„Recht machen kann man es sowieso nie“: Landrat Olaf von Löwis bekommt in der Corona-Pandemie ständig Zuschriften. Einige gehen ihm nun zu weit.
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„Recht machen kann man es sowieso nie“: Landrat Olaf von Löwis bekommt in der Corona-Pandemie ständig Zuschriften. Einige gehen ihm nun zu weit.

Über 600 Kommentare in vier Stunden

Nach schweren Drohungen: Landrat Löwis fordert mehr Anstand

  • Christian Masengarb
    VonChristian Masengarb
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Das Landratsamt hat Details zu den Drohungen gegen Olaf von Löwis bekannt gegeben. Zuletzt hätten Schreiber gedroht, den Landrat zuhause aufzusuchen. Der fordert nun mehr Anstand.

Miesbach – Als die Schreiber Olaf von Löwis (CSU) androhen, ihn zuhause zu besuchen, geht es für den Landrat plötzlich auch um seine Familie. Kritische Zuschriften ist Löwis zwar gewohnt, er hat sie schon während der gesamten Corona-Krise bekommen. Er habe sehr lange sehr viel toleriert, schreibt Landratsamt-Sprecherin Sophie Stadler unserer Zeitung auf Nachfrage. So viele und im Tonfall so scharfe Angriffe wie zuletzt seien es aber noch nie gewesen. Daher habe Löwis nun beschlossen, gegenzusteuern.

Nach Gewalt-Drohungen: Landrat Löwis fordert mehr Anstand

Wie berichtet, hat Löwis die Polizei eingeschaltet, nachdem ihm Schreiber in E-Mails und Nachrichten in Sozialen Netzwerken wegen des Tagesausflugsverbots für Menschen aus anderen Landkreisen körperliche Gewalt wie Schläge angedroht hatten. Seit Dienstag hat das Landratsamt das Ausflugsverbot wegen der niedrigen Inzidenz im Landkreis zwar aufgehoben, doch Löwis bekommt laut Stadler weiter Zuschriften mit „markigen Worten“: Nun von Einheimischen, die die Aufhebung kritisieren. Gestern hat Stadler Details dazu bekannt gegeben, warum der Landrat damit an die Öffentlichkeit gegangen ist.

Löwis fordere mehr Anstand, schreibt sie. Gegenüber sich selbst, aber auch gegenüber den Mitarbeitern der Corona-Hotline und des Bürgerservices des Landratsamts, die sich ähnliche Aussagen anhören müssten – obwohl sie weder über Verbote noch deren Aufhebung entscheiden. Bei WhatsApp- und Telegram würden einige außerdem zum Boykott des Landratsamts aufrufen.

„Kritik ist absolut berechtigt und darf gerne geäußert werden“, schreibt Stadler weiter. „Aber hier ging es nicht mehr darum, Kritik zu äußern, sondern darum, zu beleidigen und zu bedrohen.“

Das Problem sei wohl eskaliert, weil Löwis mit dem Ausflugsverbot einigen eine Vorlage lieferte, ihren Frust über die Einschränkungen auszulassen, schreibt Stadler. Sie hätten ihm spontan geschrieben und sich im Ton vergriffen. „Vereinzelt“ hätten sich einige gestern dafür entschuldigt. „Das hat uns sehr gefreut.“

Andere haben ihre Namen nicht genannt und verstecken sich hinter der Anonymität des Internets. Manche Beiträge könnten auch von organisierten Gruppen oder automatisieren Programmen verfasst worden sein: Auf seinem privaten Facebook-Kanal erhielt Löwis innerhalb von vier Stunden über 600 Kommentare – alle ähnlich formuliert und von unklaren Autoren geschrieben. Das zeugt von System. Dazu, dass der Landrat die Polizei einschalte, habe auch das Schild am Straßenrand beigetragen, das vor einigen Wochen Münchner Ausflügler beschimpfte (wir berichteten).

Was dem Landrat nun wichtig ist: Die Rücknahme des Ausflugsverbots sei kein Einknicken gegenüber den Drohschreibern gewesen. Die niedrige Inzidenz habe diese Entscheidung erfordert. Ebenso abwegig sei der Vorwurf, das Landratsamt habe die Inzidenz durch die Zahlen der Fälle in Seniorenheimen nach oben manipuliert, um Ausflügler aussperren zu können. Es sei um das Leben der Senioren gegangen.

Wie gegensätzlich diese Unterstellungen sind, belegt auch, was Stadler noch schreibt: „Recht machen kann man es sowieso nie.“ Egal, was Löwis seit Beginn der Pandemie tut, der Aufschrei sei immer groß gewesen.

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