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Tourismus und Natur bestmöglich verknüpfen, ist das Ziel von Thorsten Schär und den weiteren Mitwirkenden an der Modellregion Naturtourismus

Interview mit Thorsten Schär von der ATS

So geht‘s mit der Modellregion Naturtourismus im Landkreis weiter

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Der Landkreis Miesbach gewinnt den Wettbewerb des Bayerischen Umweltministeriums und ist nun Modellregion Naturtourismus. Thorsten Schär von der ATS erklärt was das eigentlich bedeutet.

Landkreis – Das Wählzeichen ertönt, Thorsten Schär (36), Geschäftsführer der Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS), hebt ab. Durch unseren Anruf erfährt er die Nachricht: Der Landkreis ist ab sofort Modellregion Naturtourismus. Unter 15 Bewerbern hat sich die Jury für das Konzept des Landkreises entschieden. Nachdem die erste Euphorie abgeebbt ist, erklärt Schär, wohin es mit der Modellregion gehen soll.

Glückwunsch, Herr Schär! Sind Sie überrascht?

Schär: Wir haben natürlich darauf gehofft, dass unsere Bewerbung überzeugt. Wenn ich aber ehrlich bin, habe ich nicht erwartet, dass wir uns durchsetzen. Ich habe mich bayernweit umgehört und mit etwa 50 Bewerbern gerechnet. Aber der Gewinn beim Wettbewerb zeigt, dass wir mit unseren Ideen auf dem richtigen Weg sind.

Das Konzept scheint überzeugt zu haben. Erklären Sie doch noch mal, was genau drin steht.

Schär: Wir haben hier schon Naturtourismus. Die Gäste, die in den Landkreis kommen, suchen Erholung in der Natur – in sportlicher Hinsicht, aber sie möchten auch Sehenswürdigkeiten besichtigen. Ihnen kommt es aber nicht auf spektakuläre Abenteuer an. In unserem Konzept geht es darum, die Gäste zu lenken und das Angebot zu optimieren.

Gibt es da schon konkrete Ansätze?

Schär: Wir haben in dem Konzept einzelne Maßnahmen beschrieben, die wir nun ausarbeiten müssen. Ein Maßnahmenblock wird sich um die Umsetzung von verschiedenen Lenkungsmaßnahmen sowie die Beobachtung und Erfassung der Besucher drehen. Dazu wollen wir zum Beispiel automatisierte Zählstationen anschaffen, die erfassen, wie unsere Gäste unterwegs sind, wo und wie oft. Das ist kein Eingriff in die Natur. Die Zählstation einzugraben, erfordert lediglich eine kleine Baumaßnahme.

Wie kann die Station die Besucher erfassen?

Schär: Das funktioniert über das Gewicht und die Geschwindigkeit. Die Zählstation erkennt dadurch, ob es sich um einen Wanderer, einen Radfahrer oder einen Reiter handelt. Das könnte uns helfen, Themen nicht mehr so emotional zu diskutieren.

Denken Sie da an einen bestimmten Fall?

Schär: Ich erinnere mich an die Aufklärungsaktion im vergangenen Sommer, als das Landratsamt an der Rotwand die Mountainbiker kontrolliert hat. Das war richtig und wichtig. Aber eben auch emotional. Denn konkrete Zahlen hatten wir nicht. Mit einer Zählstation können wir feststellen, wie viele Radfahrer den Zuweg nach oben nutzen, und wie viele ihn wieder herunter fahren. Wenn beispielsweise hundert am Tag auf dem Weg nach oben gemessen werden, aber nur zehn auf dem Rückweg, müssen die anderen 90 ja woanders entlang gefahren sein.

Was wäre dann der zweite Maßnahmenblock?

Schär: Dabei geht es um die Schulung und Aufklärung von wichtigen Multiplikatoren, zum Beispiel von auswärtigen Veranstaltern. Wir wollen ihnen bewusst machen, wie unserer Ansicht nach Naturtourismus aussehen soll. Die meisten Anbieter, die hier beheimatet sind, wissen das sowieso. Die Veranstalter, die von außen kommen, haben hier einen anderen Zugang. Das wollen wir ändern. Gespräche mit den zahlreichen Anbietern von Naturerlebnisangeboten vor Ort stehen im dritten Block an.

Was ist dabei das Ziel?

Schär: Mit den Gäste-, Berg- oder Wanderführern wollen wir Optimierungsmöglichkeiten der Naturerlebnisangebote erarbeiten. Gemeinsam wollen wir das Angebot noch attraktiver und erlebbarer machen. Beispielsweise haben gerade zehn Führer in der Region eine Almführerausbildung abgeschlossen. Sie sollen den Touristen zeigen, wie man sich auf einer Alm verhält. Sie wissen aber auch über die Geschichte und die Region gut Bescheid.

Wie geht’s denn nun weiter?

Schär: Bis zur Preisverleihung besprechen wir – das heißt die Standortmarketing Gesellschaft (SMG) Miesbach, das Landratsamt und wir –, wie wir vorgehen. Projektstart ist am 1. September. Bis dahin wollen wir die Weichen stellen und schon die ersten Termine ansetzen. Jetzt wird aber erst einmal eine Flasche Sekt aufgemacht.

Der Überblick über den Wettbewerb zu Naturtourismus-Modellregion

Neben dem Landkreis Kelheim und dem Oberpfälzer Wald hat sich der Landkreis Miesbach unter 15 Bewerbern durchgesetzt. Umweltministerin Ulrike Scharf und Wirtschafts- und Tourismusministerin Ilse Aigner hatten den Wettbewerb ausgerufen. Das Bayerische Umweltministerium fördert die drei Wettbewerbssieger jeweils mit bis zu 70 000 Euro. Im Landkreis wird der Kreistag weitere 30 000 Euro beisteuern, das war die Voraussetzung für die Teilnahme. 

Aigner sagt in einer Pressemitteilung des Ministeriums: „Es ist gut, dass der Landkreis beim Naturtourismus auf eine breite Kooperation aller Akteure vor Ort setzt.“ Nur so könnten die verschiedenen Interessen von Naturschutz, Freizeitnutzung, der örtlich Ansässigen, der Land- und Forstwirte und der Tourismusbetriebe auf lange Sicht unter einen Hut gebracht werden. 

Die drei Sieger werden am 5. Juli auf Schloss Fürstenried in München ausgezeichnet. Wirtschaftsministerin Aigner hofft auf nachhaltige Auswirkungen der Modellregionen: „Ich bin sicher, dass auch andere Regionen von den Erkenntnissen und Erfahrungen aus dem Projekt profitieren werden.“ Weitere Infos zum Wettbewerb gibt es unter www.natururlaub.bayern.de.

nip

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