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Musikkabarettist Nepo Fitz auf der Bühne des Waitzinger Kellers. Sein neues Solo „Saumensch – Bist du gut oder böse?“ feierte erst in diesem Monat Premiere. 

Musikkabarettist im Waitzinger Keller

Tipp von Nepo Fitz: „Nicht immer so eine blöde Sau sein“

Musikkabarettist Nepo Fitz rast in seinem nagelneuen Programm „Saumensch“ durch allzumenschliche Verhaltensweisen. Im Waitzinger Keller begeisterte er das Publikum -  wenn das auch überschaubar war.

Miesbach– Saugut oder sauböse? In seinem Programm „Saumensch – Bist du gut oder böse?“ lotet Nepo Fitz Menschliches und Allzumenschliches mit Rock und Comedy aus, mal gewollt saublöd und mal richtig saustark. Eine überraschend übersichtliche Schar Enthusiasten verfolgte im Waitzinger Keller, was der Musikkabarettist zu sagen und zu singen hatte, nachdem er sich mit einer halben Stunde Verspätung nach Miesbach durchgestaut hatte.

Auch diese paar Dutzend Gäste forderte der jüngste bühnenpräsente Spross der bayerischen Schauspieler-Dynastie Fitz energiegeladen, locker und erfolgreich zu „Bierzeltstimmung, Mitklatschen wie beim Musikantenstadl, Juchuzen, Trampeln, Pfeifen, Schunkeln oder womöglich Jodeln“ heraus: „Um auf die höchste Stufe der menschlichen Entwicklung zu gelangen: die Sau.“

Was der vielfach preisgekrönte Künstler damit meinte, präsentierte er meist drastisch und ohne sich oder das Publikum zu schonen. Ob Atombomben, Andrea Berg, Facebook oder Terrorismus – „überall lauert das Böse“. Grunzend bewegte er sich wie ein Affe über die Bühne mit Klavier, Gitarre und „Bröselkaffee“-Schraubglas, um die „innerirdischen“ Vortänzer allgemeiner Panikmache vorzuführen.

Damit ging er über zu krudem Philosophieren über den Nutzen und das Empfinden verschiedener Tierarten bis hin zum nervös-hoch gesungenen Lied von der Eintagsfliege mit dem Motto „Carpe Diem“ (Nutze den Tag). Lächelnd und kichernd verfolgte das Publikum die Gedanken des 35-Jährigen über „Zsammfahrn oder Aufessen“ von Tieren und Massentierhaltung contra Bio. In aberwitzigem Tempo und mit großartiger Mimik wechselte Fitz zwischen dem unterschiedlichen Blabla von mäkeligem Vegetarier, zickiger Metzgereikundin, schwärmerischem Fan, betulichem Politiker, leerem Diskussionsschwätzer und später einer niederbayerischen Stammtischrunde. Zwischen den mit viel Körpereinsatz vorgetragenen Texten gab es immer wieder etwas auf die Ohren, „denn Rock muss laut sein“ – aber beeindruckend vorgetragen, mit guter Stimme und hochmusikalischem Klavierspiel.

Einen Höhepunkt lieferte der Comedian mit blonder Perücke, Lederhose und Loferl als vogelwilder Hansi-Hinterseer-Verschnitt. Seine bitterböse Satire auf Internet-Kontaktblogs mit ihrer menschenverachtenden Sprache und platten Sexprotzereien krönte er mit einem lasziven Strip bis auf rote Satin-Unterhose und Doppelripp-Unterhemd. Wieder in seinen Jeans, nahm er die moralinsauren Töne selbst ernannter Menschheitsbeglücker und sensationsgieriges Hinschauen nebst verantwortungslosem Wegschauen aufs Korn.

Weil das ewige Leben die Gefahr birgt, dass „die Deppen in 400 Jahren immer noch da“ sind, war Fitz’ Tipp für das begrenzte Dasein: „Dass man nicht immer so eine blöde Sau ist.“ Nicht nur hierfür erhielt er von seinem kleinen Publikum einen großen Applaus.

Gudula Beyse

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