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Über dem ehemaligen Kloster hängen düstere Wolken. Ob es jemals zum Museum wird, entscheidet die Stadt. Doch die will nicht entscheiden.

Sie führen uns „mit einem Nasenring durch die Arena“

Museumverein Miesbach ist stinksauer auf die Stadtpolitik

Der Frust sitzt tief beim Museumsverein Miesbach. So tief, dass Vorsitzender Carl Langheiter bei der Hauptversammlung diskutieren ließ, ob der Verein sein Engagement zurückfahren soll. 

Miesbach – Die Stadt Miesbach kann sich glücklich schätzen, einen mehr oder minder großen Personenkreis zu haben, für den bürgerschaftliches Engagement nicht nur auf dem Papier steht. Bei der Hauptversammlung des Museumsvereins waren auch die Warmbadfreunde (Vorsitzender Bernhard Heidl), die Bürgerstiftung (Vorsitzende Eva Maier) und die Initiative Marktplatz (Lisa Hilbich) vertreten. Fast unisono sprachen sie von Frustration, Stillstand und Geringschätzung.

Die Wortwahl hätte schärfer kaum ausfallen können. „Man wird persönlich angegriffen, blockiert und boykottiert“, sagte etwa Hilbich. Steffi Nett, Vize-Vorsitzende des Museumsvereins, beklagte, das Rathaus führe die engagierten Bürger „am Nasenring durch die Arena“. Und Bernt Horeth, unter anderem Organisator des Mittelalterfests, berichtete von seiner Wut nach der Februar-Sitzung des Stadtrats: „Ich war richtig sauer und wollte alles hinschmeißen.“

Das Ergebnis dieser Sitzung in Sachen Museum im früheren Kloster – weitere Gutachten, weiteres Prüfen, gefühlter Stillstand – war es auch, das die Frustrationstoleranz der Museums-Unterstützer überstrapazierte. Nett blickte noch etwas weiter zurück: „Alles wurde vom Tisch gefegt. Wir stehen wieder da, wo wir 2010 angefangen haben.“ So manches der rund 140 Mitglieder sieht das offenbar ähnlich, wie Langheiter berichtete: „Viele sagen: Jetzt glangt’s, i mog nimmer.“ Ob der Verein diese Haltung aufnehmen und sich eine Ruhepause gönnen solle, stellte der Vorsitzende in der Sitzung zur Diskussion.

Kommentar: Hört das Alarmsignal!

Harsche Wortwahl und ein paar sachliche Ungenauigkeiten bei der Sitzung des Museumsvereins mag man dem Eifer des Gefechts zuschreiben. Es ist und bleibt aber alarmierend, wenn eine Gruppe von wirklich engagierten Bürgern die Nase voll hat und ernsthaft ein Kürzertreten erwägt. Dies schulterzuckend hinzunehmen, wäre ein fatales Zeichen seitens der Kommunalpolitik und ein Sargnagel für das bürgerliche Engagement in der Kreisstadt.

Ein Kommentar von Daniel Krehl

Ein ernsthaftes Plädoyer, sich zurückzuziehen, kam zwar nicht. Doch die Gelegenheit, mal tüchtig Dampf abzulassen, wurde in den Wortbeiträgen genutzt – siehe oben. Museumsfreunde & Co. wollen derweil nicht zulassen, dass jene Kreise obsiegen, denen sie vorwerfen, die Dinge auszusitzen. Zum Thema Beteiligung an der 100-Jahr-Feier zur Stadterhebung im Jahr 2018 sagte zum Beispiel Peter Rosner: „Das Fest dient ja nicht dem Rathaus, sondern uns – den Miesbachern.“ Andere Projekte wiederum sind schon längst angelaufen und lassen sich vernünftigerweise nicht stoppen. Beispiele: die Vorbereitungen zum Mittelalterlichen Klosterfest, die Bibelausstellung in der Portiunkulakirche auf dem Klostergelände (wir berichteten) oder auch die Vorarbeiten für einen Jahreskalender 2018. Hier inszeniert der Verein ein paar seiner historischen Exponate – zum Beispiel ein dreisitziges Sofa von 1880 – im Stadtbild. „Wir wollen zeigen, was für Geschichten man in einem Museum erzählen kann“, sagte Nett. Auch Horeth, der im Juli mit der Mittelaltergruppe Waldecker zur „Battle of Tewkesbury“ in Miesbachs englischen Partnerlandkreis reist, sagte: „Mia dean scho weida.“

Zwar hatte Langheiter schon früh in der Versammlung gesagt: „Ich bin nach wie vor sehr optimistisch, dass wir ein Museum bekommen.“ Und auch Vize-Bürgermeister Paul Fertl (SPD) beschwor die Museumsfreunde, „sich nicht ins Bockshorn jagen zu lassen“. Doch an dem Eindruck, dass das ehrenamtliche Engagement in Miesbach einen herben Dämpfer erlitten hat, änderte das nichts.

Einen Grund zur Freude gab es doch noch: Völlig überraschend hat der Museumsverein die älteste bekannte Darstellung des Klostergeländes kaufen können (700 Euro). Bislang lag sie nur als Schwarz-Weiß-Repro vor. Niemand in Miesbach wusste, wo das Original abgeblieben war. Durch Zufall hat Carl Langheiter das Ölgemälde aus dem Jahr 1883, nicht wie angenommen 1870, bei einem Antiquitätenhändler in Burghausen entdeckt. Der war in Bozen darauf gestoßen und hatte geglaubt, es zeige die Portiunkulakirche bei Assisi. Langheiter: „Es bekommt einen Ehrenplatz im Museum.“ 

dak

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