Der Abenteuerspielplatz am Scheideweg: Ob die Stadt neue Spielgeräte aufstellt oder das Gelände anderweitig genutzt wird, ist derzeit offen.
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Der Abenteuerspielplatz am Scheideweg: Ob die Stadt neue Spielgeräte aufstellt oder das Gelände anderweitig genutzt wird, ist derzeit offen.

Aus Sicherheitsgründen: Stadt baut alle Spielgeräte ab

Muss der Spielplatz am Nordgraben in Miesbach einem neuen Obdachlosenheim weichen?

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Miesbach – Der Spielplatz am Nordgraben in Miesbach ist ein besonderes Reich für Kinder – seit Jahrzehnten. Nicht umsonst heißt er gemeinhin Abenteuerspielplatz. Doch nun ist sein Bestand in Gefahr.

Vor rund 40 Jahren haben engagierte Eltern in Eigenleistung unter dem Dach des Vereins Förderkreis Erholungsgebiete Miesbach einen vielseitigen und spannenden Spielplatz gebaut, der seine Anziehungskraft nie verlor. Das ist nun vorbei, zumindest fürs Erste.

Vor Kurzem hat der Bauhof die Spielgeräte abgebaut und entfernt. Der Grund waren Sicherheitsdefizite, wie Bürgermeister Gerhard Braunmiller mitteilt: „Wir hatten bereits im Mai 2018 eine Inspektion durch die Dekra, bei der massive Sicherheitsmängel zutage getreten sind.“ So seien unter anderem „Halsfangstellen“ (nach oben offene Spalten an Zäunen) und Zersetzungsschäden an Standpfosten festgestellt worden.

Sanierungsprogramm gegen Mängel

Bereits zur Amtszeit seiner Vorgängerin Ingrid Pongratz sei dies ein Thema gewesen. In der Folge habe die Stadt ihr Sanierungsprogramm gestartet, mit dem alle Spielplätze auf den neuesten Stand in Sachen Sicherheit gebracht werden. Jährlich werden dafür rund 100.000 Euro bereitgestellt. Den Abenteuerspielplatz hat man dennoch lange nicht gesperrt, wie der Bürgermeister sagt, „obwohl die Bauhofmitarbeiter stets gewarnt haben“. Nun habe man gehandelt.

Ob im Rahmen dieses Programms auch der Abenteuerspielplatz erneuert wird, ist derzeit jedoch offen. In der Dezember-Sitzung des Stadtrats hatte Paul Fertl (SPD) beim Thema Obdachlosenheim im Falle eines Neubaus drei mögliche neue Standorte genannt: den Hang am Volksfestplatz, das freie Gelände des Berufsbildungszentrums an der Fraunschulstraße und die erweiterungsfläche im Gewerbegebiet Nord. Damals wurden diese Areale nicht weiter erörtert. Nun scheint mit der Spielplatzfläche eine vierte Option in der Diskussion zu sein.

Noch ist nichts entschieden

Auf Nachfrage will Braunmiller solche Überlegungen nicht ausschließen: „Es gibt einige Fragezeichen. Wir müssen neu überlegen, was wir mit dem Gelände machen. Die Zukunft ist komplett offen.“ Einen Zeitrahmen, bis wann Klarheit herrschen soll, gebe es nicht.

Beim Förderkreis ist man alles andere als glücklich über die jüngsten Ereignisse, wie Zweiter Vorsitzender Siegfried Faltlhauser bestätigt: „Wir wollen natürlich, dass der Spielplatz erhalten bleibt. Alles andere ist ein ,No go’.“ Dass die besagten Geräte aus Sicherheitsgründen jetzt abgebaut werden mussten, sei jedoch nach 40 Jahren Betrieb nachzuvollziehen.

Teure Sicherheit

Was die Situation am Abenteuerspielplatz zusätzlich verkompliziert: Die Geräte sind damals in Eigenleistung errichtet worden und entsprechen damit nicht den heute geltenden, zertifizierten Sicherheitsstandards. Doch diese DIN-Normen machen Spielplätze nicht nur sicherer, sondern auch teurer. Mit mehreren 10 000 Euro rechnet Braunmiller für die Neuausstattung des Spielplatzes – Geld, das der Förderkreis nicht hat. Hier müsste die Stadt ebenfalls im Rahmen ihres Sanierungsprogramms einspringen.

Der Förderkreis würde dafür weiter die Pflege des Geländes übernehmen – so wie bislang. Dazu gehören Rasen mähen, Mülleimer leeren und gelegentlich Unrat und Scherben entfernen. Denn beliebt sei der Spielplatz auch heute noch, wie Faltlhauser betont: „Es sind eigentlich immer Kinder da. Auch der Kindergarten geht gerne dorthin.“

Angst vor „scheibchenweiser Deaktivierung“

Nun sei die Sorge groß, „dass der Spielplatz scheibchenweise deaktiviert wird“. Entsprechend schlecht sei die Stimmung im Verein. Dabei habe der Förderkreis aus seiner Anfangszeit noch einen Vertrag mit dem damaligen SPD-Bürgermeister Konrad Schweinsteiger, der im Namen der Stadt dem Förderkreis das Nutzungsrecht für diese Fläche einräumte, so lange es den Verein gibt.

Der Förderkreis ist nun bei der Neuanschaffung von Spielgeräten von der Stadt abhängig. „Durch die Sicherheitszertifizierung verteuert sich der Preis für Spielgeräte drastisch. Gefühlt wird aus 400 Euro Materialkosten 5000 Euro Endpreis mit Sicherheitssiegel“, stellt Faltlhauser fest. „Für uns ist das leider nicht mehr stemmbar.“ Daher brauche man die Hilfe der Stadt. Doch dazu muss der Abenteuerspielplatz erst mal eine gesicherte Zukunft haben.

ddy

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