firmen richte.

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Wann das auch wieder für den Bayerischen Hof gilt, steht derzeit in den Sternen. Anfang November habe man die letzten Geschäftsreisenden ins Leo umquartiert, seitdem ist das Hotel dicht. Kein Wunder, fällt doch das eigentliche Hauptgeschäft wegen ausgefallener Tagungen, Konferenzen, Hochzeits- oder Weihnachtsfeiern coronabedingt vollständig weg. Nur dank des großen Entgegenkommens der Eigentümer Alois Apfelböck und Christian Epp, die alleine in das Leo rund 6,5 Millionen Euro investiert haben, könne man trotz der enormen finanziellen Einbußen überleben, macht Schulze-Clewing klar.

Die von der Politik versprochene Soforthilfe sei noch nicht in Sicht. „Es gibt nicht mal ein Antragsformular“, sagt der Geschäftsführer und schüttelt den Kopf. Umso wichtiger sei, dass der Bayerische Hof mit dem Leo nun ein zweites Standbein habe. „Und das“, meint Schulze-Clewing, „trifft unbewusst voll den Zeitgeist.“

sg

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