(v.l.) Kulturamtschefin und Leiterin des Waitzinger Kellers in Miesbach, Isabella Krobisch, Miesbachs Bürgermeister Gerhard Braunmiller und Barbara Gerbl vom Atelier Farbenspiel.
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Ein Lächeln schenken Kinder und Jugendliche aus der Kreisstadt beim Kunstprojekt von Barbara Gerbl (r.) mit Selbstporträts. Die Aktion ist Teil des Kulturprogramms des Waitzinger Kellers, das (im Hintergrund) Leiterin Isabella Krobisch und Bürgermeister Gerhard Braunmiller nun vorstellten.

Nach der Corona-Pause

Kultur-Flaute beendet: Waitzinger Keller stellt Programm für den Rest des Jahres vor

  • vonKatrin Hager
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Endlich hat die kulturelle Herzkammer der Kreisstadt wieder Puls: Bis Ende des Jahres steht ein Programm mit Kabarett, Musik, Theater im Waitzinger Keller. Ein vorsichtiges Herantasten an einstige Normalität, mit einigen namhaften Künstlern, aber auch Wermutstropfen.

Miesbach – Die Lichter im Waitzinger Keller als Kulturzentrum sind mit der Ausstellung von Werken Peter Loews wieder angegangen. Kultur soll wieder zurückkehren ins Analoge, sagt Leiterin Isabella Krobisch. Sie und ihr Team legen nun das erste Programm seit Beginn der Pandemie auf. Ein Versuch, auf Sicht zu steuern: „Wir planen bis auf Weiteres nur noch drei Monate im Voraus“, erklärt Krobisch. Der Betrieb soll maßvoll anlaufen. Die Kurzarbeit, die im Kulturzentrum seit 25. Mai lief, endete am 28. September.

Die geplanten Veranstaltungen bis Ende Dezember bezeichnet Krobisch als klein und fein. Wer darunter einen Euphemismus für Notbetrieb wittert, liegt falsch: Auch Publikumsmagneten wie Musikkabarettist Stephan Zinner, Liedermacherin Claudia Koreck und Kabarettist Stefan Kröll sind dabei (siehe Kasten). „Die Besucher müssen auf fast nichts verzichten“, sagt Krobisch.

Diese Highlights sind weiter verschoben oder fallen ganz aus

Freilich: Es gibt ein paar dicke Wermutstropfen. Längst ausverkaufte Auftritte etwa von Bruno Jonas oder Harry G müssen weiterhin verschoben werden, weil die volle Besucherzahl mit Abstandsregeln schlicht nicht unterzubringen ist. Die Premiere des Freien Landestheaters Bayern (FLTB) mit „Anatevka“ ist abermals verschoben, weil die vielen Mitwirkenden auf der Bühne die Abstandsregel nicht einhalten können. Das Konzert der Pegasus Symphonics ist aus demselben Grund ganz abgesagt. Auch das große Adventssingen des Trachtenvereins ist abgesagt.

Von Regelbetrieb ist das Kulturzentrum auch wegen des Infektionsschutzes noch weit entfernt. Das Hygienekonzept sieht Einbahn-Laufwege und Desinfektionsmittel-Spender vor. Platzanweiser geleiten die Besucher vom Einlass direkt zu ihrem Platz. Alle Besucher sind angehalten, sich überall an 1,50 Meter Mindestabstand zu haushaltsfremden Personen zu halten und die Mund-Nasen-Maske aufzubehalten. Auf dem Sitzplatz angekommen, darf die Maske für die Dauer der Vorstellung aber abgenommen werden. Das Programm wird ohne Pause durchgehend gespielt, Getränke werden gleich vor Beginn verkauft und können mit in den Saal genommen werden.

Dort finden bis auf Weiteres alle Veranstaltungen des Kulturzentrums statt. Mit in luftigen Reihen aufgestellten Stühlen und Tischen hat es das Team geschafft, eine abstandsgerechte Bestuhlungsform zu finden, bei der man sich als Gast wohlfühlen kann und sich nicht verloren vorkommt. Der Saal bietet sonst bei Vollbestuhlung 480 Plätze, nun sind es nur noch 125, also ein gutes Viertel. Eine Zahl, die auch deutlich macht, mit welchen Einbußen die Veranstaltungsbranche vermutlich noch geraume Zeit zu kämpfen haben dürfte. Und ein Grund, weshalb auch Krobisch und ihr Team den Etat in diesen Zeiten besonders aufmerksam im Blick behalten.

