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Laura Schmidt aus Miesbach begleitet vier Monate lang die Mosaic-Expedition in der Arktis, bei der Wissenschaftler die Auswirkungen des Klimawandels erforschen.

Mosaic-Expedition erforscht den Klimawandel

Miesbacherin zieht für vier Monate ins Packeis

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Vier Monate auf einem Schiff. Gefangen im Packeis der Arktis. Gemeinsam mit Wissenschaftlern aus 19 Nationen. Auf Laura Schmidt aus Miesbach wartet ein besonderes Abenteuer. Ab April ist sie Teil der Polar-Expedition Mosaic, um mitzuhelfen, den Klimawandel zu erforschen – menschliche Extremsituationen inklusive.

Es ist die größte Polarexpedition in der Geschichte der Menschheit. Und Laura Schmidt ist ein Teil davon. Seit September 2019 driftet der deutsche Forschungseisbrecher „Polarstern“ eingefroren durch das Nordpolarmeer. Im April stößt die 33-jährige Geografin und Glaziologin, die seit 2016 im Landkreis und seit Kurzem in Miesbach lebt, nach Norwegen, um sich vorzubereiten auf die Untersuchungen in der Arktis.

„Ich bin ziemlich aufgeregt, denn ich weiß nicht, was mich erwarten wird“, sagt Schmidt. Vor allem nicht, mit welchen Leuten sie zusammenarbeiten soll und mit wem sie sich ihre Zwei-Bett-Kabine teilen wird. Dennoch ist sie zuversichtlich: „In diesem internationalen Projekt will und muss man sich verstehen.“ Auf jeden Fall sei sie dankbar, die sehr hohe Hürde des Auswahlverfahrens gemeistert zu haben – „dass ich Teil dieses Projekts sein darf“.

Die Polardrift der „Polarstern“ - die größte Expedition in der Geschichte

Die Mosaic-Expedition im Überblick.

Es ist der Klimawandel, den die Gemeinschaft aus 19 Nationen – bestehend aus Deutschland, Belgien, China, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Japan, Kanada, Korea, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Russland, Schweden, Schweiz, Spanien und USA – erforschen will. 500 Personen nehmen im Wechsel daran teil. 140 Millionen Euro kostet dieses eine Jahr im Eis. Gut zehn Jahre dauerte die Vorbereitung dieser Mission.

Im September 2019 ging es los. Von Tromsø, Norwegen, aus stach die „Polarstern“ in See, um bis etwa September 2020 durch den arktischen Ozean zu driften – eingeschlossen im Eis. Mosaic heißt die internationale Mission – dieses Wort ist die Kurzform für „Multidisciplinary drifting Observatory for the Study of Arctic Climate“, also multidisziplinäre Drift-Observation zur Erforschung des Klimas in der Arktis.

Schmidt hat sich für die Teilnahme vor einem Jahr beim deutschen Alfred-Wegener-Institut beworben – und wurde ausgewählt. Qualifikation bringt die 33-Jährige nicht nur als studierte Geografin und Glaziologin mit, sondern auch durch bisherige Projekte. Mehrfach war sie als Tourleiterin seit 2011 bereits in Ostgrönland – jene Gegend, deren Bewohner erst vor 125 Jahren entdeckt und zivilisiert wurden. Sie kennt die größte Insel der Welt, die zu Dänemark gehört – ihre Menschen, die Natur.

Als Eisbärenwächterin schützt sie Wissenschaftler

Rund um die „Polarstern“ wird sie deshalb nicht als Wissenschaftlerin arbeiten. „Ich gehöre zur Abteilung Security & Logistics.“ Sicherheit und Logistik, das heißt: bei Forschungsarbeiten helfen, Geräte warten – und vor allem aufpassen. Denn geforscht wird mitten im Lebensraum des Eisbären. „Man muss die Gegend kontrollieren, im Auge behalten und sichern. Bei Gefahr wird alles abgebaut und zurück aufs Schiff gebracht.“ Ein Gewehr gehört zu ihrer Ausrüstung, Schießtraining ist fester Bestand der Vorbereitung – auf der Waffe, die sie später auch tragen wird. „Das Gewehr“, sagt die Miesbacherin, die diese Aufgabe bereits als Tourleiterin kennt, „ist aber nicht meine wichtigste Waffe, sondern das Fernglas. Damit suche ich die Gegend ab.“

