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Erweiterte Krippe oder Museum: Der Miesbacher Museumsverein setzt mit seinem neuen Vorstand weiter auf Dialog. 

Museumsverein Miesbach

Neue Vereinsspitze will Ruhe in Dialog bringen

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Der Museumsverein Miesbach erlebt seinen ersten Führungswechsel. Der neue Mann an der Spitze ist Johannes Schlichting. Etwas moderater im Ton als sein Vorgänger Carl Langheiter, jedoch in der Sache nicht minder überzeugt.

Beim Museumsverein ist immer wieder zu hören, Johannes Schlichting sei ein Glücksfall für den Verein. Vor allem Carl Langheiter, der nach acht Jahren als Vorsitzender des 2010 gegründeten Vereins nicht mehr angetreten war, ist von seinem Nachfolger überzeugt: „Er wird uns weiterbringen.“

Der so Gelobte reagiert darauf zurückhaltend. Der private Musiklehrer ist in mehrfacher Hinsicht ein Gegenentwurf zu seinem Vorgänger. Mit seinen 49 Jahren ist er deutlich jünger als der 76-Jährige. Und während Langheiter von Anfang an zu den treibenden Kräften gehört, ist Schlichting gewissermaßen ein Quereinsteiger.

Aufgewachsen ist der freischaffende Künstler in Miesbach. Zum Kunststudium zog er nach Stuttgart und lebte dort, bis es ihn vor eineinhalb Jahren zurück nach Miesbach zog. „Als Kind habe ich die Sammlung im Archiv des Feuerwehrhauses gesehen“, erzählt Schlichting. „Und ich habe mich immer wieder gefragt, was daraus wohl geworden ist.“ Seit er zurück in der Kreisstadt ist, hat er den aktuellen Stand der Dinge erfahren und unterstützt das Vereinsziel, ein Museum im Kloster einzurichten.

Das Museum, so sagt er, sei ein „Thema ersten Ranges“. Umso mehr habe die Entscheidung des Stadtrats, alternativ eine Nutzung des sanierungsbedürftigen Mittelteils als Erweiterung der Kinderkrippe prüfen zu lassen, im Museumsverein für Enttäuschung gesorgt. „Wir standen sehr, sehr knapp vor der Auflösung“, berichtet Zweiter Vorsitzender Konrad Tradler. „Bei vielen war die erste Reaktion: Dann hören wir halt auf.“ Denn nach dem Grundsatzbeschluss des Stadtrats im Jahr 2013, das Museum im Kloster einzurichten, haben wir gedacht, wir hätten unser Hauptziel erreicht“. Doch schnell war klar, dass das keine Lösung sein könne. „Wir haben über zehn Jahre für dieses Museum unsere Freizeit geopfert – das können wir so nicht aufgeben.“

Auch Schlichting lässt sich von der Machbarkeitsprüfung einer Krippenerweiterung im Kloster nicht beirren. „Die Sache ist dadurch ja nicht gescheitert“, stellt er fest. „Sie kann gar nicht scheitern, weil sie einfach zu wichtig ist – schon allein wegen der Qualität und Bedeutung der Sammlung.“ Zudem liege es in der Natur der Sache, dass kulturelle Dinge nicht die Mehrheit interessieren. „Es ist normal, dass es auch andere Interessen gibt, aber das macht die Sache nicht minder wichtig.“

Schlichting will deshalb Ruhe in den Dialog bringen. „Wir brauchen eine Entspannung und eine Versachlichung“, sagt er. Man wolle dem Projekt Zeit und Ruhe geben, wobei jedoch auch klar sei, dass man nicht mehr allzu viel Zeit habe. „Der Leerstand tut keinem Haus gut.“ Und auch die Sammlung leide, ergänzt Tradler vor allem mit Blick auf die wertvollen Trachtenexponate: „Ein Großteil davon verrottet langsam.“ Hoffnung setzen beide auf Miesbachs diesjähriges Jubiläum 100 Jahre Stadterhebung. Schlichting: „Das ist eine gute Gelegenheit, für das Museum zu werben.“

ddy

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