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Mitten in Miesbach: Im Zeitschriftenladen der Lindners gibt es mehr als 2500 Titel

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Von: Sebastian Grauvogl

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Lieben das Blättern: Rosemarie und Heinz Lindner aus Miesbach vor ihren penibel genau sortierten Zeitschriftenregalen. Mehr als 2500 Titel haben sie im Angebot.
Lieben das Blättern: Rosemarie und Heinz Lindner aus Miesbach vor ihren penibel genau sortierten Zeitschriftenregalen. Mehr als 2500 Titel haben sie im Angebot. © Thomas Plettenberg

Vom Klatschblatt bis zum Fachmagazin: Es gibt kaum ein Thema, zu dem Heinz und Rosemarie Lindner aus Miesbach keine passende Zeitschrift haben. Seit 40 Jahren betreiben sie hier ihren Laden.

Miesbach – Frauenzeitschriften in der obersten Reihe? Nicht mit Rosemarie (73) und Heinz (75) Lindner. Da würden manche ihrer Kundinnen ja nicht mal auf Zehenspitzen hinkommen. Und so wehren sich die beiden Inhaber des Schreibwarenladens am Miesbacher Stadtplatz seit 40 Jahren charmant gegen die Vorgaben des Grossisten (Großhändlers), wie sie ihre Blätter im Regal zu sortieren haben. Sie verlassen sich lieber auf ihre Erfahrung – und auf gesunden Menschenverstand.

Die Gartenzeitschriften liegen beispielsweise ganz unten. „Beim Garteln muss man sich ja auch bücken“, erklärt Rosemarie Lindner. Strecken muss sich hingegen, wer sich an Aktfotos im Playboy erfreuen will. Damit neugierige Jugendliche gar nicht erst in Versuchung kommen. Die richtig heißen Blätter hingegen verstecken sich hinter einem blauen Vorhang im Vorraum zum Lager. Der Gesetzgeber will es so. „Auch wenn man heute im Fernsehen und Internet noch viel wildere Sachen zu sehen kriegt“, seufzt Rosemarie Lindner. Und beim Anschauen obendrein noch anonym bleibe. Die Folge: eher rückläufige Verkaufszahlen der einschlägigen Magazine.

Zahl der Titel ist stetig gewachsen

In den oft prophezeiten Niedergang der Printpresse können die Lindners jedoch nicht einstimmen. Gerade im Magazinbereich sei die Nachfrage nach wie vor hoch. Seit das Ehepaar vor 50 Jahren im Miesbacher Bahnhofskiosk in den Handel mit der Printpresse eingestiegen ist, hat sich die Zahl der Titel stetig vergrößert. Waren es 1998 noch rund 1000, sind es heute 2500. Was nicht in einem der insgesamt 56 Meter langen Regalböden liegt, wird auf Wunsch bestellt.

Die Interessen folgen dabei gesellschaftlichen Trends. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie würden vor allem Wander-, Rad- und Campingmagazine boomen, erklärt Heinz Lindner. So sehr, dass sie im Laden am Stadtplatz sogar einen eigenen Präsentationsständer bekommen haben. Auch vermeintliche Spartenthemen wie Darts oder Oldtimer – vom Traktor bis zum Feuerwehrauto – werden in allen Facetten bedient. Nicht mehr so in Mode seien Computer(spiel)-Zeitschriften, vor allem jene mit beigelegter DVD. Da laufe heute vieles über Downloads, weiß der 75-Jährige.

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Einige Klassiker hingegen haben sich dafür über Jahrzehnte behauptet. Ob Comics wie die Lustigen Taschenbücher oder Heftromane wie Perry Rhodan: Für letztere komme immer ein Kunde aus Rottach-Egern in ihren Laden nach Miesbach, berichtet Rosemarie Lindner. „Woanders kriegt er die nicht.“ Überhaupt müsse man schon nach München fahren, um eine ähnliche Bandbreite an Zeitschriften und Magazinen zu finden, sagen die Lindners nicht ohne Stolz.

Einfacher geworden sei das Geschäft nämlich nicht. Ob Lieferschwierigkeiten oder steigende Papierpreise: All das spüre man auch im Ladenalltag. „Wir müssen alles noch genauer nachprüfen“, sagt Heinz Lindner. So leisten die Lindners grundsätzlich Vorkasse, wenn sie beim Großhändler einkaufen. Das, was liegen bleibt, müssen sie wieder zurückschicken, um nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben. Und dabei geht’s nicht nur um TV-Zeitschriften oder Boulevard-Blätter für 99 Cent, sondern auch um Sonderausgaben oder Autokataloge für bis zu 25 Euro.

90 Prozent sind Stammkunden

So vielfältig wie das Angebot sind auch die Kunden der Lindners. Vom Geolino-Mini-Entdecker im Alter von fünf Jahren bis zum Kreuzworträtsel-Fuchs über 80 ist alles vertreten. 90 Prozent seien Stammkunden, betont Rosemarie Lindner. Viele davon würden auch wegen der Tabakprodukte und zum Lottospielen in den Laden kommen. „Die haben uns auch im Lockdown die Treue gehalten.“ Und da macht es der 73-Jährigen auch nichts aus, wenn mal einer ein bisschen länger durch die Hefte blättert. Nur zwei Dinge sind ihr wichtig: „Nichts verknittern und sauber wieder ins Regal einordnen.“

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Nicht mehr dort vertreten ist übrigens ein großer Titel aus den USA: Vanity Fair. Das Gesellschaftsmagazin hatte 2007 zum Sprung über den großen Teich angesetzt, auch bei den Lindners war es gelandet. Doch der Hochglanz war schnell verblasst, 2009 kam schon das Aus. Die deutsche Konkurrenz wie der Stern war zu groß. Eine Erinnerung hat sich Heinz Lindner trotzdem aufbewahrt. Ein gerahmtes Cover mit ihm selbst als Titelbild. „Das habe ich damals zur Markteinführung geschenkt bekommen“, erzählt Lindner und fügt schmunzelnd hinzu: „Den Absatz steigern konnte ich damit aber auch nicht.“

sg

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