„Der Klimawandel ist spürbar geworden und wird Arktis wie Alpen verändern“

Was bei der Mosaic-Auswahl ebenfalls für Schmidt sprach: Sie ist versiert auf dem Gebiet des Klimawandels. Für den World Wide Fund For Nature (WWF) arbeitet sie als Dozentin im Programm „Klimafit“, das an Volkshochschulen fundierte Vortragsreihen zum Thema anbietet. Auch eine interne Infoveranstaltung am Landratsamt München zum Klimawandel in der Arktis und in den Alpen sowie die daraus entstehenden Folgen für die Alpenregion und den Großraum München leitet sie noch vor ihrem Abflug. „Obwohl beide Regionen weit voneinander entfernt sind, weisen sie einige Parallelen auf“, sagt Schmidt. „Der Klimawandel wird beide spürbar verändern.“ Wie sehr, dazu soll das Mosaic-Projekt auch ihr tiefere Erkenntnisse bringen.

Expedition soll bahnbrechende Erkenntnisse liefern

Denn kaum eine Region hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so stark erwärmt wie die Arktis. Ziel der Expedition – so beschreibt es das Alfred-Wegener-Institut – ist es daher, den Einfluss der Arktis auf das globale Klima besser zu verstehen. Man geht davon aus, dass die Mission ein Meilenstein für die Klimaforschung sein wird – mit Daten, die Bestand über Generationen haben sollen.

Permanentes Licht am Nordpol - Belastung für die Psyche

Das Projekt ist eine noch nie da gewesenen Herausforderung. Eine internationale Flotte von Eisbrechern, Helikoptern und Flugzeugen versorgt das Team auf seiner extremen Route. „Das ist eine absolute Grenzerfahrung“, weiß Schmidt. Denn nicht nur die Umgebung mit Eis, Schnee und Temperaturen um bis zu -25 Grad Celsius im Frühjahr fordert den Teilnehmern alles ab, sondern die gesamte Situation. „Wir sind am Nordpol“, sagt Schmidt. „Das bedeutet – wie zuletzt im Winter – permanente Dunkelheit oder – wie in der nächsten Zeit, wenn ich vor Ort bin – permanente Helligkeit.“ Die Grenze zwischen Tag und Nacht – sie löst sich auf. Und damit der gewohnte Lebensrhythmus. Das hat Folgen. Für den Körper. Für die Psyche. „Es wird ausdrücklich auf die Gefahren hingewiesen“, erzählt die Miesbacherin. Das Dauerlicht mache euphorisch, das ständige Dämmerlicht belaste die Psyche. Dazu die Isolation. „Man sieht nur Weiß.“ Daher wird das Personal auch nach einigen Monaten ausgetauscht.

Lernen für den Klimawandel

Normalität an Bord soll helfen, annähernd normale Strukturen zu erhalten. So wurde auf dem Eisbrecher ganz bewusst Weihnachten gefeiert. Und es wird laut Schmidt Wert darauf gelegt, der Mannschaft ein breites Freizeitangebot zu bieten.

Schwierig werden auch die Lebensumstände: Lauter fremde Menschen. schlafen in einer Zwei-Personen-Kabine. Keine Bezugspersonen. Kein regelmäßiger Kontakt zur Außenwelt. Kaum Privatsphäre. Dennoch – oder besser: gerade deswegen – hat sich Schmidt für diese Herausforderung entschieden: „Ich lerne viel über den Klimawandel, und die Reise wird mich an meine Grenzen bringen. Das reizt mich. Aber dazu muss man seine Komfortzone verlassen.“

ddy

Weitere Infos

zur Expedition gibt es online auf mosaic-expedition.org/ und www.awi.de/im-fokus/mosaic-expedition.html. Laura Schmidts Homepage ist auf www.alparctica.com zu finden.

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