Musikschule
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Die Gebühren für Musikschüler sollen moderat bleiben.

„Wir haben zwei Musikschulen in Miesbach“

Ungleichbehandlung bei Zuschüssen? Stadtrat diskutiert Musikschul-Förderung

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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So harmonisch ihre Konzerte auch klingen: Im Miesbacher Stadtrat hat die Musikschule Schlierach-Leitzachtal nun für Dissonanzen gesorgt. Wegen der Zuschüsse, die sie bekommt.

Miesbach Während die große Bedeutung der musikalischen Förderung im Gremium außer Frage stand, gingen die Meinungen über die finanzielle Beteiligung daran auseinander. Konkret ging es um die Verlängerung des Ende 2020 auslaufenden Zuschussplans für weitere drei Jahre, erklärte Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU). Bislang habe sich die Stadt mit 150 Euro pro Miesbacher Schüler an den Unterrichtsgebühren beteiligt. Bei derzeit 163 Schülern würde dies jährliche Ausgaben von knapp 24 500 Euro bedeuten, so Braunmiller. Das Geld würde nicht nur helfen, die Gebühren moderat zu halten, sondern sei auch Voraussetzung für staatliche Fördermittel.

Noch bevor die Stadträte in die Diskussion einsteigen konnten, trat Markus Seemüller (FWG) – selbst Musiker – ans Mikrofon. Allerdings nicht, um ein Loblied auf die Musikschule zu singen. Im Gegenteil: Seemüller beantragte, den Zuschuss vorerst auszusetzen. Nicht nur, weil der Verein 2019 einen Überschuss von rund 65 800 Euro durch die zwischenzeitlich unbesetzte Stelle des Musikschulleiters verbucht hatte und die Stadt im Gegenzug mit negativen Auswirkungen der Corona-Krise auf den Haushalt rechnen müsse, sondern vor allem der Gleichbehandlung wegen.

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„Wir haben mit Klangraum noch eine zweite Musikschule in Miesbach“, erinnerte Seemüller. Diese würde als privat geführtes Unternehmen nahezu dieselben Gebühren anbieten – aber eben ohne städtischen Zuschuss. „Ich kenne und mag beide Musikschulen und will daher keine Wettbewerbsverzerrung“, betonte Seemüller. Von Klangraum wisse er, dass man sich aber durchaus hin und wieder benachteiligt fühle. „Diese Ungleichbehandlung tut mir weh.“ Um möglicherweise höhere Unterrichtsgebühren abzufedern, gebe es auch andere Zuschussformen, beispielsweise über das „Starke-Familien-Gesetz“, erinnerte der FWG-Stadtrat.

Die Mehrheit im Stadtrat schlug hingegen andere Töne an. Man dürfe nicht einen privaten Träger mit einem Verein vergleichen, sagte etwa Alfred Mittermaier (CSU). „Sonst mischen wir Äpfel und Birnen.“ Die Kommunen seien mit der Förderung der musikalischen Bildung beauftragt. Sollte man dem nun nicht mehr nachkommen, riskiere man auch den staatlichen Zuschuss. „Damit bestrafen wir die Musikschule doppelt“, warnte Mittermaier.

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Gerade in dieser schweren Zeit sollte man einen Verein weiter unterstützen, fand auch Christian Mittermaier (CSU). Gar als „schäbig“ bezeichnete Inge Jooß (SPD) ein Aussetzen der Zuschüsse. „Der Verein erfüllt einen sozialen Zweck, was normalerweise unsere städtische Aufgabe wäre.“

Eine Meinung, die sich am Ende auch durchsetzte am Ratstisch im Waitzinger Keller. Mit 18:7-Stimmen gaben die Stadträte dem Zuschuss für weitere drei Jahre grünes Licht. Bürgermeister Braunmiller versprach Seemüller aber, auch das Gespräch mit der privaten Musikschule Klangraum zu suchen. Jooß hatte hingegen noch einen Wunsch an die Musikschule Schlierach-Leitzachtal: „Es wäre schön, wenn der Stadtrat wieder zu den tollen Konzerten eingeladen wird.“

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