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Halbherzige Unterstützung für Leihräder

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Von: Bettina Stuhlweißenburg

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Im Kreis München ein gängiges Bild: MVG-Leihräder an S-Bahnhöfen. Hier sind die Drahtesel an der S-Bahn-Station Neubiberg zu sehen. Holzkirchen, Valley, Weyarn und Otterfing wünschen sich ebenfalls eine Flotte.
Im Kreis München ein gängiges Bild: MVG-Leihräder an S-Bahnhöfen. Hier sind die Drahtesel an der S-Bahn-Station Neubiberg zu sehen. Holzkirchen, Valley, Weyarn und Otterfing wünschen sich ebenfalls eine Flotte. © archiv MSC

Können Radler im Kreis Miesbach bald Drahtesel der MVG ausleihen? Das ist noch ungewiss. Vier Nord-Gemeinden wollen das Fahrradverleihsystem „MVG-Rad“ installieren – und hatten den Landkreis um finanzielle Beteiligung gebeten. Doch der ist skeptisch.

Landkreis – Ob für die letzten Meter zwischen S-Bahn-Station und Haustür, den Weg zur Arbeit oder für Ausflüge: Der Mietradservice der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) will Mobilität in München und Umgebung individueller und nachhaltiger gestalten. Wer eines der insgesamt 4000 Leihräder nutzen will, muss sich die App „MVG more“ aufs Smartphone laden und sich registrieren. Dann gibt er seinen Standort auf der Karte ein, wählt ein verfügbares Rad in der Nähe aus und bekommt einen PIN-Code zugesandt. Den gibt er in den Bordcomputer des Drahtesels ein – und schon kann’s losgehen. Fünf Cent pro Minute kostet das, aber maximal zwölf Euro am Tag.

Holzkirchen, Otterfing, Valley und Weyarn finden das System so überzeugend, dass sie es auch anbieten möchten. Sie haben deshalb beantragt, dass der Landkreis die Federführung bei der Einführung des MVG-Rads – beginnend in den Gemeinden – übernimmt. Und dass er sich dazu an der Finanzierung beteiligt (wir berichteten). Vorbild ist der Kreis München. Dort werden 80 Prozent der Investitionskosten durch staatliche Zuschüsse gedeckt. Zehn Prozent schultert die jeweilige Gemeinde, zehn Prozent der Landkreis. Die jährlichen Betriebskosten teilen sich Gemeinde und Kreis je zur Hälfte.

Keine Beteiligung an den Betriebskosten

Vor allem die dauerhafte Beteiligung an den Betriebskosten sieht Kreiskämmerer Gerhard de Biasio eher kritisch. Für ihn kommt nur eine Beteiligung an den Investitionskosten infrage – in Höhe von maximal 40 000 Euro. „Das ist eine freiwillige Beteiligung, da das MVG-Leihradsystem nicht im Nahverkehrsplan vorgesehen ist“, betonte er in der jüngsten Sitzung des Kreisentwicklungsausschuss. Da das Budget für freiwillige Leistungen für 2022 nahezu ausgeschöpft sei, bleibe nur die Summe von 40 000 Euro übrig. Die Ausschussmitglieder folgten de Biasios Vorschlag – und lehnten eine Federführung des Landkreises bei der Installation von MVG-Rad samt Beteiligung an den Betriebskosten ab. Dagegen waren sie damit einverstanden, sich mit 40 000 Euro an den Investitionskosten zu beteiligen. „Wir wollen das grundsätzlich unterstützen“, sagte Landrat Olaf von Löwis (CSU). Für die Nord-Gemeinden mache es Sinn, da es hier mit Blick auf die S-Bahn-Stationen Schnittstellen gebe. Allerdings sei fraglich, ob das System auch im südlichen Landkreis Erfolg habe, wo die Steigungen erheblicher seien. Elektro-Räder sind für die Flotten im Kreis Miesbach vorerst nicht vorgesehen.

Kein „Free-Floating-System“

Nur Alois Fuchs (CSU) stimmte dagegen. „Wir sind eine Landbevölkerung, das Rad steht dann irgendwo in der Pampa.“ Peter Schiffmann, Leiter des Fachbereichs Mobilität am Landratsamt entgegnete, dass das nicht möglich sei: „Das ist kein Free-Floating-System.“ Das Rad müsse an einer dafür vorgesehenen Station abgegeben werden, der Mieter sich ausloggen, sonst zahle er weiter. Allerdings nicht unbegrenzt: Wer sein Rad regelwidrig irgendwo abstellt, zahlt eine Gebühr von 20 Euro.

Elisabeth Dasch (SPD), die auch Gemeinderätin in Holzkirchen ist, betonte, dass Holzkirchen das MVG-Rad auch ohne Landkreis-Hilfe vorantreiben wolle. „Es ist ein wichtiger Baustein für unsere Gewerbetreibenden und für unsere Infrastruktur.“ Holzkirchen will am Bahnhof eine Station mit 25 Rädern errichten, im Gewerbegebiet Nord eine Station mit 15, im Gewerbegebiet Ost eine mit zehn Rädern und eine Abstellstele mit acht Rädern am Rathaus.

Weitere Beratungen stehen an

Ob Valley, Weyarn und Otterfing das MVG-Rad ohne Beteiligung des Landkreises an den Betriebskosten holen, ist unklar. „Darüber muss in den Gemeinderäten erneut beraten und abgestimmt werden“, sagt Leonhard Wöhr (CSU), der auch Bürgermeister von Weyarn ist.

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