Kulinarischer Abend, Miesbach
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Wenn in Miesbach mal was los ist, dann aber richtig: Der Kulinarische Abend der Gemeinschaftswerbung Miesbach (GWM) hat sich zu einem echten Publikumsmagneten entwickelt.

Fokus auf Veranstaltungen

Nach GWM-Ausstieg: Miesbach denkt über Stelle für Stadtmarketing nach

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Stadtmarketing im Ehrenamt: Das war in Miesbach in der Vergangenheit Usus – der Gemeinschaftswerbung sei Dank. Jetzt soll die Arbeit professioneller aufgezogen werden.

Miesbach – Die Corona-Krise hat etwas Druck aus dem Kessel genommen. „Das wäre heuer eh nichts geworden mit dem Kuli“, sagte Aline Brunner (FWG) im Stadtrat. Auch die zweite Miesbacher Großveranstaltung, der 1000 Lichterglanz zum Adventsauftakt, stehe durch die Pandemie auf der Kippe. Doch trotz des Virus dürfe man nicht über ein viel grundlegenderes Problem hinwegschauen: Die beliebten Events in der Kreisstadt stehen derzeit ohne Veranstalter da. „Auch ohne Corona hätten wir ein Mords-Problem“, sagte Brunner, die als Beisitzerin auch im Vorstand der Gemeinschaftswerbung Miesbach (GWM) aktiv ist.

Wie berichtet, hatte die GWM bereits im Dezember 2019 der Stadt mitgeteilt, dass sie Großveranstaltungen im Ehrenamt nicht mehr stemmen könne. Ende März habe GWM-Vorsitzender Florian Brunner deshalb den Vertrag mit der Stadt gekündigt, teilte Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) in der Sitzung mit. Damit entfalle auch der Zuschuss von 25 000 Euro, den die Stadt jährlich an die GWM überwiesen hat.

Doch die Gewerbetreibenden haben sich nicht einfach aus der Verantwortung gezogen. Im Gegenteil: Sie lassen sich beraten, wie die Zusammenarbeit mit dem Rathaus künftig aussehen könnte, um das Stadtmarketing auf neue Füße zu stellen. Dafür habe sich die GWM erfolgreich für das Corona-Selbsthilfeprogramm des Wirtschaftsministeriums beworben, berichtete Braunmiller. Die Ergebnisse der ersten beiden Workshops stellte Achim Gebhardt vom beauftragten Beratungsbüro CIMA vor.

Die Diagnose ist eindeutig: Die in der GWM engagierten Geschäftsleute hätten durch die hohe Arbeitsbelastung zu wenig Zeit, eine langfristige Strategie zu entwickeln, so Gebhardt. Es brauche eine „starke Schnittstelle“ zwischen Gewerbe und Rathaus. Gebhardt nannte Beispiele aus anderen Städten, wo diese direkt in der Verwaltung angesiedelt ist. Als Ansprechpartner für wirtschaftsorientierte Veranstaltungen und für Koordination und Dialog mit privaten Partnern. „Stadtentwicklung muss als Paket wahrgenommen werden“, betonte Gebhardt.

Lesen Sie auch: GWM ist zufrieden: „Viele Leute zeigen sich solidarisch mit dem Handel“

Braunmiller kündigte an, im Stadtentwicklungsausschuss über die Umsetzungsmöglichkeiten in Miesbach zu sprechen. „Wir müssen uns diesem Thema stellen.“ Die Stadträte sahen das genauso. Sie mahnten aber auch, dass diese Aufgaben kaum mit dem jetzigen Personalstand zu bewältigen seien. „Das geht nicht mit Umschichten“, sagte etwa Verena Assum (CSU). „Wir müssen zusätzliches Geld in die Hand nehmen.“

Viel Lob bekam vor allem Max Kalup, der durch seine Posten als stellvertretender Leiter des Kulturamts und Schriftführer im GWM-Vorstand als Bindeglied fungierte. „Ich habe von 800 Stunden nebenamtlicher Arbeit gehört“, sagte Paul Fertl (SPD). Ein „großes Kompliment“ an Kalup sprach auch Dritter Bürgermeister Franz Mayer (CSU) aus. Er als früherer GWM-Chef wisse, wie viel Arbeit in den Veranstaltungen stecke.

Ob die Stadt tatsächlich eine eigene Stelle schafft und wo diese angesiedelt werden könnte (im Gespräch ist unter anderem das Kulturamt), soll zunächst der Stadtentwicklungsausschuss besprechen. Fertl schlug vor, auch eine Kooperation mit der Standortmarketing-Gesellschaft (SMG) Landkreis Miesbach zu prüfen. „Dann hätten wir keine dauerhaften Personalkosten.“ Einen Wunsch äußerte Fertl auch: die Wiederbelebung des Bürger- oder Stadtfests. „Mit neuem Konzept, damit die Vereine wieder mehr Motivation haben, sich einzubringen.“

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