Bürgermeister Gerhard Braunmiller freut sich aber erst mal über den „Neustart“ des Waitzinger Kellers nach fast sieben Monaten Corona-Pause. Er betont: „Für die Stadt Miesbach ist der Waitzinger Keller eine wichtige kulturelle Einrichtung – da trifft sich die Gesellschaft.“

Blick ins Programm im Waitzinger Keller mit Stephan Zinner, Claudia Koreck & Co.

  • 16. Oktober, 20 Uhr: Musikkabarett „Tankstell fürs Leben“ mit den Neurosenheimern
  • 22. Oktober, 20 Uhr: Kellerbrettl-Konzert mit der Band Housemusi
  • 23. Oktober, 20 Uhr: Kabarett „Löwenzahn“ mit Helmut A. Binser
  • 24. Oktober, 18 Uhr: Liederabend „Liebe 3x anders“ mit dem FLTB
  • 30. Oktober, 19.30 Uhr: Fotos und Texte von Hans-Günther Kaufmann „Die Sehnsucht nach dem Ursprung ist die Sehnsucht nach einem neuen Anfang“
  • 7. November, 19.30 Uhr: Lesung aus dem Briefwechsel von Franz und Maria Marc mit Anna März und Michael Stacheder
  • 11. November, 19 Uhr: Puppentheater „St. Martin für Erwachsene“ mit Andreas Ulbrich
  • 12. November, 20 Uhr: Musikkabarett Stephan Zinner „Raritäten“
  • 13. November, 20 Uhr: Konzert „Auf die Freiheit“ mit Claudia Koreck und ihrem Mann Gunnar Graewert
  • 19. November, 20 Uhr: Kabarett „Goldrausch 2.0“ mit Stefan Kröll
  • 21. November, 18 Uhr: Konzert „Die ganze Welt ist himmelblau“ des FLTB
  • 27. November, 20 Uhr: Kellerbrettl-Konzert mit der Band Kreuzberg
  • 18. und 19. Dezember, 20 Uhr: Theater „Hallelujah“ mit dem Fools-Ensemble des FLTB
  • 19. und 20. Dezember, 15 Uhr: Familientheater „Du spinnst wohl!“ des FLTB-Fools-Ensembles
  • 30. Dezember, 19 Uhr: Konzert „Musikalische Pralinés“ des FLTB
  • Das komplette Programm und alle Verschiebetermine sind auf der Homepage des Waitzinger Kellers zu finden.

Riesen-Kunstprojekt: 850 Kinder und Jugendliche schenken der Stadt ihr Lächeln

Auch Ausstellungen sind im Programm des Waitzinger Kellers wieder vertreten. Für dieses Projekt ist aber selbst das große Kulturhaus zu klein: Auf Initiative des Ateliers Farbenspiel von Barbara Gerbl malen derzeit rund 850 Kinder und Jugendliche aus allen Kindergärten und Schulen im Stadtgebiet Selbstporträts. Das Motto lautet „Ich schenke Dir mein Lächeln“ – schließlich ist das wegen der Maskenpflicht oft gar nicht zu sehen, erklärt Gerbl.

Ausstellungsflächen gesucht

Von den Ergebnissen ist sie ebenso begeistert wie von der Resonanz: „Es ist unglaublich, was da passiert.“ Schließlich sind Selbstporträts eine schwierige Disziplin: Der Blick auf sich selbst ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Demnächst werden die Bilder auf Banner gedruckt, um diese in der ganzen Kreisstadt aufzuhängen – „damit wir das Lächeln schenken können und eines in das Gesicht der Betrachter zaubern“, erklärt Gerbl.

Die Plätze stehen noch nicht fest, das Kulturamt der Stadt sucht Standorte. Die Ausstellung soll von Ende Oktober bis Ende November ganz Miesbach bunt und fröhlich machen.

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