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Eine Frage der Formensprache: Diese Visualisierung zeigt den geplanten Innenhof des Pfarrheims an der Kolpingstraße. Er integriert die Hanglage und schafft eine große Freifläche für Veranstaltungen.

Streit um Geschmack

Nach Kritik an modernem Pfarrheim: Kirche will auf Stadt zugehen

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Im Streit um die Optik des geplanten Pfarrheim-Neubaus setzen Kirchengemeinde und Ordinariat auf Dialog mit dem Miesbacher Stadtrat. Anfang November gibt es ein klärendes Gespräch. 

Miesbach - In der jüngsten Sitzung des Stadtrats ist der Unmut über die äußere Gestaltung des geplanten Pfarrheim-Neubaus offen zutage getreten. Zu wuchtig und zu wenig heimattypisch, lautete das Urteil. Gleichzeitig monierte das Plenum, dass sich die katholische Kirchengemeinde bei den Änderungswünschen des Stadtrats zu wenig kompromissbereit gezeigt habe.

Eine etwas zugespitzte Sichtweise, findet Pastoralreferentin Kathrin Baumann. „Unsere Pfarrgemeinde hat sich durchaus bewegt“, sagt sie und verweist auf kleine Änderungen. „Wir haben uns viele Gedanken gemacht. Deshalb sind wir von dieser Wahrnehmung überrascht.“

Denn einen Dachüberstand ans Gebäude zu setzen oder ein Vordach einzuplanen, funktioniere nicht einfach so. „Die Änderungen müssen auch zum Gebäude passen“, sagt Baumann. Der Entwurf sei das Ergebnis aus einem Architekten-Wettbewerb. Er habe einstimmig gewonnen. Das Raumprogramm, das die Planung biete, sei für die Kirchengemeinde essenziell. Auch solle der Bau Offenheit ausstrahlen. Und die Kubatur werde nicht größer. „Wir sind immer gesprächsbereit“, betont Baumann, „aber ein komplett anderer Entwurf geht leider nicht.“

Unterstützung bekommt Miesbachs Kirchengemeinde vom Ordinariat. „Es ist nicht so einfach, etwas zu ändern“, sagt Sprecherin Bettina Göbner. Selbst wenn man stilistische Fragen außer Acht lasse und einen Dachüberstand zur Straße hin baue, lasse sich ein solcher auf der Seite des Innenhofs nicht verwirklichen. Zudem gehe es auch um die Bemaßung, die komplett überarbeitet werden müsste. „Wir haben extra einen Wettbewerb durchgeführt, um einen qualitätvollen Entwurf zu bekommen“, sagt Göbner. Der Kreisbaumeister habe das Ergebnis fachlich gelobt, der Zuspruch innerhalb der Gemeinde sei groß. Das sei wichtig, „denn wir wollen ja nicht an den Leuten vor Ort vorbeibauen“. Deshalb habe man bereits machbare Änderungen vorgenommen. „Wir bleiben aber im Gespräch und hoffen auf diesem Weg auf eine Einigung.“ Vielleicht gelinge ja Anfang November beim Gespräch mit der Stadt der Durchbruch.

Zumindest nach Art und Maß der Nutzung fügt sich der Neubau in die Umgebung der Kolpingstraße ein. Dies hat der Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung einhellig bestätigt. Ein Beschluss, den die Mitglieder als positives Signal in Richtung Kirche verstanden wissen wollen. „Das ist ein erster Schritt“, stellte Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FW) fest. „Es braucht aber Bereitschaft, auf die Umgebung Rücksicht zu nehmen.“ Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD), der Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) als Sitzungsleiter vertrat, begrüßte es, dass das Thema sich nun „in ruhigeres Fahrwasser“ bewege.

Grundlage für diesen positiven Beschluss war die Bereitschaft der Kirchengemeinde, ihren eingereichten Fragenkatalog beim Antrag auf Vorbescheid wieder zurückzunehmen. Wie berichtet, befanden sich darin Fragen zur Gestaltung, die die Stadt gezwungen haben, sich zügig festzulegen. In der Folge zog der Stadtrat die Einführung einer Ortsgestaltungssatzung für die Kolpingstraße ins Kalkül.

So ganz ohne eine Aussage zur Gestaltung ging es im Bauausschuss aber doch nicht. In einem zweiten einstimmigen Beschluss hielt das Gremium fest, dass die kubistische Formensprache sehr modern sei, jedoch wegen ihrer „dominant klobig erscheinenden Wirkung“ nicht so recht zur Umgebung passen wolle.

ddy

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