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Prominenter Streitfall: Die sogenannte Schuhschachtel in Tegernsee ignorierte regionaltypische Bauformen wie Satteldach und Dachüberstand. Die Gestaltungssatzung soll so etwas verhindern.

Architekten bleiben skeptisch

„Müssen es probieren“: Stadtrat Miesbach beschließt Gestaltungssatzung

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Es ist geschafft: Der Miesbacher Stadtrat hat nach Monaten der Diskussion seine Gestaltungssatzung beschlossen. Kontroversen wird es dennoch geben.

Miesbach – Es ist ein langes Hin und Her, das die Gestaltungssatzung hinter sich hat: Bauausschuss, Stadtrat, zurück in den Bauausschuss und jetzt wieder in den Stadtrat. Diesmal mit Erfolg: Bei fünf Gegenstimmen wurde das Regelwerk angenommen.

Warum eine solche freiwillige Satzung nötig ist, fasste Bauamtsleiter Lutz Breitwieser zusammen: „Der für das Oberland typische Baustil ist nicht durch Gesetz entstanden, sondern durch die Umstände. Es gibt heute andere Materialien und Techniken, während früher Mobilität, Tradition und ökonomische Zwänge Grenzen gesetzt haben.“ Deshalb müsse eine Kommune heute selbst eingreifen, zumal sich der Gesetzgeber zurückgezogen habe. „Wenn eine Kommune Einfluss nehmen will, dann über eine Gestaltungssatzung.“ Auch wenn dies rechtlich schwierig sei. Breitwieser: „Es gibt Risiken und Chancen.“

Wie berichtet, ist es in Miesbach schwierig, wegen der Vielzahl der Stilformen klare und rechtlich robuste Vorgaben zu machen. Deshalb hat man sich nun für eine schlanke Satzung entschieden, die versucht, möglichst allgemein und wenig konkret zu regeln.

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Dass es mit der Satzung keine Probleme mehr gebe, schloss Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) aus: „Die Satzung ist kein Allheilmittel. Es wird immer wieder Ausnahmen geben. Und das eine oder andere wird nicht so gebaut werden, wie wir uns das vorstellen.“ Sie selbst hat Zweifel, ob die Satzung sinnvoll ist. „Ich weiß, ich habe sie lange hinausgezögert“, gab sie zu. Seitens der Architekten habe es keine guten Rückmeldungen gegeben. „Aber wir müssen es probieren. Ich bin da jetzt komplett ohne Emotionen.“

Markus Seemüller (FW) lehnte dagegen die Satzung ab. „Das ist schon irrational. Wir wollen etwas mit rechtlichen Vorgaben schützen, das ohne rechtliche Vorgaben entstanden ist“, erklärte er. „Was wir hier diskutieren, kann ich nicht verstehen. Wir haben eine schöne Stadt, die durch freie Ideen entstanden ist.“ Ähnlich sah es Dirk Thelemann (CSU): „Man bremst architektonische Neuerungen. Ich bin ein Fan der Tegernseer Schuhschachtel. Es muss ja nicht immer das gleiche sein.“

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Nichtsdestotrotz honoriere er die von der Verwaltung geleistete Arbeit, ergänzte er mit Blick auf seinen Fraktionskollegen und Bauausschussmitglied Franz Mayer, der zuvor gemahnt hatte, die Empfehlung des Fachausschusses zu respektieren: „So manches Gebäude, das der Bauausschuss nicht mag, hat das Landratsamt genehmigt.“ Was auch Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FW) unterstrich: „Wir brauchen Leitlinien, was wir als vernünftige Bauwerke ansehen.“

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