Lösungsorientierter Austausch: Beim ersten Austausch mit (v.l.) ATS-Vorstand Harald Gmeiner, Landrat Olaf von Löwis und ATS-Geschäftsführer Thorsten Schär wurden bereits erste Lösungsansätze genannt.
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Lösungsorientierter Austausch: Beim ersten Austausch mit (v.l.) ATS-Vorstand Harald Gmeiner, Landrat Olaf von Löwis und ATS-Geschäftsführer Thorsten Schär wurden bereits erste Lösungsansätze genannt.

Mountainbike & Co.

Runder Tisch will Erholungstourismus lenken

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Gestern hat der neue Runde Tisch „Mountainbike“ seine Arbeit aufgenommen. Ziel ist es, im Dialog mit beteiligten Behörden, Vereinen, Organisationen und Verbänden ein Lösungskonzept zu entwickeln, wie der Erholungstourismus im Landkreis besser gelenkt werden kann. Und das betrifft nicht nur die Gruppe der Mountainbiker.

Der tätliche Angriff vor einer Woche auf Florian Bossert hat schockiert und wach gerüttelt. Wie berichtet, hatte ein 65-jähriger Mountainbiker den Gebietsbetreuer für das Mangfallgebirge attackiert, als dieser über eine Wegsperrung informierte. Für viele war das ein Signal, dass es so nicht mehr weitergehen kann mit dem Erholungstourismus im Landkreis. Entsprechend groß sind die Hoffnungen, mit denen der Runde Tisch „Mountainbike“ gestern im Saal des Waitzinger Kellers in Miesbach gestartet ist.

„Angriff auf Gebietsbetreuer war ein Einzelfall“

Doch dieser Dialog ist keinesfalls als Reaktion auf den Angriff auf Bossert zu verstehen, betonte Landrat Olaf von Löwis (CSU) eingangs: „Wir hatten den Runden Tisch schon vorher geplant.“ Den Übergriff will er damit nicht in Zusammenhang gebracht wissen, betonte Löwis: „Das war ein Einzelfall.“ Die Probleme mit den immer zahlreicher werdenden Erholsuchenden sind das dagegen nicht.

Dass die Situation im Landkreis nicht mehr optimal für Mountainbiker sei, stellte Harald Gmeiner, Vorstand des Kommunalunternehmens Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS), fest. „Unser Mountainbike-Netz haben wir 2002 ausgeschildert“, berichtete er. „Der Mountainbike-Sport hat sich in den vergangenen Jahren verselbstständigt.“ Gleichzeitig habe man im Landkreis 2019 den Weg zur Modellregion „Naturnaher Tourismus“ eingeschlagen, ergänzte ATS-Geschäftsführer Thorsten Schär. Ziel sei dabei die Lenkung und Optimierung der Besucherströme.

Dass es Mountainbikern heute nicht mehr reicht, dass sie auf den bislang ausgeschilderten Forststraßen fahren dürfen, erklärte Tim Coldewey, bei der ATS zuständig für die „Produktentwicklung Rad und Wandern“: „Wir versuchen, neue Trails zu schaffen, bislang aber ohne Erfolg.“

Zentraler Punkt ist das Internet

Ein zentraler Punkt dabei ist das Internet. Viele Mountainbiker suchen sich ihre Touren im Internet oder in einschlägigen Tourenführern aus. Und dort sind etliche Abschnitte zu finden, die eigentlich gar nicht veröffentlicht werden sollten, weil die Wege schlichtweg gesperrt sind. Für Coldewey ist es deshalb ein vielversprechender Ansatz, solche Strecken über eine Open Street Map herauszunehmen beziehungsweise als nicht befahrbar zu kennzeichnen.

Das gelte auch für den Hotspot Taubenberg im Gemeindegebiet Warngau, wie Schär ergänzte: „Dort gibt es einen großen Wildwuchs an Strecken durch den Wald.“ Der ATS-Ansatz: Für erlaubte Trails im Gegenzug andere Strecken rausnehmen.

Doch dazu braucht es auch Kontrolle und Sanktionen, stellten die Almbauern Brigitta Regauer und Georg von Preysing fest. „Es fehlt an der Kommunikation von Regeln und am mangelnden Vollzug bei Verstößen“, fasste die Fischbachauerin zusammen. Hinzu komme die Anonymität der Radler, die aus Preysings Sicht eine Kennzeichenpflicht lösen würde.

Kleine Gruppe ist nicht zu erreichen

Das Potenzial, Regeln zu ignorieren, ist laut Bossert ziemlich gering. Nach seinen Erfahrungen seien die allermeisten Mountainbiker zugänglich. Lediglich vier Prozent seien nicht erreichbar. Was Josef Faas vom Naturschutz am Landratsamt bestätigte: „Der Prozentsatz ist nach unserer Erfahrung seit Jahren konstant. Das Problem ist nur, dass die Menge der Menschen in der Natur immer größer wird.“

Stefan Niermaier aus Rottach-Egern, der für die Seite der Mountainbiker teilnahm, betonte jedoch, dass es ohne gutes Angebot und vernünftige Beschilderung nicht gehe. „München wird in den nächsten 15 Jahren um 400 000 Einwohner wachsen.“ Es werde Zeit, etwas zu tun, nicht nur zu verbieten. Dies sah auch Gmeiner so: „Wir wollen die Mountainbiker nicht ausschließen.“

Für Christine Miller von der Tegernseer Tal Touristik war es dagegen ein wesentlicher Ansatz zu prüfen, ob und wie man gegen Portale vorgehen kann, die unzulässige Strecken bewerben: „Jeder meint dadurch doch, dass man da fahren darf.“

Dass diese Gruppe nicht das einzige Problem ist, betonte Gerhard Kinshofer. „Wir dürfen auch nicht die Seen vergessen“, mahnte der Kreisvorsitzende des Landesbunds für Vogelschutz. Stand-up-Paddler und sonstige Erholungssuchende würden hier auch reihenweise die Naturschutzregeln ignorieren und auch aggressiv reagieren. „Und wenn man etwas sagt, wird man mit dem Paddel bedroht.“

Für Löwis war das erste Treffen ein Erfolg. Die Beschreibung der Symptome sei zwar vielfach bekannt – neu war für den Landrat aber, wie interessiert alle Seiten seien, zu konstruktiven Lösungen zu kommen, an deren Ende ein gutes Miteinander stehe. „Die Einsichtsbereitschaft hat mich am meisten überrascht.“ Diese „Signale in alle Richtungen“ seien der größte Erfolg des ersten Treffens. Weitere sollen folgen. Dann aber idealerweise in kleinerer Besetzung, appellierte Löwis an die Teilnehmer. Er wolle niemandem das Wort nehmen, jedoch verspreche er sich von einer kleineren Task Force noch mehr Effektivität im Dialog.

ddy

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