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Ein Bild aus längst vergangenen Tagen: Auch im Kreis Miesbach gab es einst viele Schlecker-Filialen – wie hier in Hausham. Nach dem Ende der Drogeriemarkt-Kette standen manche Gebäude lange leer. 

Spurensuche im Landkreis Miesbach

Das wurde aus den Schlecker-Filialen

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Fünf Jahre nach der Insolvenz des Drogeriemarkts Schlecker: Mancherorts herrschte im Landkreis lange ein Leerstand – zwei Läden sind immer noch frei. 

Landkreis Der Prozessbeginn zur Schleckerinsolvenz vor fünf Jahren beschäftigt nicht nur die ehemaligen Mitarbeiter der Drogeriemärkte. Auch viele Kunden erinnern sich an den günstigen Kosmetik-Einkauf um die Ecke – und fragen sich, was nach der Schließung aus den Läden geworden ist. Im Landkreis Miesbach hat es insgesamt elf Filialen gegeben. Eine Spurensuche.

Schlierach-/ Leitzachtal

22 Jahre lang hingen die blauen Schlecker-Schilder über den Schaufenstern an der Miesbacher Moser-Passage. Seit 1990 konnten sich die Kunden im gut 250 Quadratmeter großen Laden mit Cremes und Shampoos eindecken. Zwischen zwei und drei Mitarbeiterinnen waren hier beschäftigt. Mit dem Konkurs 2012 kam auch für sie das Aus. Es folgte ein zwei Jahre langer Leerstand, ehe 2014 der ch@os-Handyladen von seiner Fläche direkt am Stadtplatz in die ehemaligen Schleckerräume umzog.

Umgezogen ist auch die Haushamer Schlecker-Filiale. 2010 wechselte sie von der Oberen Tiefenbachstraße in kleinere Räume an der Naturfreundestraße. Mitte Juni 2012 startete aber auch hier der endgültige Ausverkauf. Das Geschäftsgebäude an der Oberen Tiefenbachstraße nutzte von 2010 bis 2011 ein Marcant-Markt für Sonderposten, nach einem größeren Umbau eröffneten hier im Sommer 2013 der Bekleidungsmarkt Takko-Fashion, die Bäckerei Ratschiller mit Café sowie eine Matratzen- Concord-Filiale. Im Ex-Schleckerladen an der Naturfreundestraße ist laut Bürgermeister Jens Zangenfeind mittlerweile das Lager eines Handwerksbetriebs untergebracht.

Bereits im Oktober 2010 schlossen sich die Türen des Schlecker-Markts an der Hauptstraße 27 in Fischbachau. Fast vier Jahre lang bemühte sich die Gemeinde, eine neue Nutzung für die 200 Quadratmeter große Gewerbefläche herbeizuführen. „Interessenten hat es immer wieder gegeben“, sagt Bürgermeister Josef Lechner. Im Juli 2014 ging der Leerstand dann endlich zu Ende. Seitdem teilen sich der Seminaranbieter Adamantis und die HS Inkjet-Service (ein Dienstleister für industrielle Beschriftungen) die Räume.

Ganz anders sieht die Sache in Schliersee aus. Nach dem Ende von Schlecker an der Leitnerstraße fand sich kein neuer Pächter. Immerhin kein allzu offensichtlicher Leerstand, denn ein Sportladen nutzt die Fenster als Ausstellungsfläche.

Tegernseer Tal

Bis 2012 gab es Schlecker-Märkte in Tegernsee, Bad Wiessee, Gmund und Schaftlach. In Tegernsee, Hauptstraße, steht der Laden aktuell wieder leer. Einige Zeit lang war dort ein Sport-Outlet angesiedelt, er ist aber wieder ausgezogen.

In Bad Wiessee, Hauptstraße, steht der Laden auch leer. Vor zweieinhalb Jahren gab’s einen Antrag, dort ein Internet-Café mit Bar einzurichten. Die Gemeinde lehnte ab und verhängte eine Veränderungssperre mit dem Ziel, einen Bebauungsplan-Plan aufzustellen. Die Sperre läuft in einem halben Jahr ab. Für einen Drogeriemarkt wäre die Fläche zu klein, es sind nur 200 Quadratmeter. Laut Bauamtsleiter Helmut Köckeis wäre das Drei- bis Vierfache nötig. Es ist der große Wunsch der Gemeinde, wieder einen Drogeriemarkt zu bekommen. Im Moment läuft gerade ein Einzelhandelsgutachten für ganz Wiessee.

In Gmund hat sich im ehemaligen Schlecker in den Arkaden an der Tegernseer Straße ein Büro der cw Baumanagement angesiedelt. Einen Drogeriemarkt gibt es nicht. Bei der Bürgerbefragung 2016 haben sich sehr viele Gmunder wieder einen Drogeriemarkt gewünscht. In Schaftlach, Alex-Gugler-Straße, ist in den ehemaligen Schleckerräumen hingegen eine Arztpraxis eingezogen.

Holzkirchen und Otterfing

Ein Jahr bevor die endgültige Pleite kam, gab Schlecker schon die beiden Filialen in Holzkirchen auf. Die Räume an der Münchner Straße bezog daraufhin das Modehaus Fremerey. Die kleine Filiale in der Badgasse schloss bereits Mitte 2011. Während dm (im HEP) und Rossmann (Gewerbegebiet-Ost) den Drogerie-Bedarf Holzkirchens gut abdecken, hinterließ die Schließung der Schlecker-Filiale in Otterfing (Kreuzstraße) 2012 eine schmerzliche Lücke. Wie eine Umfrage 2015 ergab, wünschen sich viele Otterfinger wieder einen Drogeriemarkt im Ort. Der ehemalige Schlecker-Verkaufsraum wird heute von einem Reisebüro mit Postagentur genutzt.

sg/jm/avh/dak

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