Eine S-Bahn steht am 28.07.2013 in München (Bayern) am Ostbahnhof auf einem Gleis
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Mit einem Ticket bis nach München und darüber hinaus könnten die Fahrgäste nach dem MVV-Beitritt des Landkreises Miesbach unterwegs sein (Symbolfoto).

Start Ende 2023?

MVV-Beitritt des Landkreises Miesbach: Studie bescheinigt „hohe verkehrliche Sinnhaftigkeit“

  • Sebastian Grauvogl
    VonSebastian Grauvogl
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So sinnvoll wie in keinem anderen Landkreis wäre der MVV-Beitritt des Landkreises Miesbach. Das hat eine Analyse des MVV ergeben. Doch bis zum Start dauert es noch.

Landkreis – Vier Millionen ein- und ausgehende Fahrten haben die Experten von MVV Consulting im Oktober 2020 für den Landkreis Miesbach gezählt. Start und Ziel dieser „Reisen“ lagen jeweils im Ballungsraum in einem Radius von 100 Kilometer rund um die Landeshauptstadt München. Ob Berufspendler, Ausflügler, Touristen oder Schüler: Kein anderer der potenziellen Erweiterungslandkreise des MVV-Gebiets weist so starke „verkehrliche Verflechtungen“ auf wie Miesbach, machten die Vertreter des MVV, Felix Fitz und Alfred Ismair, nun im Kreisentwicklungsausschuss deutlich. Die „verkehrliche Sinnhaftigkeit“ eines Beitritts des Landkreises zum Tarifverbund sei daher so groß wie sonst nirgends.

Bewertungsmatrix zeigt Landkreise im Vergleich

Zum Vergleich hatten die Experten eine Bewertungsmatrix mitgebracht, die sie in der ersten Untersuchungsphase einer Erweiterung des seit 1972 unveränderten MVV-Gebiets erstellt haben. Mit einem Gesamtergebnis von 18 Punkten rangiert der Landkreis Miesbach mit großem Abstand an der Spitze. Auf den weiteren Plätzen folgen der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen mit 13 Punkten sowie Rosenheim (Stadt und Landkreis) und Landshut (Stadt und Landkreis) mit jeweils 11 Punkten. Geht man vom prognostizierten Bevölkerungswachstum im Landkreis Miesbach aus, dürften sich die Werte hier sogar noch erhöhen, erklärte Fitz.

Spannend war zudem, wie die Verkehrsströme verlaufen. So ist hier keineswegs nur die Achse von und nach München relevant (1,28 Millionen Fahrten im Oktober 2020). Sogar 1,32 Millionen Reisen verliefen zwischen Bad Tölz und Miesbach, 1,18 Millionen von und nach Rosenheim (Stadt und Landkreis). Der MVV-Raum war bei 2,33 Millionen Fahrten einbezogen. Die Berufspendlerquote im Landkreis Miesbach lag 2019 bei 41,5 Prozent (Auspendler) und 35,7 Prozent (Einpendler).

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An den Wochenenden hingegen setzt sich vor allem die Landeshauptstadt München in Bewegung. Knapp vier Millionen Fahrten aus dem Stadtgebiet München zeigten die Mobilfunkdaten für die Wochenendtage im August 2020. Der Landkreis Miesbach taucht in der Liste der Top-10-Ziele gleich drei Mal auf: Schliersee auf Platz vier, Kreuth auf Rang sechs und Rottach-Egern an achter Stelle. Für Fitz und Ismair ein weiteres Argument für eine Erweiterung des MVV. Durch die Integration der Landkreise mit den beliebtesten Freizeitzielen würde eine attraktive Alternative zum Individualverkehr auf den Straßen geschaffen.

Jetzt sollen die wirtschaftlichen Faktoren geprüft werden

Doch die verkehrliche Sinnhaftigkeit eines MVV-Beitritts ist nur der erste Teil der Analyse. Phase 2 soll nun die wirtschaftlichen Faktoren prüfen. Mithilfe von Fahrgastbefragungen wollen die Experten ein „Migrationskonzept“ mit möglichen Tarif- und Fahrplananpassungen erarbeiten. Wegen des coronabedingten Rückgangs der Fahrgastzahlen habe man die Erhebungen zuletzt immer wieder verschoben. Seit Juni 2021 laufen sie nun aber im Landkreis Miesbach. Um ein repräsentatives Ergebnis zu erhalten, werden sie ein komplettes Jahr lang dauern. Erst danach könne man die finanziellen Auswirkungen des MVV-Beitritts aufzeigen.

Weil im Landkreis Miesbach mit der Fortschreibung des Nahverkehrsplans ) schon einiges an Vorarbeit geleistet wurde, könnte dieser zusammen mit Bad Tölz-Wolfratshausen, Weilheim-Schongau Ost sowie Stadt und Landkreis Rosenheim als erstes in den erweiterten Verbund aufgenommen werden. Als „sehr optimistischen“ Starttermin nannte Ismair Ende 2023.

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Das ließ Karl Bär (Grüne) schlucken. „Was können wir als Landkreis tun, um den Prozess zu beschleunigen?“, fragte Bär. Leider nichts, antwortete Ismair. Schon jetzt sei der Zeitplan „hochambitioniert“ und nur zu halten, wenn alle Beteiligten und damit auch die jeweiligen politischen Gremien in den Landkreisen an einem Strang ziehen. Mit Miesbach und Bad Tölz jedenfalls verlaufe die Zusammenarbeit schon jetzt bestens, sagte Ismair. Landrat Olaf von Löwis (CSU) versicherte, dass das auch so bleibt. „Wir machen mit Vollgas weiter, aus unserer Sicht kann es gar nicht schnell genug gehen.“

sg

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