Sind (vorerst) sesshaft geworden:: Svenja und Peter Reidelbach sind mit ihrem Camper-Van von Alaska nach Rio gefahren. Seit Kurzem haben sie nun in Miesbach wieder ein festes Dach über dem Kopf.
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Sind (vorerst) sesshaft geworden:: Svenja und Peter Reidelbach sind mit ihrem Camper-Van von Alaska nach Rio gefahren. Seit Kurzem haben sie nun in Miesbach wieder ein festes Dach über dem Kopf.

Sie haben schon 70 Länder bereist

Nach 14 Monaten im Camper-Van: Zwei Weltreisende werden in Oberbayern sesshaft

  • Sebastian Grauvogl
    VonSebastian Grauvogl
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14 Monate waren Svenja (32) und Peter (34) Reidelbach mit ihrem Camper-Van unterwegs – von Alaska bis Rio de Janeiro. Jetzt sind sie wieder sesshaft geworden – mitten in Miesbach.

Miesbach – Sie hatten keine spezielle Mission. Sie waren auch nicht auf der Suche nach dem Sinn des Lebens oder nach sich selbst. Und für immer aussteigen wollten sie erst recht nicht. Svenja (32) und Peter (34) Reidelbach wollten einfach nur Reisen. „Unser einziges Ziel war, irgendwann kein weiteres Ziel mehr zu haben und endlich „reisesatt“ zu sein.

Miesbach: Ehepaar entdeckt „Vanlife“ für sich als Lebensstil

Das waren die beiden wirklich, als sie gerade noch rechtzeitig vor dem ersten Corona-Lockdown von ihrer 14-monatigen Tour von Alaska nach Rio de Janeiro zurückkehrten. Seit Kurzem wohnen sie nun in Miesbach. Doch ihr Camper-Van parkt fahrbereit vor der Haustür. Wer weiß, wann der Reisehunger doch wieder ausbricht.

Wenn die Reidelbachs erzählen, wie sie nach Miesbach gekommen sind, klingen sie wie viele andere Zugezogene auch. Die Nähe zu den Bergen und zu München habe den Ausschlag gegeben. „Wir müssen ja auch Geld verdienen“, sagt Svenja Reidelbach. Das tun die beiden als Angestellte im Bereich erneuerbare Energien.

In einem Punkt unterscheiden sie sich aber von manchen anderen Neubürgern. Sie haben sich ihren Camper-Van nicht zugelegt, weil es gerade hip ist, sich als Outdoor-Abenteurer auszuprobieren. Sie haben das „Vanlife“ als Lebensstil entdeckt und diesen bereits in vielen Ländern dieser Welt gepflegt.

Vollzeitjobs für Reiselust an den Nagel gehängt: Erfahrungen teilen sie in einem Blog

Bevor sie so weit waren, ging es den Reidelbachs (Svenja stammt ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen, Peter aus Unterfranken) wie vielen anderen Reiselustigen auch. Sie wollten möglichst viel sehen, hatten wegen ihrer Vollzeitjobs aber nur sehr begrenzt Zeit dafür. Andererseits wollten sie auch nicht auf ausgetretenen Touristenpfaden in zwei Wochen möglichst viele Sehenswürdigkeiten abklappern. Also versuchten sie, Abenteuer und Alltag zu kombinieren. Ihre Erfahrungen teilten sie in ihrem Blog „Work-Travel-Balance“ sowie in diversen Vorträgen mit und halfen Gleichgesinnten bei der Planung solcher Reisen.

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Mit der Zeit stellten die Reidelbachs jedoch fest, dass sie doch einmal so richtig rauswollen. Sie kündigten Mietvertrag und Job, lagerten ihre Möbel bei Svenja Reidelbachs Opa in Dortmund ein und machten sich auf die längste Reise ihres Lebens. Eine exakt ausgearbeitete Route hatten sie nicht. Nur ihre Wunschländer notierten sie auf bunten Zetteln und gruppierten sie dann auf einer Weltkarte. „Alles andere haben wir von Tag zu Tag spontan entschieden“, erzählt Svenja Reidelbach.

Zwei Weltreisende auf Tour: Reifenplatzer, wilde Bären und grimmige Grenzbeamte

In Alaska kauften sich die beiden einen VW-Bully, dann fuhren sie los. Einmal durch die USA, einen Abstecher nach Hawaii (hier waren sie mit dem Fahrrad unterwegs) und Samoa in der Südsee gönnten sie sich auch. Dann ging’s zurück zu Familie und Freunden nach Deutschland. Doch schon bald packte das Paar wieder die Reiselust. Auf dem Balkan stellten die Reidelbachs dann fest, dass ihnen klassisches Backpacking doch zu „unflexibel“ ist.

Also flogen sie nach Kolumbien, kauften sich dort einen Geländewagen und fuhren bis nach Rio de Janeiro. Was sie in den insgesamt 14 Monaten erlebt haben – von Reifenplatzern über wilde Bären und ebenso „wenig zahme“ Grenzbeamten – haben die beiden in ihrem 450 Seiten dicken Buch „Kein Ziel ist das Ziel“ aufgeschrieben. Sobald es die Corona-Lage zulässt, wollen sie ihre Faszination auch wieder in Vorträge mit anderen Reisefans teilen.

Wohin sie ihren Van als nächstes steuern, wissen sie noch nicht. „Irgendwo durch Europa“, sagt Svenja Reidelbach. „Alles andere lassen wir wieder auf uns zukommen.“ An ihrer neuen Wohnung in Miesbach wollen sie aber festhalten. „Im Winter“, sagt Svenja Reidelbach, „ist es im Van einfach zu kalt.“ sg

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