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Manches kann man nicht lernen, man muss es haben – und Erich Kogler hat’s. Mit seinem Solo-Musikkabarett eröffnete er die Reihe Keller-Brettl im ausverkauften Gewölbe.

Von Fredl Fesl bis Keith Richards in Miesbach

Musikkabarettist Erich Kogler begeistert im Waitzinger Keller

Das war die Premiere fürs Keller-Brettl: Musikkabarettist Erich Kogler begeisterte im Gewölbe des Waitzinger Kellers die Zuhörer. Das Wort Multitalent beschreibt Kogler gut, darin waren sie sich einig.

Miesbach– Zum ersten Mal ging der Vorhang auf für das neue Format „Keller-Brettl“ im Waitzinger Keller. Veronika Leo hatte es ins Leben gerufen, um vierteljährlich regionalen Künstlern im Gewölbe des Kulturhauses eine Bühne zu bieten. Mit dem Musikkabarettisten Erich Kogler zum Auftakt liegt die Messlatte für die kommenden Ausgaben gleich ziemlich hoch. Rappelvoll war das schmucke Kellergewölbe mit über 100 gut gelaunten Zuschauern, von denen viele Kogler kannten, als sich dieser zu seiner Gitarre gesellte, die mutterseelenallein auf der schlichten Bühne wartete.

Nach seinem „Begrüßungslied“ und dem schönen Song „How did it come?“ hatte sich der Haushamer eingegroovt für seinen ersten großen Textblock, in dem er die heutige Pop-Kultur auf die Schippe nahm: Der „Trend zum Wuisln“ war es, der den 45-Jährigen störte, etwa bei Tim Bendzko oder Xavier Naidoo. Kogler würde eben nicht „dein Badewasser saufen“, weil dann doch beim Schmusen der Geschmack nach Seife stören könnte. Oder die Band Revolverheld: Aus dem faden „Ich lass für dich das Licht an“ machte Kogler die griffigere Version „I sauf für di mei Bier zam“. Oder Robbie Williams, der auf Tour seinen eigenen Physio dabei hat.

Da lobte er sich doch den guten alten Keith Richards, der nach exzessivem Sex, Drugs and Rock’n’Roll bei einer Plattenaufnahme zwei Mal reanimiert werden musste. Kogler nahm die Gelegenheit sogleich beim Schopf, nach einer Parodie des Rolling Stones-Urgesteins seine Version des Klassikers „Dead Flowers“ zum Besten zu geben – in einer hinreißenden, kraftvollen Interpretation.

Kogler ist als studierter Musiker in Formationen wie etwa KlezMotion, mit Roland Hefter sowie bei den Dos Hombres und Ciao Weiß Blau unterwegs und lässt da sein komödiantisches Talent aufblitzen. Der Schritt zu einem eigenen Soloprogramm war also ein durchaus logischer, ebenso wie sein Ausflug in seinen Alltag als Leiter der Musikschule Tegernseer Tal. So würde ein Vormittag dort locker für ein abendfüllendes Programm reichen. Seine Devise: „Je hochgestochener mir jemand daherkommt, desto weiter schalte ich das Niveau runter.“

Kogler brachte englische Texte ebenso authentisch wie bairische. In dem Zyklus „Liebesphasen“ unternahm er einen launigen Streifzug in die verschiedenen Befindlichkeiten in den einzelnen Stadien und betonte, dass beim Kennenlernen und Anbandeln noch alles ziemlich leicht sei. Sehr zart und sensibel transportierte Kogler diese besondere Gefühlslage in dem Lied „Vui zvui Gfui“, bevor im „Köttbullar Blues“ über den lästigen Ausflug ins schwedische Möbelhaus schon die ersten Beziehungswolken aufzogen – aber „wichtig ist ja, dass ma zam was unternehman“. Klar, dass die Probleme immer massiver wurden, bis der wandelbare Künstler in der Phase „Trennung und Verlust“ mit „When your baby leaves you all alone“ einen schwermütigen und innigen Blues hinlegte, der ans Herz ging – nicht jedoch, ohne zuvor die Bluesmusiker parodiert zu haben, affektiert und blöd dreinschauend.

So wogte das launige Programm hin und her zwischen gnadenloser Komik („Weihnachten in den Bergen“), die bisweilen an Fredl Fesl erinnerte, bis zu ernsthaften Liedern in der Tradition großer Singer-Songwriter („Tonight“). Kogler verarbeitete locker und charmant Erlebtes aus Familie, Alltag und Musikerdasein zu einem lässigen Abend voller Humor und toller Gitarrenmusik mit Gesang, den das Publikum sichtlich genoss. Mag das Wort „Multitalent“ auch abgenutzt daherkommen – hier passt es wirklich. Manches kann man einfach nicht lernen, man muss ein Typ sein. Erich Kogler ist einer – und ein guter obendrein. 

Reinhold Schmid

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